Burma, Thailand, Laos und fiese Spinnen (c) Alle Fotos von der Autorin.

Burma, Thailand, Laos und fiese Spinnen

Unsere Autorin ist durch Laos gereist, hat wundervolle Orte entdeckt und wurde am Ende des Trips beinahe von einer Spinne getötet.

Wer die Langsamkeit schätzt, gestresst von seinem vermeintlichem Wohlstand ist und Entschleunigung sucht, zudem ein herrliches Land und seine Leute kennen lernen will, ist in Laos goldrichtig.

Als meine Familie und ich von Burma kommend über Thailand aus über das herrliche Chang Mai und Chang Rai ganz oben im Norden, über den Mekong nach Laos einreisten, erlebten wir unsere Tage der Langsamkeit. Hatten wir uns in Thailand bereits von der Hektik unseres Lebens in Europa erholt, so erlebten wir auf dieser Reise über den Mekong, dem mehr als 6000 Kilometer langen Fluss, der durch Vietnam und Laos fließt, ein absolutes Highlight des Müßigganges. Die Flussfahrt, die mehrere Tage dauerte und auf einem uralten Kahn stattfand, auf dem vielleicht 30 Leute Platz finden, gestaltete sich in einer absoluten Ruhe, die uns gestressten Städtern schon fast unnatürlich erschien.

Abgesehen vom höllischen Dröhnen des Schiffsmotors — wir waren selber schuld, denn wir saßen ganz hinten, wo der Lärm am schlimmsten war — schien diese Bootsfahrt wie aus einer anderen Welt entsprungen. Vorne saßen ein paar Einheimische. Ich erinnere mich noch ganz genau an jene Mutter mit ihrem Kleinkind, das nicht älter als drei Jahre alt gewesen sein dürfte. Die junge Mama schien sehr erschöpft. Sie schlief ständig ein und döste über Stunden dahin, während ihr Töchterchen neben ihr saß und sich nicht vom Fleck rührte.

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Mehrere Male machte ich mir Sorgen, dass das Kind aufstehen und vom Kahn fallen würde. Dies hätte leicht geschehen können, da wir das Kielwasser mit unseren Händen greifen konnten. Doch nichts dergleichen geschah. Kinder unserer „zivilisierten“, westlichen Welt hätten spätestens nach zehn Minuten gequengelt oder wären hysterisch auf dem Boot herumgetrampelt, keinesfalls hätten sie ihre Mutter geschlagene drei Stunden am Stück schlafen lassen. Ich habe auf die Uhr geschaut: So lange dauerte nur eine einzige Schlafeinheit der jungen Mama. Und viele weitere folgten in den nächsten Tagen.

Einmal wachte die Jungmutter auf, holte aus der Plastiktasche eine Stück Klebereis mit Fisch und fütterte damit das Kind, um gleich wieder einzuschlafen. Das Kind aß stumm, summte vor sich hin, spielte mit ein paar Hölzchen und gab Ruhe.

Der Kahn tuckerte gemütlich über den braunen Mekong, der sich in großen Schlaufen vor uns ausbreitete. Links und rechts zeigte sich dichtester Dschungel, ab und zu tauchten verlassene Dörfer auf, Kinder liefen zum Steg und riefen uns irgendetwas zu oder winkten fröhlich. Alle paar Stunden legte das Boot an, dann kamen sämtliche Dorfbewohner angelaufen und luden Güter vom Schiff. Große und kleinere Kartons wurden dann die steilen Dschungelhänge hinaufgeschleppt oder mit aller Kraft gezogen.

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Einmal war tatsächlich ein riesiger Kühlschrank dabei, das sah man ganz deutlich, da sich der Karton gelöst hatte und in Fetzen herunterhing. Ein Kühlschrank! Wir kamen nicht aus dem Staunen. Was um Himmels Willen tut man hier mit einem Kühlschrank? Es gibt doch nicht einmal Strom. Hoch oben am Dschungelrand hatte man eine breite Schneise durch den Wald geschlagen. Dort wollte man wohl eine Straße bauen. „Ja, hier soll es bald eine Verbindungsstraße in die nahegelegene Provinzstadt geben“, erklärte man uns. Dann soll es auch Strom geben in ferner Zeit. Aha — in ferner Zeit. Andere Schneisen, die man durch den Urwald gegraben hatte, endeten irgendwo und lagen seit Jahren brach. Es war wohl das Geld ausgegangen. „Besser so“, dachten wir uns insgeheim, obwohl wir den Eingeborenen den Wohlstand gönnten. Doch uns waren dessen Folgen bewusst —die kannten wir als sogenannte „Entwickelte“nur allzu gut.

Am Abend dockte der Kahn an einem Steg in einem gottverlassenen Ort mitten im Busch an und wir stiegen aus. Zahlreiche Einheimische erwarten uns bereits sehnsüchtig. Sie boten uns ihre Herbergen an. Auch mein Mann Roland und ich folgten einem jungen Mann, der uns in einer netten „Pension“ unterbrachte. Dort bekochte uns eine laotische Mama mit Reis, Fisch und Gemüse und es gab sogar Bier. Ein netter Deutscher setzte sich zu uns und wir verbrachten einen sehr schönen Abend mitten im Dschungel irgendwo am Mekong. Wir genossen unser Leben und erreichten um Mitternacht im Kerzenlicht und nicht mehr ganz nüchtern unsere Kemenate. Nun hatten wir Beerlao zur Genüge kennen gelernt. Laos ist sehr stolz auf seine Bierindustrie und kein Mensch im Land käme auf die Idee, ausländischen Gerstensaft zu trinken. Wer in Laos etwas auf sich hält, trinkt Beerlao.

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Irgendwann in den nächsten Tagen kam unser Kahn dann in Luang Prabang an, ein wunderschöner Ort im Norden von Laos, der sich auf Touristen ziemlich gut eingerichtet hat. Luang Prabang ist Ausgangsziel unzähliger Ausflugsziele, so etwa zu den Wasserfällen mit Badebassins. Zudem kann man hier die Mönche, die alle im tiefsten Orange gekleidet sind, frühmorgens bei Wanderungen durch die Stadt beobachten und auch wie sie von den Einheimischen und Touristen mit Nahrung versorgt werden. Mehrere Morgen- und Abendmärkte bieten alles, was das einheimische und touristische Herz begehrt. Dort werden auch preisgünstig und äußerst schmackhafte laotische Köstlichkeiten angeboten. Auf den Erhebungen der Stadt thronen Tempel, die gut zu Fuß durch steile Treppen erreichbar sind. Wir waren im November da, das Klima zeigte sich barmherzig und gut ertragbar.

Unsere Fahrt mit dem Bus nach Vang Vieng zog sich über Berge und durch tiefe Täler und gestaltete sich langwierig, doch abwechslungsreich. Vang Vieng empfanden wir als einen der schönsten Orte ganz Asiens. Am Fluss konnten die Touristen damals noch Tubing betreiben, was sich bei genauerem Hinsehen als „Saufparade“ mit einem Autoreifen herausstellte. Alle paar hundert Meter gingen die Tubing-Begeisterten an Land, ließen sich mit Hochprozentigem volllaufen, um dann weiterzutreiben. Als es hintereinander ein paar Tote gab —auch wir retteten ein sturzbetrunkenes irisches Mädchen, das sich nach Einbruch der Dunkelheit noch treibend im Fluss befand —wurde Tubing kurzerhand verboten. Abgesehen davon hat Vang Vieng alles zu bieten, was sich ein Abenteuer-Reisender nur wünschen kann. Wände zum Klettern, Höhlen zum Erforschen, Süßwasserseen mitten im Dschungel zum Plantschen und Relaxen.

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Über Vientiane, die Hauptstadt, die wir anschließend besuchten, gibt es nicht wirklich viel zu berichten. Vientiane ist langweilig, abgesehen von der netten Uferpromenade, wo man in den Straßenküchen recht gut und günstig essen kann. Unsere Fahrt führte uns weiter zu einem Geheimtipp, den uns unser Sohn Manuel mit auf die Reise gegeben hatte. Schließlich war er schon vor uns dort gewesen: Four thousand Islands—Don Det. Ganz im Südwesten von Laos an der Mündung des Mekong, der von dort durch Kambodscha bis nach Vietnam fließt. Wir waren gespannt.

Und tatsächlich: Dort erwartete uns Miss Finn und das Paradies. Miss Finn betreibt auf einer der bewohnten der viertausend Inseln ihre kleine Gästepension und war uns Wirtin und Mama zugleich. Am Abend aßen wir ihre legendären Fischkreationen. Ihre „Behausung“ war einfach und günstig, die Hängematte auf der Veranda bescherte war alles, was wir in dem Moment brauchten. Wir fühlten uns so wohl, ein Platz zum Träumen und zum Verweilen. Und siehe da: Unsere deutschen Freunde, die wir in Burma kennengelernt hatten, waren auch da. Sie hatten sich unseren Geheimtipp zu Herzen genommen und waren ebenfalls dorthin gereist. Auf Four thousand Islands, die einzig durch kleine Boote vom Festland erreichbar sind, gibt es praktisch nichts außer Natur, einer phantastischen Tier- und Pflanzenwelt und entspannte Menschen. Wir waren glücklich.

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Miss Finn hatte einen Sohn und der zeigte uns mit seinem Boot die unglaubliche Weite der Mangrovenwälder an der Mündung des Mekongs. Tagsüber radelten wir über die Inseln, ließen die Flussdelfine an der Grenze zu Kambodscha auf uns wirken und abends strampelten wir bei strömendem Regen wieder zu Miss Finn zurück, die uns erneut mit Reis und Fisch verwöhnte. Jeder Einheimische auf Don Det versucht nun auf den vorbeifahrenden Touristenzug aufzuspringen, der immer noch sehr bescheiden vor sich hintuckert. Wer weiß, wie es dort in zehn Jahren aussieht? 

Nachdem mich irgendeine Spinne gestochen hatte, die mir einen anaphylaktischer Schock bescherte (mit Atembeschwerden und allem was dazu gehört) und es leider keinen Arzt auf der Insel gab, traten wir schließlich — ich noch immer etwas benommen —die Weiterreise nach Thailand an, von wo aus uns ein Flugzeug wieder in das graue Europa beförderte. Unser Resümee: Laos is wundervoll, „very, very beautiful“ und super für alle, die der Langsamkeit frönen wollen, dabei aber keine Angst vor Spinnen haben.


Christine Losso und ihre Familie reisen seit über 30 Jahren durch die Welt. Dabei ist es ihnen wichtig, fremden Menschen und Kulturen mit Respekt zu begegnen und entwicklungspolitische Arbeit aktiv zu fördern. Zurzeit sitzt Christine auf Koh Chang (Thailand) in der Sonne und plant die nächsten spannenden Abenteuer. Mehr über die reiselustige Familie könnt ihr auf ihren Blog lesen. 

Alle Fotos von der Autorin.

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