Der Mythos reifer Frauen und wie mich die Jagd danach verändert hat (c) Titelbild Credits: Pexels.com

Der Mythos reifer Frauen und wie mich die Jagd danach verändert hat

Zwischen Phantasie und Realität liegen häufig Welten. Bei Frauen um die vierzig und darüber, die eine sexuelle Beziehung mit Männern Anfang zwanzig eingehen, verhält es sich meist gleich. Ein paar Geschichten aus meinem Nähkästchen sollen zeigen, weshalb zu hohe Erwartungen das echte Leben negativ beeinflussen.

Viele junge Männer geben sich Phantasien hin, in denen eine reife Frau ihnen zeigt, wo der Hase langläuft - nicht erst seit Milf- Hunter oder Cougar Town, schon die Generationen davor wurden davon heimgesucht, wie auch das Buch „Der Vorleser“ eindrucksvoll beweist. Im Kopf spielt sich das leidenschaftliche Szenario so unbeschwert ab. Die scharfe Professorin aus der Grundlagenübung bittet ihn kurz dazubleiben, damit sie mit einem sprechen könne. Nachdem alle den Lesungssaal verlassen haben, schnappt sie sich ihren Schlüssel, schreitet zur Tür und schließt ab. Mit einem kleinen Hops nimmt sie am Tisch Platz, während er unschuldigen Blickes auf dem Stuhl auf die ersten Worte wartet. Sie öffnet knapp vor ihm sitzend ihre verschränkten Beine. Der Rock breitet sich auf, das Ende der Strümpfe kommt zum Vorschein und ein wenig blitzt das Höschen hervor. Worte fallen keine. Die Professorin fährt ihm leicht vorgebückt durch das Haar. Anfangs tut er noch so, als würde er sie abweisen wollen, doch als sie ihn herrisch zu sich zieht, fallen alle Hüllen und sie versinken in zügelloser Leidenschaft.

Klingt doch saugeil! Wie lange ich solch einem Erlebnis in meinen Gedanken nachgejagt habe und später auch im echten Leben. Eine Frau mit Erfahrung, die weiß, was sie tut. Eine ausgewogene Mischung aus Zärtlichkeit und nicht zu bändigender Bestimmtheit durchbricht die Barrieren der Altersklassen und führt beide in die Welt des vermeintlich Verbotenen. Alte Männer mit jungen Frauen sind in der Gesellschaft zwar auch noch nicht vollständig enttabuisiert, aber gehören vor allem in den besserverdienenden Kreisen fast schon zur Normalität. Warum sollte das andersrum nicht auch gut funktionieren, aus welchen Motivationsgründen auch immer? Warum sollte sich eine sogenannte Cougar oder Milf nicht einen schönen, ergebenen Toy Boy halten können oder ab und an den jungen Hengst einreiten?

Die Gratwanderung zwischen einer Beziehung auf Augenhöhe und dem vollkommenen Kontrollverlust von Eigenbestimmung mag zwar spannend klingen, sieht aber im echten Leben selten so gut für den jüngeren Teilnehmer aus. Dass zeitlich begrenzte Geschichten aufregend sein können, vermag ich auch nach den Erfahrungen, die ich gemacht habe, nicht zu leugnen. Dass aber demgegenüber Sex mit reifen Frauen automatisch gut ist, bleibt unbestritten nur ein Mythos. Verallgemeinernd darf man sowieso nie werden, aber grundsätzlich haben sich mein Verhältnis dazu und ich mich persönlich in den letzten Jahren durch die Erfahrungen stark verändert.

Meine Karriere als Toy Boy begann relativ früh, zumindest die Möglichkeiten dazu. Während der Maturazeit öffnete mir eine meiner ehemaligen Professorinnen die Türe in eine Welt, die bis dahin nur in meinem Kopf existiert hatte. Nachdem ich die ersten zwei Stunden geschwänzt hatte und zur dritten zu spät kam, ertappte man mich am Gang. Das übliche Lehrergeschwafel war abzusehen, aber stattdessen sagte sie etwas, womit ich nicht gerechnet hatte: „Du stichst hervor, aber nicht nur negativ“. Ich war überrascht. „Du verhältst dich anders, als andere in deinem Alter!“ Die unsittlichen Berührungen unterstrichen meine erste Vermutung. Es ging rund in mir, aber vollkommen souverän unterband ich das und ging einfach. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt nicht bereits eine längere Beziehung gehabt, wäre ich mit Sicherheit offensiver geworden – scharf war sie und hat mich auch ordentlich scharf gemacht.

Nachdem meine Beziehung in die Brüche ging, war dieses kurze unanständige Aufeinandertreffen noch in meinen Erinnerungen verankert. Durch den Wunsch, einmal diese Erfahrung zu machen, trieb es mich häufig dazu, ältere Frauen anzumachen, was meist in höflichen und manchmal in spöttischen Abfuhren endete. Etwas geknickt hatte ich aufgegeben, gezielt darauf abzuzielen und erkannte, dass dieses aufdringliche Anbraten generell alles andere als cool ist.

Wie von Zauberhand vollzog sich scheinbar ein Wandel in meiner Ausstrahlung, der bei Frauen nicht unbemerkt blieb, vor allem bei jenen über vierzig. Weiterhin in Lokalen unterwegs, wo das Durchschnittsalter höher als meines war, fing das Rad an sich zu drehen und einige Liebschaften folgten. Abgesehen von den sexuellen Aspekten waren sie im Umgang mit mir in der Öffentlichkeit sehr unterschiedlich. Mal schämten sie sich und versuchten es zu verbergen, mal prahlten sie richtig mit mir neben ihnen stehend. Meist enttäuscht von den kurzzeitigen Affären, trachtete ich nach dem unerschütterlichen Beweis. Nämlich, dass der Sex mit reifen Frauen spannender sein musste, als das, was ich bisher kannte. Ich ging sogar so weit, dass ich auf der Hochzeit eines guten Freundes mit der Tante der Braut im Bett landete, die zugleich auch noch die Mutter einer ehemaligen Schulfreundin war und die ich seit meiner Volkschulzeit gekannt hatte. Ein wenig verstörend war’s schon, die Worte „FICK MICH“ aus ihrem Mund zu hören. Meist waren es aber einfach mir zuvor unbekannte Frauen, die zwar leidenschaftlich an dem Akt teilnahmen, aber sie bedienten nicht meine Vorstellungen – zu devot, zu zurückhalten, oder zu sehr auf Augenhöhe, was den Sex betraf.

Mit dem Erscheinen von Tinder erreichte das ganze Spiel eine neue Ebene. Verrückte Zeit, reichlich Spaß, aber auch viele Schattenseiten. Ich blieb aber weiter unbestätigt in meinen Phantasien, doch dann kam sie. Ich war unterwegs mit zwei Kollegen - ein klassisches "After-Work-Besäufnis". Sie an einem der Tische mit zwei Freundinnen, ich an der Theke, so tauschten wir immer wieder Blicke und neckische Gesten aus. Nachdem meine Kollegen verschwanden, um gemeinsam aufs Klo zu gehen - ja, auch Männer tun das, aber aus anderen Gründen, die ich hier nicht näher beleuchte - stand sie auf und trat zu mir. „Shy?“ – sie war nicht aus Österreich. Wir sprachen, lachten, ich erfuhr viel über sie, sie über mich. Sie war Anwältin, 39, wohnte in London, war geschieden, hatte eine Schwester, die hier wohnte und an dem Abend auf ihre zwei Kinder aufpasste, ich war zu diesem Zeitpunkt 24 und naiv. Trotz der Chemie zwischen uns passierte an dem Abend nichts, außer einem ungewöhnlich langen Kuss auf meine Wange und dem Austausch unserer Telefonnummern.

Bevor ich sie wiedersehen konnte, war sie nach Hause geflogen. Wir schrieben uns und sie versprach mir wieder zu kommen. Dieses Mal würde sie die Kinder daheim beim Ex-Mann lassen. In Wien ging dann alles recht schnell. Sie lud mich zu ihrer Schwester ein, die nach meinem Eintreffen verschwand. Zwei Gläser Wein, vorerst verhaltenes Beschnuppern und dann wildes Fummeln. Das Programm, das sie mit mir fuhr, lag zwischen stilvoll und dominant. Sie setzte sich auf mich, ließ sich wenig Zeit beim Ausziehen meiner und ihrer Kleidung und machte sehr klare Ansagen. Die Art und Weise, wie sie sich bewegte und wie sie mit mir umsprang, war ganz anders als zuvor. Ich wurde von all meinen Rechten entbunden, ich wurde regelrecht benutzt, was sie aber auf eine unglaublich geile Art vollzogen hat - endlich die Erfahrung und Bestimmtheit, nach der ich so lang gesucht hatte. Ungefähr ein halbes Jahr lief das ganz gut. Wir blieben nächtelang auf, führten auch gute Gespräche, gingen aus, sie lud mich zum Essen ein, sie zahlte generell immer und zeigte sich auch auf allen anderen Ebenen äußerst erkenntlich. Wir führten grundsätzlich eine Beziehung auf Augenhöhe, zumindest dachte ich das. Das finanzielle Ungleichgewicht hatte sie mich nie spüren lassen und das sexuelle war mir nur recht.

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Nach dem halben Jahr schlug sie vor, gemeinsam auf Urlaub zu fahren. Sie hätte schon für zwei gebucht. Im Hotel angekommen streckte mir der Rezeptionist eine Karte für ein zweites Zimmer rüber. Ich war verwirrt. Auf dem Weg hoch ins Zimmer nahm sie mir die Karte aus der Hand und erklärte mir, ich bräuchte sie nur, wenn sie es sagte – Aha? Anfangs ging alles super. Wir verließen das Zimmer nur selten, hatten gewohnt guten Sex und Spaß miteinander.

Am dritten Tag wurde es verrückt. Aus dem bisherigen Miteinander entstand ein Dominanzverhalten, das mir persönlich zu weit ging und mir unangenehm wurde. Ich sollte mich ausziehen, aufs Bett legen und das Gesicht mit meinem Shirt bedecken – alles noch okay! Sie band mir die Hände zusammen. Ein Blowjob folgte – das konnte sie abgöttisch gut. Mit den Fingern an meinem Arsch fummelnd – worauf ich nie so wirklich stand - meinte sie, sie hätte was für mich. Sie verschwand kurz vom Bett und kam wieder. Ich spürte was größeres als einen Finger an meinem Hinterteil. „No Way!“ – ich drückte sie weg und ein Wortgefecht entbrannte. Zwischendurch musste ich grinsen, weil sie dieses Ding noch immer in der Hand hatte. Den Ernst der Lage machte sie mir aber schnell bewusst. Ich musste mir lautstark erklären lassen, dass ich gar dazu verpflichtet wäre, das zuzulassen. Neuen Erfahrungen bin ich aufgeschlossen, aber ich will nicht dazu gezwungen werden. Das Ungleichgewicht ließ sie mich plötzlich deutlich spüren. Sie schmiss mir die Karte zu und sagte, ich dürfe wiederkommen, wenn ich mache, was sie will.

Im Stolz verletzt und irgendwie auch emotional, hatte ich mir meine Tasche geschnappt und verschwand ins Zimmer. Das war einfach respektlos, wie sie mit mir umging und die einzige Möglichkeit, die ich als richtig empfand, war zu gehen. Absurderweise hatte ich mich sogar dafür geschämt, was passiert war. Ich ging nochmal zu ihr, um ihr die Karte zurückzugeben. Nach kurzer Diskussion und einer offensichtlich gezwungenen Entschuldigung ihrerseits, verschwand ich und nahm den Zug nach Hause. Wir hatten noch zwei Mal geschrieben, aber uns nie wiedergesehen.

Als ich das beendet hatte und dazu zurück ging, mich wieder vermehrt mit gleichaltrigen Frauen abzugeben, wurde mir bewusst, dass das Ganze auch irgendwo eine Jagd nach etwas war, dass ich nie so wirklich wollte. Mir wurde auch klar, wie verwerflich mein Umgang mit Frauen während der Suche nach der Erfüllung meiner Phantasien war. Ich hatte das Individuum meist hintangestellt und egomanisch nach dem Ziel gesucht. Die ganzen Erfahrungen hätten so viel wertvoller für mich sein können, wenn ich mich auch wirklich darauf eingelassen hätte. Eine offensichtliche Erkenntnis wird wenigstens untermauert: Diese von irgendwelchen Filmen und der Pornoindustrie beeinflussten Erwartungen können in der Realität nicht Wirklichkeit werden und dürfen keinen Maßstab darstellen. Und das verhält sich nicht nur in Bezug auf reife Frauen so.

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