Cash 4 Trash – das Leben eines Willhaben Gurus  (c) Credits Coverbild: WARDA

Cash 4 Trash – das Leben eines Willhaben Gurus

Ob Omas alte Schuhe, ein Stuhl mit drei Beinen oder ein brandneues Handy: auf Willhaben, dem online Flohmarkt, ist für jeden was dabei.

Um euch zu zeigen, wie lukrativ das Geschäft mit second- oder sogar third-hand Artikeln sein kann, haben wir einen Pro interviewt, der damit locker so viel verdient, wie andere mit einem Wochenendjob.

Tom ist wahrlich ein Pionier, wenn es um Ramschhandel geht, da er schon seit der Geburtsstunde von Willhaben am Start ist. Davor war er auch jahrelang auf Ebay unterwegs, wo er seine alten Sachen vercheckt hat und über 400 positive Bewertungen sammeln konnte.

Hier gibt es nun das komplette Interview:

WARDA: Gleich zu Beginn interessiert mich, was das verrückteste Produkt war, das du jemals verkauft hast?

Tom: Also es ist wirklich so, dass man oft mit dem größten Mist, verhältnismäßig am meisten verdienen kann. Das beste Beispiel ist ein 20 Jahre altes Thunderdome Shirt, das mir mein Cousin mal geschenkt hat. Das Teil hatte sogar schon ein Loch und ich habe es einfach für 1€ auf Ebay gestellt, damit sich ein Fan darüber freuen kann. Innerhalb kürzester Zeit ging der Preis rauf, bis der glückliche Höchstbieter aus Holland das T-Shirt für 50€ gekauft hat.

Ein anderes Mal habe ich in meiner Wohnanlage ein Bügelbrett gefunden, das verschenkt wurde. Nachdem es wie neu war, habe ich es gleich mitgenommen und für 10€ online verkauft.

WARDA: Wie sieht es mit deinem teuersten Artikel aus? Womit konntest du am meisten Kohle auf einen Schlag machen?

Tom: Das war eindeutig das Auto meiner Freundin. Da kann man logischerweise am meisten Geld machen. Allerdings muss ich dazu sagen, dass der Wert damals bei 3.500€ lag und ich ganze 5.500€ dafür bekommen habe. Also auch hier ein krasser Gewinn. 

WARDA: Wenn du so viel auf Willhaben verkaufst, kommst du ja regelmäßig mit fremden Leuten in Kontakt. Gab es dabei jemals Streit, weil ihr euch nicht einig werden konntet? Man bekommt ja doch recht schnell freche Gebote weit unter dem Wert.

Tom: Klar, bekomme auch ich diese Nachrichten, aber ich sage ganz klar, dass ich in den meisten Fällen vorab nicht bereit bin, zu handeln. Natürlich muss man dem Interessenten oft minimal entgegenkommen, aber im schlimmsten Fall kommt schnell der nächste. Vor Ort sieht die Sache wieder anders aus. Wenn da plötzlich jemand mehr Artikel haben will als geplant – z.B. vier Pullis statt einem – bin ich sehr wohl bereit insgesamt weniger zu verlangen oder sogar einen gratis dazuzugeben. Man muss ja immer denken, dass man auf diese Weise weniger Aufwand hat, als, wenn man sich viermal mit vier verschiedenen Leuten treffen muss. Allgemein mache ich jedenfalls nur gute Erfahrungen mit meinen Käufern.

WARDA: Lässt du die Sachen immer abholen oder triffst du dich auch mal in der Nähe eines Käufers? Kommt Versand für dich in Frage?

Tom: Also prinzipiell lasse ich alles vor meiner Wohnungstür holen, da ich so den geringsten Aufwand habe, wodurch ich einen maximalen Gewinn erzielen kann. Natürlich ist es ab und zu auch möglich, dass ich einen Artikel mitnehme und mich am Weg zur Arbeit oder in die Stadt mit jemandem treffe. Ein Umweg zahlt sich selten aus. Sicherlich, wenn du einen wertvollen Artikel verkaufen willst, machst du auch einmal eine Ausnahme. Aber in diesem Fall zahlt es sich auch tatsächlich aus. Der Weg zur Post und die Streitereien mit den Versandkosten sind mir zu blöd, deshalb gibt es diese Option bei mir gar nicht. 

WARDA: Wenn du so viele Artikel online hast, sind die sicherlich nach einem bestimmten System aufgebaut! Wie sieht deine typische Anzeige denn aus?

Tom: Das ist korrekt. Ich setze stark auf Professionalität. Es macht einen großen Unterschied, ob du gute Fotos online stellst oder verwackelte Aufnahmen in einer dunklen Ecke präsentierst. Aus diesem Grund nehme ich mir viel Zeit beim Fotografieren und auch beim Verfassen der Texte. Hier stehen bei jedem Bild meine Standard Paragraphen drinnen: dass es sich hierbei um einen Privatkauf handelt und daher Garantie und Rückgabe wegfallen. Ich setze auch mehr auf Professionalität als auf Humor, was den Aufbau meiner Beschreibungen angeht. Jedenfalls bin ich sehr ehrlich, was den Zustand meiner Produkte betrifft, weshalb ich auch alle Schäden genau dokumentiere und fotografiere. So kann man sich viel Ärger sparen, da jeder weiß, womit er es zu tun hat. 

WARDA: Gibt es Artikel, bei denen dir der Verkauf schwerfällt?

Tom: Nein, überhaupt nicht. Ich verkaufe nur Sachen, die ich zu 100% nicht brauche und bei denen ich weiß, dass ich sie auch in Zukunft nicht mehr brauchen werde. Ich bin einfach froh, wenn ich weniger platzraubenden Deko-Schrott zuhause habe, denn das nimmt mir nur an Lebensqualität. Außerdem verkaufe ich auch sehr viele alte Sachen von meinen Eltern, nachdem ich sie alle paar Monate mal besucht habe und einiges zusammenklauben konnte. 

WARDA: Kommt es oft vor, dass du Sachen lieber wegwirfst, bevor du sie online stellst?

Tom: Ich werfe nichts weg und ich verschenke auch nichts. Lieber tu ich mir das bisschen Arbeit an und verlange zumindest nur einen symbolhaften Betrag. Es gibt immer jemanden, der deine Sachen haben will und so freuen sich dann beide Seiten darüber.

WARDA: Hast du bestimmte Tipps, die du einem Willhaben Neuling geben willst?

Tom: Klar. Also ich stelle meine Sachen immer am Monatsanfang rein, wenn die Leute wieder Geld haben und es gleich loswerden wollen. Bei mir kommt das meiste auch vor Weihnachten oder Ostern online, da dann viele Menschen auf der Suche nach Geschenken sind. Ich habe momentan keinen Artikel online, weil ich am Sammeln bin und dann alles Anfang Oktober hochladen will. Aber dafür gleich 200-300 Artikel auf einmal, damit es sich auszahlt. Natürlich ist das ein ganzes Wochenende voller Arbeit, aber dabei bleibt es auch. Damit mache ich bei einem durchschnittlichen Stückpreis von 5-10€ einen Umsatz von bis zu 600€ pro Monat.

Außerdem solltet ihr immer darauf achten, dass die wichtigsten Infos im Titel enthalten sind. Z.B.: "NEU Hugo Boss Jacke Schwarz Größe M". So weiß jeder sofort, was Sache ist. Dadurch findet man die Produkte auch schneller, vor allem wenn man gezielt nach etwas sucht. 

An dieser Stelle muss ich noch loswerden, dass ihr nie etwas für jemanden reservieren solltet. Viele Leute sind richtig unzuverlässig. Macht von Anfang an klar, dass das Ganze auf einer first come – first served Basis abläuft. 

Wenn auch ihr Erfahrungen mit Willhaben gemacht habt, erzählt uns davon in den Kommentaren. Was war das schrägste Produkt, dass ihr verkauft/gekauft habt?


Hast auch du eine spannende Geschichte über dein Leben zu erzählen und willst sie mit der Welt teilen? Dann schreib uns per Mail an magazin@warda.at, was dein besonderes Erlebnis ist und wir schreiben vielleicht genau über dich! 

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