Halloween auf fancy - wo haben's mich da nur hingeschickt.. (c) Titelbild Credits: WARDA

Halloween auf fancy - wo haben's mich da nur hingeschickt..

Manchmal braucht man einen anderen Blickwinkel um ein ehrliches Review abzugeben, deswegen haben wir unseren alternativsten Redakteur in den Club Alice geschickt.

Außerhalb der gewohnten Umgebung fortzugehen kommt bei mir sehr selten vor. Im Club Alice an Halloween zu landen, liegt dabei aber verhältnismäßig sehr nahe, weil der themenfokussierte Club genau an solch einem Abend das ideale Testgelände bietet.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier! Mit den ersten Schritten hin zum Lokal war ich bereits etwas abgeschreckt. Meine üblichen Clubs empfangen mich mit offenen Armen und hier bin ich einfach irgendjemand. Die Türsteher kannten mich nicht, an der Kasse kannte man mich nicht und an der Garderobe waren sie zwar genauso höflich wie an den anderen Stationen, aber es gab wiederum kein „Hey Fabi!“. Ich fühlte mich als wäre ich neu in Wien – okay, als Kärntner hört das eigentlich nie so wirklich auf.

Die Fotos, die ich bisher sehen durfte, hatten etwas Reizvolles, aber stets lag mir im Kopf, dass es nichts für mich wäre. Nachdem wir die Welcome Shots tranken – Zimt und Whiskey, nette Kombi – merkte ich schön langsam, dass hier die Gastfreundlichkeit sehr groß ist. Die Mitarbeiter, denen ich bis zum Abgang begegnet war, zeigten sich wahnsinnig offenherzig. Meine negative Haltung wurde mir hier auf eine frech-freundliche Weise ausgetrieben und bevor ich die Stufen hinab trat, umklammerte mich ein Gefühl des Willkommen Seins.

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Credits: Fabian Petschnig

In letzter Zeit fiel mir auf, dass Clubs immer mehr den Fokus auf ein außergewöhnliches Äußeres legen. Club Alice präsentiert sich hierbei noch einmal ausgefallener. Mit dem hypnotischen Kreisen an den Wänden erinnerte es tatsächlich an Alice im Wunderland. 

Noch mit schüchternem Blick ging es in Richtung ersten Floor, wo es mir erstmal nur darum ging, Alkohol in die Finger zu bekommen. Kurzer Rundumblick und dann die Augen sofort in die Getränkekarte – suchen, bestellen, wirken lassen. Rum Cola. Die Getränkepreise waren zwar nicht unbedingt in der Sparte „Vortrinken“ angesiedelt, aber dieser Rum - ja, leck mich am Arsch, wie gut ist der? Während ich mich in die Decke vertieft hatte, an der mehr oder weniger eine kleine verkehrte Welt mit Stühlen und Tischen klebt, probierte ich einige Drinks. Respekt – das Trinken scheint hier weit abseits des Geschmacklosen zu liegen.

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Credits: Fabian Petschnig

Nachdem der Club mir bewiesen hatte, dass er Ahnung von gutem Alkohol hat, wollte ich natürlich auch wissen, wie es sich feiert. Der zwischenzeitliche Abstecher aufs Klo klinkte mich kurz aus, weil die Spiegel mich total verwirrt hatten, aber nach kurzem Zurechtfinden fand ich das Setting hier echt amüsant – also weiter die Stufen abwärts. Ein kleines SM-Spielchen an der Wand lockerte die Stimmung weiter und nach kurzem Herumspielen gelang es uns dann doch die Partykirche zu erreichen.

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Credits: Fabian Petschnig

Oben schien der Club noch etwas leer, aber dort unten angekommen sahen wir, dass das Feiern bereits voll im Gange war – und schon wurde ich verschlungen. Ein wenig Tanzen und dann wollte ich mich genauer umsehen. Die Meute war für mich nicht ganz fassbar, aber schien eher „fancy“ angehaucht. Wie man sich Halloween in Amerika vorstellt eben, sexy Katzen und wenig Stoff, allein dieser Anblick ist ein Win. Dank der Verkleidungen war es noch bunter gemischt. Das äußerliche Setting war wie am oberen Floor aufwendig gestaltet – an der Wand viele Bilder, akribisch aneinandergereiht, die Decke mit „Rissen“ versehen, wie in einer alten Kirche, Deckengemälde und am Ende stand das DJ-Pult, wo sich dahinter ein großes Neon-Kreuz erhob.

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Credits: Fabian Petschnig

Es fiel mir letztlich überhaupt nicht schwer, mich fallen zu lassen. Am Umstand gemessen, dass ich aus einer völlig anderen Szene komme, erging es mir unfassbar gut, weil der Club es schafft, fern von szenefixiertem Denken zu agieren. Musikalisch recht breit gefächert, vorwiegend sehr tanzbare Musik, viel House gepaart mit kleinen rhythmischen Raffinessen – nicht ganz mein Sound, weil zu freundlich, aber dennoch überzeugend. Die Stimmung hob sich deutlich, als die Leute etwas mehr getrunken hatten, was auch mich vollständig mitzog. Feierlaune und Trinkgenuss liegen hier in wahnsinnig gutem Einklang und obwohl es offensichtlich etwas gehobener - als für mich gewohnt – zuging, überkam mich nicht das Gefühl, hier fehl am Platz zu sein. Niveauvoll ausgelassen funktioniert auch bei Menschen wie mir.

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Credits: Fabian Petschnig

Als Gesamteindruck äußerst überzeugend, mit optischen Überraschungen, bekam ich hier weit mehr geboten als erwartet. Dass es nicht mein Stammlokal wird, liegt nur an meinen persönlichen Präferenzen für härtere Musik, aber für Freunde des gesitteten Fortgehens, genussvollen Trinkens und ausgelassenden Tanzens präsentiert sich der Club Alice als MUSS. Für Ausgehabende mit Leuten, die es nicht so wild mögen wie ich, zieh ich den Club auf jeden Fall wieder in Betracht, denn die Stimmung hat mehr als nur gepasst. Die Mischung aus gepflegtem Äußeren – die Bar, die Kellner und die unfassbar schöne und freundliche Chefin, sehen die überall so heiß aus? – und diesem optisch ausgefallenen Setting ergibt die ideale Umgebung für gehobenes und dennoch nicht alltägliches und ausgelassenes Fortgehen - langweilig wird's auf keinen Fall. Sogar ich, als vollkommen „unpassender“ Besucher, musste hier am eigenen Leib erfahren, wie die Zeit verfliegen kann, weshalb ich nach der aufgebauten Stimmung froh war, dass mir noch eine Afterhour bevorstand. Letztendlich bin ich richtig glücklich, dass man mich überredet hat, hierher zu kommen, denn mir war bis dahin nicht bewusst, was ich alles verpassen würde.

Die Halloweenfotos vom Club Alice findet ihr hier:

Hier geht's zu den Reviews der Halloweenpartys im Goodmanns und hier von Grelle Forelle und Chaya Fuera.

Titelbild Credits: WARDA

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