Teenagerin wurde Mutter - Review 17 Jahre danach (c) Titelbild Credits: Melanie Makoto

Teenagerin wurde Mutter - Review 17 Jahre danach

Dank diverser TV-Sendungen wissen wir wie es aussieht, wenn Teenager schwanger werden, aber wie sieht das Mutter-sein danach aus? Unsere Redakteurin schildert euch ihre Erfahrung als Teenie-Mama aus heutiger Sicht - 17 Jahre nach der Geburt ihrer Tochter.

Diese ganze Schwangerschaftsgeschichte ist kompliziert. Irgendwie war jedes der 9 Monate auf seine ganz eigene, perfide Weise kompliziert. Doch nicht so wie in den Hollywoodschinken, in denen die werdenden Mütter tiefenentspannt mit rosiger Haut herumlungern und die Bald-Väter ihnen in jeder Laune zur Seite stehen. Verdammt! Das “Machen” war aber ganz angenehm. Solange bis ich den Schwangerschaftstest in Händen hielt. Ich war also nicht einfach nur etwas aufgebläht. Mitten in der Lehrzeit. Volltreffer. 

Mein Freund war sofort sicher, dass es das Beste wäre, es weg machen zu lassen. Null Heldenpunkte für ihn! Ich hingegen entschloss mich es zu behalten. Notfalls auch alleine. 10 Heldenpunkte für mich.

Den Besuch beim Gynäkologen absolvierte ich schon mal im Alleingang. Den Umzug in eine eigene Wohnung organisierte mir meine Mutter.  Die höchst wissenschaftliche Sendung “Teenager werden Mütter” gab es damals noch nicht. Also auch nichts, wo ich mir hätte ansehen können, wie denn das so sein wird. Nach 4 Monaten Schwangerschaft wollte ich am Liebsten sagen “Ach neee...lassen wir das vielleicht lieber. War nicht so die prickelnde Idee...”, da wars dann aber zu spät.

Und jetzt steh ich hier in meinem Badezimmer und krieg ein Kind. Glaube ich halt. Also nur, wenn das jetzt die Wehen sind, die leiwand und pro-Geburt sind. Mein Freund hastet mit der Kliniktasche in der Hand an mir vorbei. Nervös tastet er nach seiner Uhr: „Meinst du, dass es bald losgeht? Sollen wir noch warten? Was soll ich tun?“ „Fresse halten, Tasche nehmen, Wohnung zusperren, Auto starten.“ ist meine feinfühlige Antwort. Schwangere, pubertierende Teenager sind nicht unbedingt für ihre Freundlichkeit bekannt.

Es ist mitten in der Nacht als wir durchs Stiegenhaus poltern. Jeweils alle 5 Meter bleibe ich stehen und hechle vor mich hin, bis lauter schwarze Tupfen vor meinen Augen tanzen.
Gefühlte 3 Lichtjahre später sitze ich im Auto. Wir rasen über die leere Autobahn Richtung Krankenhaus. Entspannt genieße ich die Fahrt und wundere mich, wo denn jetzt bitteschön meine Wehen sind. Aber da ist nichts. Ich presse mal vorsichtig an. Nichts. Weil ich mein Kind nicht im Auto bekommen möchte, lasse ich das Pressen auch gleich wieder. Meinem Freund traue ich eine Geburt einfach nicht zu. Dem wird schon schummrig, wenn er verpackte Rinderleber berühren muss.

Ja, ich fühle mich gut und irgendwie weiß ich, dass ich in ganz wenigen Stunden mein Baby zum ersten Mal im Arm halten darf. Meine Vorfreude ist riesengroß. Die letzten Tage der Schwangerschaft waren mehr als mühsam. Eine Träne rollt langsam meine Wangen herunter. Diese Hormone machen mich noch fertig. Oida!

Gegen 03:00h Früh sind wir im Krankenhaus. Mein hypernervöser Mann und ich, die Prinzessin im Rollstuhl. Die Wehen waren erträglich, unregelmässig und gut zu veratmen. Kurz nach 07:00h wird es dann immer unerträglicher und ich bitte die superliebe Hebamme schreiend, fluchend und kreischend um eine PDA (Die Periduralanästhesie ist eine Form der Regionalanästhesie, genauer der rückenmarksnahen Regionalanästhesie. Sie bewirkt die zeitweilige, umkehrbare Funktionshemmung von ausgewählten Nervensegmenten, führt dabei zu Empfindungslosigkeit, Schmerzfreiheit und Hemmung der aktiven Beweglichkeit im zugehörigen Körperabschnitt und ermöglicht die Durchführung ansonsten schmerzhafter medizinischer Prozeduren). Die tiefenentspannte, philippinische Hebamme meinte jedoch nur: "Ja, keine Probleme, wir genug Zeit.“ Nun gut, kann man gelten lassen. Währenddessen habe ich mein Repertoire noch um mehrere Flüche und Schreie erweitert und mich im Großen und Ganzen aufgeführt wie der Exorzist... Der Anästhesist wird deshalb umgehend geholt. Die anderen Mütter sollen sich ja nicht ängstigen. Als der etwas müde wirkende Anästhesist endlich da ist, geht es PLATSCH und die Fruchtblase platzt. Die Hebamme schaltet sich ein: "Super, geht los. Die PDA brauch ma nix mehr.“ Toll. Na danke. Ich hasse euch alle. Ich hatte ein paar Presswehen bei denen ich echt dachte, ich muss sterben und dann war der Zwerg auch schon da. Das war wirklich ein unglaubliches Erlebnis. Tja und als die Kleine dann bei mir auf dem Bauch lag, habe ich geheult und gezittert. Ein wahnsinns Gefühl. Ich war total erleichtert. Daraufhin gabs 2 Ringerlösungen direkt in die Vene (oh yeah!) und ich durfte mit der Kleinen in mein Zimmer.

Hätte ich da gewusst, was noch alles auf mich zukommt, wäre ich vermutlich schreiend aus dem Kreißsaal gestürmt.

3 Monats-Koliken, Zähne bekommen um 02:34h, windelfrei werden auf meiner neuen Couch, Trotzphase, Abschiedsschmerz im Kindergarten und darauffolgende Heulkrämpfe meinerseits, permanente Jobwechsel aufgrund diverser Kinderkrankheiten, Einschulung, die ersten Einträge im Mitteilungsheft aufgrund Beißorgien meiner Tochter, der erste Freund mit dem man hinter der Garage rumschmust, der erste Freund mit dem man hinter der Garage raucht, der erste Joint hinter der Garage, der Abriss der genannten Garage...wunderbar.

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Credits: Melanie Makoto

Zwei Hühner, ein Kopf!

Und heute?
Ich bin 34 und Mutter einer TeenagerIN (wir gendern!), die so Dinge sagt wie “Jetz chillax mal Mama” und in ihrem Zimmer ein Pflanzenhospiz auf dem Fensterbrett betreibt. Wenn ich ihr etwas verbiete (was recht selten vorkommt), kann nur sie ihre Augen so derbe verdrehen, dass man meint, sie fielen ihr aus dem Kopf. Egal was ich ihr sage, sie weiß es bestimmt schon. Sollte jemand Beziehungstipps, Jobvorschläge, Hilfe bei diversen Fonds oder beim Bau eines Perpetuum mobile brauchen: meine Tochter weiss ALLES. Außer wo ihr linker Ballerina ist, den sie irgendwo in Ibiza verloren hat...und das sogar nüchtern. Das muss man sich mal vorstellen! Hätte sie sieben Leben, sie hätte sechs davon sicher schon aufgebraucht.

Die Zeit nach der Geburt war hart. Ich war überfordert und irgendwie doch noch selbst ein Kind. Schule, Kind und Freunde unter einen Hut zu bekommen, fiel mir sehr schwer. Vor allem hätte ich mir nie träumen lassen, wieviel Arbeit und Selbstzweifel ein Kind mit sich bringt. Plötzlich steht man im Drogeriemarkt und überlegt, ob man sich die Wimperntusche um 12,- gönnt oder doch lieber die um 3,- plus irgendeinem Quietschtierchen für die Kleine. Viele Freunde wenden sich ab, weil sie mit einem irgendwie nichts mehr anfangen können und man um 19h nicht ausgehfertig ist, sondern mit dem angekotzten Bandshirt im Türrahmen steht. Diese Problemchen sollte man mit 17 einfach noch nicht haben. Ständig fragt man sich, ob man alles richtig macht. Als meiner Kleinen damals beim Wickeln der letzte Rest der Nabelschnur abfiel, habe ich im ersten Schock tatsächlich versucht “das wieder dran zu machen”.

Ob ich etwas anders machen würde, wurde ich schon oft gefragt. Nein! Auch wenn es definitiv besser ist, ein wenig mit dem Kinderkriegen zu warten. Einfach bis man selbst reifer ist. Man tut sich wesentlich leichter, wenn man eine abgeschlossene Ausbildung hat und gefestigter durch Leben geht. Unser Vorteil ist es nun, dass ich für viele ihrer Belange Verständnis habe (außer für Fidget Spinner) und wir gerne und viel miteinander unternehmen. Wenn ich meiner Tochter zuhöre und zusehe, erkenne ich mich absolut in ihr wieder. Beängstigend, aber auch wunderschön.

Ich liebe sie abgöttisch! Aber sein Kind liebt man immer abgöttisch. Dazu muss man nicht unbedingt mit 17 schon Mutter werden...


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Titelbild Credits: Melanie Makoto

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