Wir haben Ausländer gefragt, wie sich Rassismus anfühlt. (c) Titelbild Credits: pixabay.com

Wir haben Ausländer gefragt, wie sich Rassismus anfühlt.

Obwohl wir das 21. Jahrhundert schreiben, ist Rassismus leider immer noch ein aktuelles Thema. Genau deswegen haben wir in den folgenden Zeilen betroffenen Menschen Platz gegeben, um ihre Geschichte und ihre Erfahrungen mit dem Thema zu teilen.

Hin und wieder gafft man ja ganz gerne oder ist einfach neugierig auf die Herkunft und Geschichte von der Person gegenüber. Eine exotische Herkunft ist immer etwas Interessantes. Aber wie fühlt es sich an, wenn deine Herkunft dich plötzlich definiert und dich zum Außenseiter macht? Wir haben mit vier Menschen, die genau diese Probleme haben, gesprochen.


Haya, 18, Studentin:

„Ich bin ursprünglich aus Palästina, aber ich wurde in Österreich geboren und bin hier auch aufgewachsen. Ablehnung meiner Person gegenüber nehme ich meistens durch abschätzige Blicke wahr, auch blöde und gemeine Bemerkungen gibt es manchmal. Man sieht mir meine andere Herkunft halt auch an. Lange, fast schwarze Haare, eine dunklere Hautfarbe und dunkle Augen. Obwohl ich es sehr versuche, mich als Österreicherin zu fühlen, gelingt es mir nicht, denn ich werde von Menschen immer als eine Ausländerin wahrgenommen, daher nehme ich mich dadurch selbst auch mehr so wahr. Besonders schlimm trifft es aber meine Mama, denn sie trägt im Gegensatz zu mir ein Kopftuch. Wenn ich mit ihr auf die Straße gehe, wechseln zum Beispiel Leute die Straßenseite oder pöbeln ihr Beleidigungen hinterher. Einmal wurde sie auf der Straße von einem Mann sogar so stark absichtlich angerempelt, dass sie auf den Boden gefallen ist und sich ziemlich weh getan hat. Ich würde mir echt wünschen, dass andere Menschen mich und meine Familie auch als gleichwertig ansehen würden, denn immerhin sind wir auch gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft und nicht schlechter oder minderwertig aufgrund unseres Migrationshintergrundes.“

Mehmet, 28, Barkeeper:

„Ich komme aus der Türkei und bin nun schon sechs Jahre in Österreich. Ich arbeite schon länger als Barkeeper in einer kleinen Bar und ich mag meine Arbeit eigentlich total gerne. Unsere Gäste sind oft verwundert, dass jemand mit türkischer Herkunft als Barkeeper arbeitet. Sie nehmen nämlich an, dass alle Türken keinen Alkohol trinken, obwohl das natürlich absoluter Blödsinn ist. Im Gegensatz zu Freunden und Bekannten bekomme ich Rassismus meistens nicht frontal zu spüren. Ich bin nämlich ziemlich groß und trainiert, dadurch schrecken, glaube ich, viele Leute vor einer körperlichen oder verbalen Konfrontation mit mir zurück. Jedoch habe ich immer das Gefühl, dass Leute mir skeptisch gegenübertreten und sich einfach anders verhalten, speziell wenn sie von meiner Herkunft erfahren. Auch bei meinen Jobs hatte ich schon öfters das Gefühl mich mehr beweisen zu müssen als andere Kollegen. Generell nerven mich diese ganzen Diskussionen und diese extreme Besessenheit von Herkunft und Nationalität. Mein Migrationshintergrund sagt ja nur woher ich komme und nicht wer ich bin.“

Racula, 21, Kellnerin:

„Die meisten Leute würden nie glauben, dass ich auch mit Rassismus zu kämpfen habe, denn ich habe keine schwarzen Haare oder eine dunkle Hautfarbe. Ich bin blond und blauäugig. Meine Mama kommt ursprünglich aus Rumänien und mein Papa ist so ein richtiger Urwiener. Ich wurde hier geboren und habe auch in Wien meine Matura gemacht, trotzdem fühle ich emotional mehr mit Rumänien verbunden als mit Österreich. In meinem Job als Kellnerin bekomme ich es nicht nur mit viel Sexismus und sexueller Belästigung zu tun, sondern auch mit Rassismus. Viele Leute, vor allem Männer, assoziieren mit meiner östlichen Herkunft gerne Prostitution und Sexarbeit. Manche projizieren das dann auf mich und glauben aufgrund meiner Nationalität, dass ich billig und leicht zu haben bin. Manche Männer werden da oft richtig aufdringlich. Es gibt ja auch dieses Klischee, dass Rumänen gerne stehlen. Das ist natürlich auch totaler Schwachsinn, denn nicht deine Nationalität macht dich zu einem Dieb, sondern deine eigene Entscheidung. Diese ganzen Pauschalisierungen finde allesamt echt blöd, vor allem das Verhalten mir gegenüber ist oft echt richtig respektlos.“

Mary, 23, Studentin:

„Meine Eltern kommen aus Äthiopien und Kongo. Ich selber bin seit 12 Jahren in Österreich. Aufgrund meiner Hautfarbe sieht man mir meine andere Herkunft an und Menschen lassen mich auch gerne spüren, dass ich anders aussehe als der klassische Österreicher. Speziell in der Öffentlichkeit werde ich oft angestarrt, auch wenn das sicher nicht immer böse gemeint ist, stört es mich trotzdem und breitet Unwohlsein in mir aus. Über die Jahre hinweg habe ich mich natürlich schon etwas daran gewöhnt, jedoch ist es mir immer noch unangenehm, und das wird es auch immer bleiben. Es ist auch schon passiert, dass ich aufgrund meiner Hautfarbe und Herkunft richtig fies beleidigt wurde. Sowas verletzt natürlich immer besonders. Meine Brüder wurden aufgrund ihres Aussehens sogar schon körperlich attackiert. Als ich damals nach Österreich gekommen bin und noch kein Deutsch konnte, habe ich als erstes Schimpfwörter verstanden, denn manche Leute schrecken anscheinend nicht mal davor zurück Kinder rassistisch zu beschimpfen. Ziemlich traurig, oder? Viele Menschen verhalten sich oft auch ganz unnatürlich mir gegenüber und wissen oft nicht welche Ausdrücke sie in meiner Gegenwart verwenden dürfen. Ich würde es einfach echt cool finden, wenn meine Hautfarbe nicht andauernd zum Thema gemacht werden würde. Immerhin weiß ich selber, dass ich eine schwarze Frau bin. Get over it.“


Die Interviews oben verdeutlichen nochmal, wie scheiße Rassismus und Diskriminierung sind und wie sie die betroffenen Menschen verletzen und seelische Narben bei ihnen hinterlassen. Es wird auch klar, dass Worte und Körpersprache eine große Rolle dabei spielen und man auch immer vorsichtig mit seiner Wortwahl und seinem Auftreten sein sollte. Generell sollten wir alle über Nationalität hinwegsehen können und sie nicht ständig bei den Menschen zum Thema machen, denn immerhin ist es nicht das was zählt, sondern der Mensch selbst. 

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