O'zapft is, auf der Wiener Wiesn! (c) Titelbild Credits: Franziska Wüst WARDA

O'zapft is, auf der Wiener Wiesn!

Gestern wurde das Wiener Wiesn Fest am Prater eröffnet. Unsere (einzige) deutsche Reporterin war dabei und hat den Oktoberfest-Abklatsch mal ausgecheckt. 

Die Münchner Wiesn: Sie sind riesengroß, laut und nach Tinder vermutlich die größte Sex-Börse, die sich im 21. Jahrhundert so finden lässt. Ist man einmal im Zelt, vergisst man die Regeln der Welt draußen und schmeißt sich in eine alkoholgetränkte Orgie von Trachtenträgern. Für viele ist das der Ort, um einmal im Jahr einfach abzugehen. 

Auch ich fahre gerne - zwar nicht jedes Jahr, aber doch jedes zweite - Ende September nach München und gönne mir die nötige Dosis Wiesn, die ich brauche, um danach wieder sagen zu können, dass Bier das ekligste Getränk auf der ganzen Welt ist.

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Credits: Franziska Wüst

Von Nachahmungen wie den Stuttgarter Wasen oder der Wiesn in Rosenheim halte ich normalerweise nichts. Man hat das Gefühl jedes erfolgreiche Event müsse zwangsläufig nachgeahmt werden, damit man auch daraus noch Geld schöpfen kann. Daher habe ich mir auch geschworen niemals solche Parallelveranstaltungen zu besuchen, aber wie es manchmal so ist, hat der Gruppenzwang letztendlich doch überwogen und ich habe mich auf das Gelände des Wiener Wiesn Fests gewagt...

Erwartungen gleich null.

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Credits: Franziska Wüst

Gestern war das Opening nur für geladene Gäste, was erklärt, dass die Hälfte der Bänke unbesetzt war. Wer das Münchner Oktoberfest gewöhnt ist, musste da natürlich drei Mal gucken: Keine Schlange, einmal Ticket gecheckt und man war drinnen. Am Anfang dachte ich: Wie lame ist das denn, wie soll hier Stimmung aufkommen? Aber nach der ersten Maß sah die Sache schon ganz anders aus. Die ersten Leute standen schon auf den Bänken, inklusive mir, Oktoberfest-like eben. Da hat es dann auch nicht mehr gestört, dass nicht alles gerammelt voll war, es war sogar ganz entspannt sich nicht zu fühlen, als wäre man mit Tausenden von Menschen in ein stickiges Plastikzelt gesteckt worden. Wie die Sache aussieht, wenn Normalbetrieb herrscht, kann ich natürlich nicht sagen. 

Auf jeden Fall habe ich mir genüsslich eine Zigarette angesteckt und auf den Bänken geschunkelt. JA, ihr habt richtig gehört: Rauchen war erlaubt. Der meistgenannte Grund, warum Leute in München aus dem Zelt geflogen sind, ist in Wien kein Problem. 

Der zweite Pluspunkt ließ sich relativ schnell auf der Karte entdecken. Für nicht mal 10€ hat man eine anständig gefüllte Maß gekriegt, Nachteil für echte Bierliebhaber ist natürlich, dass es sich bei dem Alkohol im Glas um 1 Liter Gösser handelt...und nicht um das einzigartig süffige Oktoberfest-Bier. Ich als Bier-Hater habe aber sowieso die Alternative gewählt und zum Spritzer gegriffen. Der schmeckt eben immer und überall.

Als es den anderen dann auch zu viel mit dem Hopfen wurde, sind wir auf Sekt umgestiegen, was mindestens genauso lecker war. Mit einem feschen Schlumberger Sektglas stand ich auch noch nie auf einer Bierbank.

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Credits: Franziska Wüst

Während es in München passieren kann, dass man auf einmal an einem Tisch mit 4 Australiern und 5 Italienern steht, ist man auf der Wiener Wiesn natürlich nicht umringt von internationalen Gästen. Unsere Tischnachbarn waren - für alle Wiener unter euch - aber auch quasi Ausländer: Die Gruppe bestand aus Tirolern und Vorarlbergern, die auch mal ein paar Tage in die Stadt wollten.

Das Zelt wurde beschallt von Schlagersängern und Blasorchestern. Da spalten sich natürlich die Meinungen über Musikgeschmack, aber es gehört nun mal dazu, wie ich finde. Penny hat als größer Sponsor des Events sogar einen Contest gestartet. Gewonnen haben ein perfektes Helene-Fischer-Double aus Österreich und die "Happy Blas Connection" - der Name war Programm. 

Um 12 war die Gaudi dann zu Ende und das Zelt wurde geräumt. Fazit des Abends: Wenn man ohne Erwartungen kommt, kann man nur gewinnen. Die Münchner Wiesn haben Kultstatus, den die in Wien natürlich nie erreichen werden. Genauso wie die Größe des Festes. Aber alles hat seine Vor- und Nachteile. Wenn die Gruppe stimmt, dann kann man überall Spaß haben. Wer die internationale Masse sucht, sollte sich an München. Ob ich nochmal gehen werde, weiß ich nicht. In zwei Wochen heißt es erstmal: Griaß di Minga! Es gibt nur ein Gas ...

Störfaktor Nr. 1, der bei allen Wiesn, egal wo sie stattfinden immer da ist: Die Dirndl werden immer cheaper! Mädels, kürzer heißt nicht immer automatisch besser!  

Prost!

Titelbild Credits: Franziska Wüst WARDA

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