Grinch Mode on: ich scheiß auf euer dummes Fest (c) Titelbild Credits: WARDA

Grinch Mode on: ich scheiß auf euer dummes Fest

Sobald mir bereits im November die Schoko-Weihnachtsmänner beim Einkauf entgegenlachen, kommt in mir unweigerlich wieder das Bedürfnis hoch, jegliche Harmonie, die uns in dieser Zeit umgibt, brutal zu zerstören. Warum zur Hölle tun ausgerechnet zu Weihnachten immer alle so, als wäre die scheiß Welt in Ordnung?

Da ich selbst ein sehr harmoniebedürftiger Mensch bin, steht in dieser Zeit mein tiefes Bedürfnis im totalen Widerspruch zu meinen Handlungen. Rückblickend auf meine Kindheit wird die Weihnachtszeit von schönen Erinnerungen dominiert, aber durch die tiefgehende Reflexion wurde mir dann doch klar, dass vieles davon nur ein Wegschieben der Wirklichkeit war. Der Mensch war seit jeher gut darin, vor etwas wegzulaufen und die Weihnachtszeit legitimiert diese scheiß Angewohnheit auch noch. Es wäre gelogen, würde ich behaupten, dass ich da nicht auch lange mitgespielt hätte – aber HEY, Meinungen ändern sich!

#howifeel #hatechristmas #shutthefuckup #minerboy ⚒👊

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Alles schön und gut, soll das doch jeder handhaben, wie er will. Aber im November und Dezember die Leute dabei zu beobachten, wie sie über die Mariahilfer Straße marschieren und im manischen Kaufrausch mit hundert Säcken eiskalt an den frierenden Obdachlosen vorbeilaufen, ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen, ruft in mir massiven Brechreiz hervor. Was für 'n scheiß Heuchler – denken sich jetzt wahrscheinlich die meisten von euch. Mag sein, dass ich als Teilnehmer des Kapitalismus nicht ohne Fehl und Tadel bin, doch schaffe ich es persönlich nicht, vor allem in der vermeintlich wichtigsten Zeit der Nächstenliebe erbarmungslos die Armut zu ignorieren, die neben uns immer mehr an Platz gewinnt. Nur ein Aspekt, warum mich dieses verlogene Fest so ankotzt. Was ist so schwer daran, gänzlich frei von materialistischen Gedanken, einem Menschen die Hand zu reichen und ihm für einen Moment das Gefühl zu geben, dass er existiert?

Und als Argument zu bringen, den Geburtstag eines Menschen zu feiern, der einem nie auch nur im Geringsten nahestand, zieht erst recht nicht bei mir – ungetauft, ein wahrer Heide eben. Wer mit religiösem „Blabla“ sein feierliches Sein rechtfertigen möchte, müsste genau jetzt dafür einstehen, den Bedürftigen mehr zu helfen. Abgesehen davon feiert kaum jemand wegen „Gottes Willen“ dieses Fest. Sind wir uns doch mal ehrlich – in Wirklichkeit ist dies nur ein weiterer Tag, an dem wir uns von der Wirtschaft verarschen lassen, um willenlos von Geschäft zu Geschäft zu ziehen und alles einzukaufen, was schenkbar ist, aber keine Sau wirklich braucht. Wie viele verbringen das Fest im Kreis der Familie, weil sie es aus ihrem tiefsten Inneren wirklich wollen?

#Christmas #Shopping #BlackFriday #MeMeMe #Grinch 🎄🎁

Ein Beitrag geteilt von Maritza (@nurseritz) am

Der nächste Punkt, weshalb ich keinen wahren Sinn dahinter sehe: Das ganze Jahr laufen wir unseren vom Egoismus getriebenen Zielen nach, schieben die Familie beiseite, streiten sogar oft, leben mit ihnen in absoluter Disharmonie und dann kommt der 24. Dezember. „Oh, wie sehr ich die doch alle liebe und schätze. Wie wichtig mir alle sind.“ Wir setzen uns die freundlichsten Gesichter auf, im Sack ein paar Pakete, die lieblos im letzten Moment zusammengesucht wurden und treten durch die Tür unserer Verwandten. Heile Welt. Alle angestauten Aggressionen werden noch tiefer geschluckt als sonst, hier und da sogar ein Schulterklopfen vom Vater, der sonst stets nörgelt, was für ein Loser-Leben man doch führe und die schwerst deprimierte Mutter kocht auf einmal mit größter Freude, obwohl sie sonst Frust zerfressen und in Selbstmitleid gefangen ihre Existenz hinterfragt. Lüge über Lüge geht über den festlichen Tisch. Zugeständnisse werden gemacht, die spätestens drei Tage später wieder in Vergessenheit geraten sind. Und im Nachhinein ist jeder froh, dass der Spuck endlich ein Ende hat. Was bringt das? Nicht das Blut, das durch eure Adern fließt, macht euch zur Familie!

😝😝😝😝#hatechristmas

Ein Beitrag geteilt von Spookey Spok (@spo0key) am

Den Kindern machen wir klar, sie bekämen nur Geschenke, wenn sie brav gewesen wären. Zudem lügen wir ihnen knallhart ins Gesicht und erklären ihnen, es gäbe ein Christkind oder einen Weihnachtsmann. Pädagogisch sehr wertvoll dem Lügen bereits in jungen Jahren einen Grund zu geben. Und dann wundern sich alle, weshalb die Kleinen enttäuscht sind, wenn sie herausfinden, dass die ganzen Geschichten erfunden waren. Wäre es nicht einfacher, ihnen vorzuleben, das ganze Jahr über in möglichst ehrlicher Harmonie zu verbringen? Stattdessen beginnen wir dieses Fest bereits von Anfang an bei unseren Kleinsten mit einer großen Lüge.

Christmas you have done it again 🐷 #fess #fatjess #nocontrol #lovechristmas #hatechristmas

Ein Beitrag geteilt von jessmascari (@jessmascari) am

Sollte ich mich meinerseits einmal dazu entscheiden, an Weihnachten einfach weit wegzufliegen, wird das sicher von vielen verteufelt. „Wie kannst du nur?“ Soll ich wirklich ehrlich sein? Das einzige, was mich an diesem Tag hier hält, ist der Geburtstag meiner Nichte, der zufällig auf denselben Tag fällt. Der ganze Stress, die Freizeitgläubigen, der Kaufrausch, die vorgetäuschten Freundlichkeiten, die gezwungene Besinnlichkeit, der nachfolgende Diätwahn und die scheiß Kälte zu der Jahreszeit, können mir getrost gestohlen bleiben. Ich will euch keineswegs das Fest verderben, aber ich glaube, es wäre die beste Zeit, sein gesamtes Handeln einmal zu hinterfragen und vielleicht im neuen Jahr einmal wirklich etwas anders zu machen.


Hier geht's zum Ich liebe Weihnachten Artikel.

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