Cobenzl Open Air: war zwar Indoor, aber scheißegal, es war geil! (c) Titelbild Credits: Ivana Anna Dzc

Cobenzl Open Air: war zwar Indoor, aber scheißegal, es war geil!

Die Veranstalter Merkwürdig und Soundterrasse haben nach einem Pratersauna- und zwei Porto Pollo Open Airs am Samstag wieder einmal zusammen eine Electro-Fete geschmissen. Falls euch der Weg hinauf zu weit oder der Eintritt zu hoch war, haben wir hier für euch einen kleinen Rundgang durch das Event.

Raus aus dem Bus, ein paar Schritte hoch zum Schloss Cobenzl, das obligatorische halbleere Bierdosen-Entsorgen und kurz zufällig einen der Veranstalter treffen, der zwar der Hektik verfällt, aber bevor er wieder abrauscht, der Kassiererin noch ein Codewort zuruft. „Friendslist“ – wie freundlich – für acht statt zwölf Euro gab’s den Stempel. Durch das kleine Gartentor marschierte ich den Schotterweg entlang und hörte bereits ein paar feine Klänge. 

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Credits: Fabian Petschnig

Über eine großzügig angelegte und sehr gepflegte Gartenfläche, wenige Stufen aufwärts, kam ich an eine sehr lange Terrasse. Weiterhin Musik nur aus dem Hintergrund. Temperaturbedingte Flucht unter die Dächer – wo bleiben die verdammten Chemtrails, wenn man sie mal braucht? Im Outdoor-Bereich stehen grob gezählt zwei Menschen, abgesehen von meinem Kumpel, mir und einigen Plastikgartentischen samt Stühlen. Das Highlight hier: der Hammer Blick über Wien.

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Credits: Fabian Petschnig

Von den Klängen des Basses angezogen, bewegte ich mich gemächlich in Richtung einer der Eingangstüren. Gedimmtes gelbliches, oranges und rotes Licht, stellenweise durch weißes unterbrochen, beleuchtet den ersten Floor, lässige Lichtprojektionen schmückten die Wände. Da wir relativ zeitig dort erschienen, war der Menschenandrang noch sehr gering und wir konnten uns in Ruhe umsehen. Hinter dem niedrigen DJ-Pult offenbarte sich mir ein ungewohntes Bild. Das Klavier dürfte normalerweise immer dort stehen, aber die Couch als Sitzmöglichkeit für den DJ, von der aus er auflegen soll, ist mal was Neues und dem gesamten Konzept des Raumes exzellent angepasst. Neben dem DJ gab es eine Art Imbissstand, um zwischendurch Energie tanken zu können. Das Setting des Raumes strahlte absolutes Wohnzimmerflair aus, was musikalisch mit langsamer Bassfrequenz und chilligen Melodien unterstrichen wurde. An den Seiten gab es Sitzmöglichkeiten, die wir gleich einmal nützten, um uns kurz zu akklimatisieren.

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Credits: Fabian Petschnig

Nachdem mein Kumpel für ein Weilchen verschwunden war, habe ich begonnen, die anschließenden Räume zu erkunden, um möglichst jedes Detail aufzusaugen. Mit jedem Raum, den ich durchstreifte, stieg stetig die Besucherzahl. Scheinbar war ich ganz im Gegensatz zur Informationsbeschaffung beim Konsumieren echt flott unterwegs und habe dabei vollkommen die Zeit übersehen. Auf dem Weg zum zweiten Floor entdeckte ich ein kleines Merch-Ständchen und anschließend daran eine Art Ethno-Shop mit ausgefallenen Verkaufsobjekten – besonders auffällig, die Hartholzvibratoren. Ich muss gestehen, ein Bisschen neidisch bin ich schon, dass den Damen hier so ein Schmankerl geboten wird.

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Credits: Ivana Anna Dzc

Jeder Raum, von den Bars bis zu den Dancefloors, war grundsätzlich dunkel gehalten und mit farbigen Spots wurden angenehme Akzente gesetzt, was der Stimmung eindeutig dienlich war. Die auffälligste Erscheinung von allen Räumlichkeiten hatte der große Floor. Das klassisch gehaltene gold-weiße Stuckdesign an den Decken steht im totalen Kontrast zu den bunten und dynamischen Lichtprojektionen, welche die tanzende Menge von hinten als ein großes Ganzes erscheinen ließ. Der Sound war satter, schneller und nicht so "fröhlich", wie am kleineren Floor – mehr meine Welt. Erstaunlich finde ich, wie durcheinandergemischt das Publikum war. Seit langem habe ich wieder einmal andere Leute gesehen, als die üblichen Verdächtigen. Nachteil des Ganzen: Balzgehabe überdeckt hier häufiger den Tanzrausch.

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Credits: Fabian Petschnig

Im vollkommen benebelten Zustand ist mir aufgefallen, dass ich bei dem Treffen mit den Veranstaltern, als ich noch halbwegs nüchtern gewesen bin, nur wenige relevante Informationen gesammelt habe. Die Feierlaune überrennt jeden hier und die Kärntner (meine Brüder) und Vorarlberger Jungs von Merkwürdig und Soundterrasse machen es einem nicht leicht, sich da dagegenzustemmen. Abgesehen davon, dass sie mich hin und wieder persönlich in ihren eigenen Stimmungsrausch hineingezogen haben, gelang es ihnen mit der gesamten Aufmachung der Veranstaltung zu überzeugen.

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Credits: Ivana Anna Dzc

Die Anlage drang mehr als ausreichend mit satten Bässen und knackigen Höhen in die Ohren. Die Floors waren nicht überfüllt, weshalb ich ein Bisschen glücklich darüber bin, dass manche das „OPEN AIR“ zu wörtlich genommen haben. Die Meute ging ab und brachte die Bude zum Brennen. Und bei dem Temperaturanstieg auf den Tanzflächen brachte einem ein Besuch auf der Terrasse die ersehnte Abkühlung – lag doch noch ein bisschen Open-Air in der Luft. 

Mit dem Blick auf das alte Gebäude weist mich eine Freundin auf ein lustiges Detail hin, während man in Berlin auf der Suche nach abgefuckten Locations für Electro-Partys ist, hält in Wien ein Schloss dafür her.

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Credits: Ivana Anna Dzc

Egal wie sehr mir diese Nacht Spaß bereitet hat, zwei Punkte Abzug muss ich dennoch geben. Zum Ersten ist da dieser „Wuzzler“, wenn der denn überhaupt so genannt werden darf. Einerseits lockte er mich jedes Mal, wenn ich vorbeiging, aufs Neue zu einer Runde Tischfußball an und andererseits macht der wellige Tischboden jegliche spielerische Fähigkeit zunichte.  Besser als „a Stan am Schädl is es aber allemal“

Zum Zweiten ist es die „Afterhour“, von der ich mir ein Bisschen mehr erwartet hätte. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Um letztlich neben den wenigen übrig gebliebenen Motivierten am klassischen "Massenwarten" auf das Ausnüchtern teilzunehmen, traten wir noch einmal eine längere Reise an. Der Sound ist zeitweise sehr eigen gewesen, das Lokal Spark, aber gut gewählt. Nicht ganz im Stil der Cobenzl-Party haben wir dort fortgeführt, was so schön begonnen hat. Es war auf jeden Fall gut genug, um vollkommen verpeilt erst um 12 Uhr mittags das Lokal zu verlassen.

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Credits: Fabian Petschnig

Wir haben trotzdem gewonnen.

Wild. Flüssig. Womöglich zu lang. - So könnte ich diese Nacht vermutlich am Besten beschreiben. Schade für die Veranstalter, dass nur „so wenige“ Leute da waren, sie hätten sich noch viel viel mehr verdient. Mit Liebe zum Detail, einem guten Musikgeschmack und einem stimmigen Gesamtkonzept haben sich Merkwürdig und Soundterrasse ganz klar in mein noch immer aufgekratztes Herz gespielt. Da freu ich mich schon auf die nächsten Events mit ihnen im SASS Music Club und in der Pratersauna. Vielleicht sehen WIR uns ja dort.

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Credits: Julia mit Handy von Fabian Petschnig

Falls Ihr noch nicht genug von großen Partys habt, oder nicht wisst, was ihr im Oktober so unternehmen sollt, gibt es hier oder dem Eventkalender genügend Veranstaltungen, die einen Besuch wert sind. 

Titelbild Credits: Ivana Anna Dzc

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