"Schöne Frauen haben's leichter" - so ein Bullshit! (c) Titelbild Credits: Pexels.com

"Schöne Frauen haben's leichter" - so ein Bullshit!

"Ich wäre gerne einen Tag lang wunderschön, nur um zu wissen, wie das ist" - glamourös, alle lächeln einen an, man bekommt überall alles gratis, Täubchen fliegen beim Fenster hinein und machen dein Bett. So stellt man sich das doch vor, aber wie ist es wirklich? 

Aus gegebenem Anlass habe ich mich dazu entschieden diesen Artikel zu schreiben. Vielleicht taktisch nicht sonderlich klug, da es verpönt ist, sich selbst als schön zu bezeichnen. Lustiger Weise ist es tatsächlich ein Tabu. Wenn man sich dazu bekennt auf Analsex zu stehen, ist das in Ordnung, aber Himmel Herrgott, wehe man betitelt sich als schön, da kommt der Shitstorm von ganz allein. 

Anmerkung: So schön finde ich mich gar nicht und eigentlich hasse ich solche Oberflächlichkeiten, aber, wenn man mich schon auf mein Äußeres reduziert, kann ich auch selbst dazu Stellung nehmen. 

Nachdem ich heute Mal wieder mit voller Wucht die Schattenseiten des Schön-seins ins Gesicht geklatscht bekomme, finde ich es aber an der Zeit darüber zu sprechen. Man glaubt nämlich immer, dass es schöne Menschen so leicht haben, weil man bei Vorstellungsgesprächen direkt den Job bekommt, bei Clubs nie anstehen muss und auf Tinder immer gematched wird. Ja, gut, das ist schon so. Aber von den negativen Aspekten spricht keiner. 

Keiner kommt und sagt öffentlich, wie hart man sich tagtäglich beweisen muss, nachdem man den Job bekommen hat. Dass man doppelt so hart arbeiten muss, weil von Haus aus damit gerechnet wird, dass man dumm ist. Weil schöne Menschen grundsätzlich dumm sind. Dass man bei einem Meeting plötzlich von Vorgesetzten, Kunden oder Geschäftspartnern die Hand auf den Schoß gelegt bekommt. Statt einem Kompliment für die gelungene Arbeit, Komplimente für sein Aussehen bekommt. 

Oder, dass man im Club von jedem als dummes Fickschnitzel gesehen wird und sowieso alle denken, man könnte sich an uns reiben, als wären schöne Menschen Wunderlampen. Sorry, aber ich muss euch enttäuschen, wir erfüllen keine Wünsche, mehr als, dass du in deiner Hose kommst (alles schon passiert, aber das ist eine andere Geschichte) und dafür eine Ohrfeige erhältst, wird leider nicht passieren.

Und wer glaubt, dass man bei Tinder als schöner Mensch auch nur einmal nach seinen Hobbies gefragt wird - Fehlanzeige. Wollt ihr wissen, was man erhält: Dickpicks. Oh und Dickpicks. Und noch mehr Dickpicks. Und, wenn man darauf negativ reagiert, bekommt man auch noch voll süße Nachrichten a la "Fick dich, du hässliche Schlampe!". 

Ist schon voll toll schön zu sein oder?

Die Liste könnte ich ewig fortführen, aber darum geht es mir heute nicht. Mir geht es heute im Speziellen um die Berufswelt. Es gibt Berufssparten, in denen Schönheit wichtig und vorteilhaft ist. Als Blogger, Moderator, Model, Barkeeper usw. schaffst du es nur, wenn du schön bist. Im gleichen Atemzug wirst du allerdings als dumm abgestempelt. Schöne Menschen dürfen nämlich nicht schlau sein. Ist so. Darüber hinaus wird man mit einem ganz anderen Maßstab gemessen, da ist man schon Heidi Klum und dann kommen die Leute und lästern über die Nase, die könnte ja 1mm schmaler sein. So sind die Menschen halt. 

Und, wenn man - so wie ich oder ganz viele meiner Bekannten und Freunde - einen Beruf hat, der Intelligenz voraussetzt, hast du den Arsch offen. Es stimmt schon, dass man als schöner Mensch viele Türen geöffnet bekommt, aber Gehör verschafft man sich damit nicht. Schöne Menschen will man sehen, aber niemand hört zu, wenn sie etwas zu sagen haben.

Als Frau in der Berufswelt ist man ohnehin benachteiligt, als schöne Frau muss man kämpfen. Kollegen reden hinter deinem Rücken, Kunden und Vorgesetzte nehmen dich nicht ernst und du musst ständig doppelt so viel Leistung bringen. In besonderen Situationen, so wie es mir heute wieder passiert ist, musst du auch eine dicke Haut haben und Eier beweisen. 

Ehrlich gesagt ist es schwierig für mich darüber zu reden. Ich verstecke mich seit Monaten und weigere mich, mich zu zeigen, weil ich mich schäme. Redakteure und Autoren stellt man sich nämlich ganz spezifisch vor: mit Hornbrille, alten Schlapfen, Pulli und selbst gedrehten Zigaretten. So sehen Schreiberlinge doch aus. Ich eben nicht und genau das bricht mir tagtäglich das Gnack. Wieso ich mich schäme und verstecke? Weil man mich nicht ernst nehmen würde. Weil man, wenn man so aussieht wie ich, nicht mehr ist als ein dummes, eingebildetes Fickschnitzel und niemand will etwas lesen, dass von einer Blondine verfasst wurde. Blondinen können nämlich nicht schreiben, die lackieren sich nur die Nägel und gehen in die Wüste Staub saugen. Obwohl ich mich null für meine Optik interessiere und auch anderen Menschen gegenüber gar nicht oberflächlich bin, sind es die Menschen mir gegenüber. Und es gibt leider Situationen, in denen ich mich nicht hinter einem Artikel und Pseudonym verstecken kann. 

Solch eine Situation war z.B. ein Interview, das ich führen sollte. Besagtes Interview wurde als Meeting angesetzt. Zuerst Dienstag Mittag, dann vorverlegt auf Montag Abend und letztlich auf gestern Nacht verschoben. "Du kannst am Abend zu mir in mein Loft kommen, ich bin sicher lange wach ;)", so werden meine Interviewanfragen beantwortet. Auf WhatsApp versteht sich. Heute Mittag dasselbe in grün mit einem anderen Mann, ein Interview wird es nicht geben, aber "wir gehen lieber das nächste Mal auf ein Getränk...". Fühle mich immer voll ernst genommen. So sehen meine Verläufe aus. Mit hohen Tieren, wirklich Leuten, die etwas erreicht haben und jemand sind. Die schreiben mir solche Sachen. So weit habe ich es als Journalistin gebracht. Das traurige daran ist, das ist keine Seltenheit, sowas bekomme ich mindestens 3 Mal pro Woche, an Spitzentagen, wie heute, gleich 2 Mal bis zur Mittagspause. Denn das ist, wofür schöne Frauen da sind - um Eier von wichtigen Leuten zu lutschen. 

Und jeder, der jetzt glaubt, das würde nur mir passieren, ich muss euch leider enttäuschen, das passiert allen. In jeder Branche, egal ob männlich oder weiblich, jeder, der nicht aussieht wie vom Zug überfahren, muss da durch. Das einzig Positive daran ist, dass schöne Menschen dadurch eine dicke Haut kriegen. Man glaubt es zwar nicht, aber wir sind hart. Unsere Eier sind so groß wie Kokosnüsse. 

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Credits: Screenshot Nastasia Helena

dafür werde ich mich bestimmt nicht entschuldigen.

Für besagte Cojones und meine saftige Antwort, die ich Kandidat eins um die Ohren gehaut habe, werde ich mir auch noch was anhören dürfen. Ich weiß, dass ich mich dafür rechtfertigen muss, dass ich ihm gesagt habe, dass ich ihm nicht die Eier lutschen werde. Wahrscheinlich wird man versuchen mich dazu zu zwingen mich dafür zu entschuldigen. Dafür zu entschuldigen, dass ich mich gegen sexuelle Anspielungen gewehrt habe. Denn so ist es als schöner Mensch, wenn du dich gegen das System wehrst, wirst du dafür büßen müssen.

Wollt ihr immer noch am eigenen Leib erfahren, wie es ist schön zu sein?

Titelbild Credits: Pexels.com

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