Pseudo-Feminismus zieht den echten Feminismus eigentlich nur in den Dreck (c) Titelbild Credits: Shutterstock

Pseudo-Feminismus zieht den echten Feminismus eigentlich nur in den Dreck

Es gibt Feminismus, die hart erkämpfte Front der Frauenrechte und es gibt auch den Pseudo-Feminismus, die hart erfundene Front der Unsinnigkeiten. 

Seit Tagen sitze ich da und überlege wie man so ein großes Thema in einen Artikel pressen kann. Nun habe ich mich dafür entschieden euch einfach meine Meinung mitzuteilen und meiner Empörung Luft zu machen. 

In letzter Zeit boomt das Thema Feminismus enorm und jeder will ein Stück vom Kuchen. Verschiedenste Medien, Zeitschriften, Blogs und Einzelpersonen bedienen plötzlich die Felder "Emanzipation und Feminismus". Unglaublich wie viele Experten da wohl plötzlich morgens aufgewacht sind und beschlossen haben Gender Experten zu werden. Das Hauptproblem daran ist dasselbe wie bei den radikalen Veganern, die wie die Zeugen Jehovas, allen ihre Weltanschauung berichten und aufdrücken wollen. Der weit verbreitete Pseudo-Feminismus geht da ja noch weiter und pisst einfach grundsätzlich jedem ans Bein.

Ich spreche hier von Beiträgen wie den legendären Post einer Mutter, die satirisch an einen Schokoladenhersteller schrieb, dass ihre Tochter ein blaues Schokoladenei aß und sie sich nun um ihre Gesundheit sorgte, weil es ja für Jungen gedacht war (mega Beitrag, ich feiere diese Frau! Chapeau!) bis hin zu Beiträgen, in denen man sich über das breitbeinige Sitzen in der Ubahn beschwerte. Darüber habe ich sogar einige Beiträge gelesen, saß  bei jedem einzelnen mit offenem Mund da und hatte Pipi im Auge. Das ist es wofür Feministinnen kämpfen? Das ist es wofür Feministinnen verfolgt und gesellschaftlich verstoßen wurden? Das ist es wofür Feministinnen mit Leib und Seele eintreten um Frauen eine Stimme zu geben und für Gleichberechtigung der Geschlechter kämpfen? Ihr könnt mich dafür kreuzigen oder schimpfen aber darauf hab ich nur eines zu sagen: SCHÄMT EUCH!  

1504008526 manspreading 3145217a orig

Credits: albertacorruption.com

Das sind also Probleme in unserer Gesellschaft? Wir, schwaches Geschlecht (allein für diese Selbstbezeichung solltet ihr euch ja selbst am Kopf greifen), sollen uns also Platz verschaffen und unser Bein gegen ein männliches pressen? Sorry, aber so beginnt keine Gleichberechtigung, so beginnt ein Porno. Denkt mal scharf nach: "Warum berührst du mein Bein?" hätte wirklich Potenzial zu einem Kult-Porno-Einstiegssatz zu werden. Aber ganz bestimmt nicht als Beginn einer feministischen Theorie.

Auch, wenn ich mich immer damit brüste, dass (Pseudo-)"Feministinnen" meine Artikel hassen und das jetzt womöglich für Erstaunen sorgen wird, muss ich euch nun leider mitteilen, dass Gender- und Queer Studies mein Fachgebiet sind. Deswegen kann ich mich auch erhobenen Hauptes gegen einen sinnlosen Shitstorm stellen und voller Überzeugung sagen, dass Pseudo-Feminismus scheiße ist.

Feminismus ist ein rieeeesengroßes Gebiet, das teilweise sehr wohl aus "(hauptsächlich Männern, aber eigentlich allen) ans Bein pissen" besteht, aber größtenteils auch nicht. Für mich bedeutet Feminismus "Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Akzeptanz". Man muss eben nicht alles in den Dreck ziehen um den Feminismus gut aussehen zu lassen. Damit zieht man den Feminismus nämlich eigentlich selbst in den Dreck. Es geht darum etwas zu verändern, die Welt ein Stück weit zu verbessern und vor allem akzeptiert zu werden und selbst zu akzeptieren.

Viele meiner Leser werden sich jetzt denken: "Aha genau, grad du mit deinen Cellulite Tipps willst was über Feminismus erzählen". Ja, genau! Denn auch das lässt sich sehr wohl vereinen. Wo steht, dass eine Feministin keinen trainierten Popo haben darf? Wo steht, dass eine Feministin kein Kleid tragen darf um ihre Dellen zu verstecken und sich somit wohler zu fühlen? Und wo verdammt nochmal steht, dass eine Feministin bei ihrem Freund kacken muss um sich als emanzipierte Frau zu beweisen?

Eben, nirgends! Denn genau das, all diese kleinen Dinge, sind genau das, was eine Frau selbst entscheiden kann! Es ist meine Entscheidung als Frau was ich anziehe. Es ist meine Entscheidung als Frau wo und wann ich aufs Klo gehe. Es ist meine Entscheidung als Frau wie ich meinen eigenen Körper gestalten will. Genau das, was wir Wiener als so selbstverständlich erachten, sind Freiheiten, die für uns erkämpft wurden. In vielen Kulturen ist dieses Recht auf Freiheit bis heute nicht angekommen. Niemand kam plötzlich auf die Idee: "Ach Günther, weißt was, ab morgen lassen wir die Frauen wählen. Ja, arbeiten können's jetzt auch gehen. Und von mir aus können's auch Hosen tragen und breitbeinig am Pferd reiten. I glaub' des warat leiwand." Nein, so funktioniert die Welt nicht. Es passiert nicht einfach aus dem Nichts etwas Großartiges. Wir leben heutzutage in einem unglaublich weltoffenem und privilegiertem Land, in dem Frauen u.a. wählen dürfen, Recht auf Bildung und freie Meinungsäußerung haben. Das sind alles Dinge, die wir als selbstverständlich erachten und uns kaum bewusst machen.

Und genau das treten diese Pseudo-Feministinnen mit Füßen. Wir sind noch immer nicht so weit, dass Löhne für beide Geschlechter gleich sind - das wäre etwas, das man thematisieren sollte. Aber ob jemand breitbeinig rumsitzt? Dass wir Frauen von klein auf dazu erzogen werden schwach zu sein? Weil Mädchen mit Barbies spielen und Jungs mit Matchbox? Was ein Schwachsinn ey!

via SIZZLE

Damals 1998 wollten mich die Wiener Sängerknaben in der Volksschule aufnehmen und ich habe mich dagegen entschieden. Mit süßen 6 Jahren hatte ich kleines Mädchen in meinem geblümten Kleidchen (das ich mir selbst ausgesucht habe) schon die Möglichkeit selbst zu entscheiden und ich entschied mich für eine normale Schule und Ballet. Nicht, weil man mir das im Kindergarten eingepfercht hat oder weil mich meine Eltern dazu drängten. Jedenfalls habe ich mich dafür entschieden lieber Ballerina zu sein und hatte 57 Barbiepuppen mit absolut jedem Zubehör. Hätte ich demnach nicht eigentlich eine "Frau Knackerl" werden sollen? So ein süßes Ding, das sich nur die Nägel lackiert, einen ganz reichen Ehemann sucht und eine Doku-Soup auf Mallorca dreht? Tja, knapp daneben ist auch vorbei, ihr engstirnig Pseudo-Gänse. In Wirklichkeit habe ich nun meine 5. leitende Position (auch dieses Magazin ist mein Baby), bin knallhart als Chef, kann Fliesen legen und auch kochen und hab mehr Cojones als die schlimmsten Social Media Trolls in Höchstform. Oh und ich kann auch noch in Highheels laufen und trage size zero. Was macht ihr jetzt mit euren Schubladen, in die ihr zwar gern alle Menschen inkl. euch selbst steckt, aber mit dem Finger auf andere zeigt und ihnen unterstellt, dass sie dasselbe machen?

Hört doch auf mit dem Scheiß. Ihr wollt Aufmerksamkeit und Klicks, die bekommt ihr auch, aber wie fühlt sich der Hass an? Wie fühlt es sich an im Internet verbal mit Kacke beworfen zu werden? Wie fühlt es sich an, von jemandem herabwertend angesehen zu werden? Mies, nicht wahr?

1504009116 477716 445339138863178 1798649576 o

Credits: Girls Ask Guys

Ich kenne das. Ich habe im Laufe meines Lebens viele Steine in den Weg gelegt bekommen, ich bin oft gefallen, aber ich bin immer wieder aufgestanden. Ich habe gelernt für seine Überzeugung einzustehen und vor allem habe ich gelernt, dass es nichts Ekelhafteres gibt als andere nieder zu machen, sie grundlos bloß zu stellen und Problemchen groß zu machen, die eigentlich keine sind. Es ist sinnlos Hass zu schüren, Hass führt nur zu noch mehr Hass. Ich bin die Erste, die sich in jeglicher Situation alleine gegen alle stellt, aber es kommt immer auf eines an: ist es das wert? Ist das, wofür ich hier eintrete meine Überzeugung oder hilft es jemandem wirklich weiter? Wenn ja, dann steh auf Mädchen und schrei diesen breitbeinig sitzenden Lauch an, aber, wenn es dir nur um die Likes im Internet geht, dann setz dich verdammte scheiße wieder hin und mach keinen Mucks.

Um die Welt zu verbessern müssen wir aufhören Kleinigkeiten aufzubauschen und alles scheiße zu finden. Ein Shitstorm hilft nämlich keinem. Wir müssen aufhören andere nieder zu machen. Wir müssen anfangen uns für positive Dinge stark zu machen. Es reicht doch schon einer Kollegin zu helfen anstatt sie auszustechen (Wie Frauen anderen Frauen beruflich ins Knie schießen ist ja auch so ein fragwürdiges Phänomen). Und meiner Meinung nach würde es auch schon helfen, wenn man als Pseudo-Feministin keine Ahnung von der Thematik hat, einfach den Mund zu halten als irgendwelchen Scheiß zu verzapfen, der dem Feminismus dadurch schadet. Denn genau das ist es was solche Aussagen und Beiträge bewirken, es schürt Hass. Es schürt keinen Hass gegen die breitbeinig sitzenden Männer, nein, es schürt Hass gegen Feministinnen. Es schürt Hass gegen Feminismus im Allgemeinen.

Ich sage das nun aus tiefstem Herzen und bitte euch:

Bitte pisst dieser wichtigen Frauenbewegung nicht mehr ans Bein. Bitte zieht den Feminismus nicht in den Dreck. Bitte tretet die hart erkämpften Rechte und Freiheiten nicht mit euren Füßen. Wir sollten stolz sein, stolz frei zu sein, stolz eine Frau in unseren freien Gesellschaft zu sein!

Egal, was man über den Feminismus denkt, egal ob man positiv oder negativ eingestellt ist. Uns wurde eins erkämpft: wir Frauen können sein und werden wer wir wollen. Uns stehen alle Türen offen! Und irgendwann werden wir auch noch die Fenster zusätzlich öffnen können, das werden wir schaffen, mit oder ohne euch falschen Schlangen aus den "eigenen Reihen"!

Ich will euch ja auch gar nicht unterstellen, dass ihr null Fachwissen habt, gewisse Ansätze sind da schon herauszulesen, aber doch recht engstirnig eingesetzt und ziemlich veraltet. In meinen Augen hat da Jennifer Lopez Songtext von "Ain't your Mama" mehr feministische Aktualität, aber ist ja alles subjektiv.

Ich hoffe, ich habe wenigstens ein paar Menschen zum Nachdenken bewegt und schließe meine "Hasstirade" gegen den Pseudo-Feminismus mit einer wunderschönen, äußerst positiven Rede von P!nk ab. Sie ist nämlich ein Paradebeispiel dessen, wie positiv man Diversität im Feminismus und Selbstakzeptanz darstellen kann! Wir brauchen mehr solche Frauen! 

Titelbild Credits: Shutterstock

WARDA NETWORK GmbH