Was geht ab im Horst? (c) Titelbild Credits: Fabian Petschnig

Was geht ab im Horst?

An einem Freitag dem 13. habe ich mein Glück in einem neuen Club gesucht. Horst und Hannelore im ersten Bezirk luden zum Feiern mit Monkey Safari und Co ein. Von den Kinderschuhen, in denen der Club noch steckt, kam kaum etwas zum Vorschein.

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Credits: HORST
Mit Liebe zum Detail

Verunsichert von den vielen lauten Stimmen, die Kritik geübt hatten, beschritt ich die Stufen abwärts. Schwarze Wände mit weißen Streifen als Artwork, die ersten Unterschiede zum Empire, das hier früher einquartiert war. Die Hoffnung, dass möglichst wenige Parallelen zum alten Club bestehen, wurde mit der äußerlichen Aufmachung gleich einmal erfüllt. Nach dem Abgeben der Jacke ging ich noch recht vorsichtig den schwarzen Gang entlang und entdeckte rechts einen Balkon mit einer Cocktailbar, der sich quer über dem Main Floor erstreckt und von dem aus ich mir erstmal einen Überblick verschaffen wollte.

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Credits: Fabian Petschnig

Sah alles ganz ordentlich aus. Der Umbau hat dem Club ein völlig neues Gesicht verliehen und rein an den Äußerlichkeiten gemessen, waren da nur noch die räumlichen Dimensionen gleich zu den Vorgängern. Durch im Halbkreis angeordnete Streben rechts und links ist der Dancefloor teilweise abgegrenzt von den seitlichen Sitzbereichen, in denen die Leute aber auch nicht allzu lange stillsitzen konnten. Direkt unter mir war eine lange Bar. An den Decken wellige Lichtpaneele und eine Vielzahl von Scheinwerfern, die den Raum durchdrangen, hinter dem DJ- Pult weitere Strahler und zwei beleuchtete, miteinander verbundene Kreuze – das Setting des Lichts, die Farben und der Grad an Helligkeit waren sagenhaft, mehr als nachtklubtauglich und top abgestimmt mit der Musik. Eine ganz anderes Ausmaß als zuvor, da legen die Clubbesitzer offensichtlich sehr viel Wert darauf.

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Credits: Fabian Petschnig

Nachdem ich das Gesamtkonzept aus der Ferne unter die Lupe genommen habe, beschloss ich, die Treppen weiter hinabzugehen und aus erster Hand zu erfahren, ob Horst oder Hannelore besser darin ist mit mir das Tanzbein zu schwingen. Hannelore schien eher der natürliche Typ zu sein – steh ich drauf. Eine kleine Bar, ein kleiner Dancefloor, aber dafür auch hier ganz große Leidenschaft bei der Gestaltung des Raumes. Dschungelähnlich, alles im Holz- Look, an der Decke Plastikpflanzen mit kleinen Blättern – Efeu? Sorry, Flora ist nicht mein Spezialgebiet. Recht dunkel im Eck versteckt sich ein kleines Séparée – eventuell wäre hier ein "Besetzt"-Schild für die Zukunft ganz nützlich. Bespielt wurde der kleine Floor von Merkwürdig, die ich bereits eine Woche zuvor am Cobenzl Open Air besucht hatte.

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Credits: Fabian Petschnig

Eine halbe Stunde später hatte ich das Bedürfnis, Horst auch mal eine Chance zu geben. Na Bumm – schon ganz ein anderes Feeling, wenn man unten steht. Vor dem kritischen Rundgang wollte ich erstmal die Musik genießen und tanzen. Der Sound kam mir erst etwas flach vor, aber als er seitens des DJs etwas mehr Fülle bekam, überrollte mich der Bass förmlich. Ein kurzer Schockmoment, der in meinem Körper den Rauschzustand gleich mal verdoppelte. Das führte dazu, dass ich mich komplett verlor. Ich ziehe meinen Hut – Horst wickelte mich äußerst schnell um den Finger.

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Credits: Fabian Petschnig

Contenance – so ein leichtes Mädchen bin ich aber dann doch nicht, dass ich mich komplett geschlagen gebe und dem Feiern verfalle, bevor nicht alle wichtigen Infos gesammelt sind. Ich ging vor zum DJ- Pult und überblickte die tanzende Schar. Ziemlich bunt gemischtes Publikum, keine unangenehm auffallenden Leute und auf alle Fälle sehr bewegungsfreudige Menschen – die Stimmung passte. Die Position des Pults finde ich ziemlich geil. Es ist möglich, rundherum zu gehen. Hinter dem Bereich der Partyprediger – die Kreuze veranlassen mich dazu, die DJs so zu nennen – gibt es Sitzmöglichkeiten und auch genug Platz zum Tanzen. Das hatte ich gleich für eine weitere Tanzsession genutzt. Bei Monkey Safari konnte ich einfach nicht mehr ruhig stehen – HAMMER!

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Credits: Fabian Petschnig
Vollkommen entspanntes Foto

Wie es der Zufall so wollte, traf ich hier auch gleich ein paar Szene kundige Leute, darunter auch einen der Besitzer von HORST. Ich wollte die Möglichkeit nutzen, sie alle auszufragen, also habe ich mich schamlos drangehängt. NIKKA, die DJane, die nach Monkey Safari der Meute den letzten Rest geben sollte, hatte nur Gutes über den Club selbst zu berichten. Sie erzählte mir, es wäre schon etwas Besonderes, in den Räumlichkeiten zu spielen, wo sie sich als Jugendliche das erste Mal der synthetischen Euphorie hingegeben hatte. 

Florian, Mitbesitzer von der Bettelalm, erwiderte auf meine Fragen nur: „Das ist nicht Wien!“. Mein Warum führte zu einem „WEIL’S ABNORMAL GEIL IST“. Und ja, es war abnormal geil. Nicht einfach eine Kopie der bisherigen Clubs, sondern ein wunderbar durchdachtes Gesamtkonzept, dass mit der Musikrichtung auf alle Fälle hervorragend harmoniert. Die bösen Zungen sind halt oft lauter als die positiven Stimmen, denn diese gehen beim Wiedersehen im Club im dröhnenden Bass unter. Bis 6 Uhr morgens lief die Fete – ich hätte noch Stunden so weitermachen können.

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Credits: Fabian Petschnig

Es wäre gelogen, würde ich sagen, dass alles rundum perfekt war. Einige Feinjustierungen dort und da sind schon noch notwendig. Im Gespräch mit Benjamin, einem der Chefs, wurde mir aber noch eine erfreuliche Nachricht offenbart: kommende Woche werden ein paar neue Anlagen im Club getestet, um den Sound auf das ideale Level zu bringen. Die Bereitschaft sich weiterzuentwickeln und den Feinschliff nie aufzugeben, war deutlich rauszuhören. Am Ende des Abends war ich fast etwas traurig über die Tatsache, dass dieser Club ein Ablaufdatum hat. Ich wurde aber umgehend mit folgenden Worten beruhigt: „Keine Sorge, danach kommt noch was Fetteres“. Nichts desto trotz werde ich den Countdown ganz genau im Auge behalten, um vor „dem Fetteren“ dort noch ein paar Mal richtig fett abzufeiern.

Abschließend kann ich euch den Besuch im Horst nur empfehlen, ich komme mit Sicherheit wieder!

Titelbild Credits: Fabian Petschnig

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