Ich fuhr per Anhalter und ein LKW-Fahrer wollte mich besteigen (c) Credits: David Slomo

Ich fuhr per Anhalter und ein LKW-Fahrer wollte mich besteigen

„Ich fahr per Anhalter zurück“, hätte ich gewusst wie hart das Ganze wird, hätte ich mir vorher einen Privatjet bestellt. Doch alles nach der Reihe.

Ich war mit Freunden in Linz. Es hat sich dann so ergeben, dass sie ein Auto gebraucht haben und ich wieder zurück nach Wien musste. Nett wie ich bin, habe ich gesagt: „Nehmt ihr das Auto, setzt mich bei einer Tankstelle ab und ich fahr per Anhalter zurück. Ist sicher voll easy.“ - Wie naiv ich doch war.

Da stand ich also. Auf einer Tankstelle, wie sie auch in Walking Dead hätte stehen können. Um mich herum war nichts weiter außer Wald und Autobahn. Aber ich dachte mir echt, dass das nicht so schwierig sein könnte und ging zu einer nett aussehenden Dame. 

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Es war Liebe auf den ersten Blick

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„Würden Sie mich nach Wien mitnehmen?“, fragte ich wie ein unschuldiger Schulbub.
„Schleich dich!“, antwortete sie wie eine frustrierte Lehrerin.

Kommt vor, dachte ich mir und ging gleich zur nächsten Person. Ein Herr stand gerade neben seinem Auto und trank genüsslich sein Wasser. Es war auch wirklich heiß und die Sonne prallte ungehindert auf den Asphalt der Tankstelle. 

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Sein "vollbepacktes" Auto

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„Hey, kannst du mich nach Wien mitnehmen?“
„Nein, hab’ leider keinen Platz.“, meinte er. Ich sah auf seinen Beifahrersitz: leer. Seine Rückbank: leer.
Ich sagte ihm, dass er doch eh genug Platz hätte. „Tut mir leid.“, erwiderte er nur, stieg in sein Auto und fuhr einfach davon.

Direkt hinter ihm stand ein Laster. Der Fahrer pisste gerade an einen Baum. Freundlich wie ich bin, wartete ich so lange, bis er sein Geschäft erledigt hat. Als er zurück kam, fragte ich auch ihn, ob er mich nicht nach Wien fahren könnte. 

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Er wollte mich mehr als ich ihn...

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„Klar, aber was würdest du für mich tun?“ Seine Stimme klang wie aus einem Porno. Auch wenn ich zugeben musste, dass ich kurz überlegte ihm einen Vorschlag zu machen, war mir bewusst, dass er etwas „bestimmtes“ wollte. Ich sag mal so: Er war nicht so mein Typ…

Aber er brachte mich auf eine Idee. Ich muss eine Gegenleistung erbringen. Dann würden mich die Leute doch bestimmt mitnehmen. Richtig?

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Kein Dank für den Tank

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Ich ging also total motiviert zu einem älteren Herrn. Er stand gerade an einer Zapfsäule und tankte seinen Wagen. „Guten Tag, ich hab eine Frage. Könnten Sie mich nach Wien mitnehmen? Ich würde Ihnen auch den Tank bezahlen.“, bot ich ihm an.

Er sah mich perplex an, murmelte etwas und schüttelte seinen Kopf. Ich nahm an, dass das „Nein“ bedeuten würde und ging weiter. Vielleicht würde mich eine Familie mitnehmen…

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Näher kam ich nicht heran

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Okay, ganz ehrlich Familien waren total sinnlos. Sie hatten fast schon eine unsichtbare Mauer um sich herum. Ich konnte mich nicht einmal auf ein paar Meter nähern, ohne dass sie mich total aggressiv verscheuchten. Wirklich aggressiv. Vor Familien hatte ich echt Angst bekommen.

Ich stand nun seit ungefähr einer Stunde auf der Tankstelle. Ich hatte Glück, dass die Sonne ein wenig hinter den Wolken verschwand, ansonsten hätte ich wahrscheinlich einen Sonnenstich erlitten. Aber vielleicht hätte mich ja dann wer mitgenommen, denn meine Situation besserte sich nicht.

Ich griff zu strengeren Maßnahmen. Ich dachte mir, wenn ich mich in das Auto setze, dann müssen sie mich mitnehmen. Aber die Leute scheinen mich schon davor durchschaut zu haben. Gerade als ich die Tür von einem Wagen öffnen wollte, hörte ich die Zentralverriegelung. Er hat sich einfach eingesperrt. Gut, ich kann es ihm auch nicht wirklich übel nehmen, aber dass er mich auch nicht mal eines Blickes würdigte war etwas komisch. Der Mann tat so, als ob ich gar nicht existieren würde.

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Er wollte mich!

Credits: David Slomo

Das Wetter wurde allmählich schlechter und ich war schon kurz davor zu verzweifeln, als ein Held auf zwei Rädern vor mir erschien. Tatsächlich sagte mir der Typ, dass er mich mitnehmen würden, wenn ich mir einen Helm kaufen würde… What the Fuck? Wo kriege ich jetzt einen Helm her? Das war dann wohl auch nichts.

Kurz bevor es zu regnen beginnen würde setzte ich meine ganze Kreativität ein. Auf dem Parkplatz schleppte der ÖAMTC gerade einen Wagen ab. Da kam mir DIE Idee. Ich ging zu einem Typen, der gerade auf den Parkplatz eingefahren war. Ein Wiener Kennzeichen. Meine Chance: „Hey, ich hab ein riesiges Problem. Unser Auto wird gerade abgeschleppt und nur vier können im ÖAMTC-Wagen mitfahren. Würdest du mich vielleicht nach Wien mitnehmen?“ Er war etwas skeptisch. Ich merkte, dass er mir nicht ganz vertraute. Aber ich realisierte, dass ich noch nie so nah am Erfolg war. Ich rannte also schnell zu dem Abschlepp-Dienst und schüttelte die Hände von allen anwesenden Leuten. Ich wollte den Eindruck vermitteln, dass ich sie alle kennen würde. Ich hatte womöglich auch Glück, dass sie ohne zu zögern auch meine Hand schüttelten. Ich kehrte wieder zu dem Typen zurück, der sich ein Herz gefasst hat und mich tatsächlich mitfahren hat lassen. HALLELUJA!!!

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<3 Horst

Credits: David Slomo

Nachdem ich eingestiegen bin, wollte ich auch sofort wieder fliehen. Sein Auto war voller Bierdosen und es roch nach purem Alkohol. Ich war in einem echten Zwiespalt. Entweder aussteigen und es weiter versuchen, mit dem Risiko niemanden zu finden und auf der Tankstelle zu übernachten oder meinen ganzen Mut zusammen nehmen und mit viel Hilfe des Universums vielleicht zu Hause ankommen. Er startete den Wagen und ich blieb sitzen.

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Horst und sein bester Freund: Der Alkohol

Credits: David Slomo

Die Fahrt war alles andere als sicher. Er trank ein Bier nach dem anderen, schaute immer wieder während der Fahrt auf sein Handy und wirkte auch nur noch halb anwesend. Aber es war die beste Option die ich hatte. Und ja, ich bin heil angekommen. Danke, Horst. Auch wenn ich bis heute nicht weiß wie…

Horst ist jetzt einer meiner besten Freunde... oder eher einer meiner besten Bekannten - man soll ja nicht gleich übertreiben. Wir waren nachher heftigst feiern. Er ist wortwörtlich mein "one in a million". Trampen kann also echt lebensbereichernd sein, solange man bei der richtigen Person einsteigt. Was ich damit sagen will: Nie mit einem LKW-Fahrer mitfahren!!!

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Ich werde dich nie vergessen

Credits: David Slomo

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