Single sein ist scheiße, besonders im Winter (c) Foto Credits: Pexels.com

Single sein ist scheiße, besonders im Winter

Das Singleleben hat viele Vorzüge, aber auch reichlich Schattenseiten, besonders im Winter. Unsere Redakteurin erzählt euch ganz offen, wie scheiße es ist im Winter Solo zu sein.

Mit dem eintreffenden Winter sinkt meine Laune linear. Die Tage werden kürzer, meine Gemütslage grundsätzlich immer schlechter und mein Vitamin D Haushalt ist im Keller. Ich hasse den Winter. Vor allem hat er noch einen anderen bitteren Beigeschmack, er erinnert mich nämlich freundlich daran, dass ich Single bin.

Grundsätzlich habe ich nichts dagegen keine Beziehung zu haben, ich suche auch eigentlich gar nicht nach einer. Schließlich habe ich sowieso keine Zeit dafür. Uni, Job und Freunde sind wichtiger und wir alle wissen: „no boys, no drama“. Außerdem bin ich erst zwanzig und mich jetzt an einen Typen zu binden wäre naiv, denn die Wahrscheinlichkeit, dass er mein Mr. Big ist, ist eigentlich gleich null. Also alles nur Zeitverschwendung.

Jedoch, wenn ich in der kalten Jahreszeit beim Spazieren im ersten Bezirk, verliebte Pärchen sehe, bekomme ich ein ganz komisches Gefühl in der Magengegend. Normalerweise würde ich auf Brechreiz tippen, schließlich sind Verliebte meistens anstrengend und super nervig. Wenn sie die volle Einkaufsstraße blockieren, weil sie ja unbedingt Händchen halten gehen müssen. Oder ganz stolz ihre Lebkuchenherzen am Christkindelmarkt präsentieren (natürlich auch Hand in Hand) und jedem so zeigen, wie in love sie nicht sind. Steckt euch eure „Mein größter Schatz“- Schilder sonst wo hin. Und diese kitschigen Paarfotos mit den leuchtenden Engelsflügeln ebenso. Niemand will sie sehen. 

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Wieso wirken kitschige Weihnachtsfotos als Single immer so unfassbar verzweifelt?

Das Traurige an der ganzen Geschichte ist, dass dieses komische Gefühl in meinem Magen, kein Brechreiz ist, sondern ein kleines Kribbeln meiner Eifersucht. Während ich im Sommer mein Single-Dasein genieße und keinen Gedanken an eine feste Beziehung verschwende, so erschleicht sich im Winter meine Sehnsucht nach etwas Ernstem. Plötzlich hätte ich gerne einen Freund und würde am liebsten irgendeinen Typen gleich zum Traualtar schleppen. Meine pragmatischen Vorsätze, dass Typen meistens eine Zeitverschwendung sind und mir meistens nur Herzschmerz bringen, werfe ich erfolgreich über den Haufen. Mit meiner schwindenden Sommerbräune, verbschiedet sich also auch mein Verstand. Letztens habe ich sogar drei superkitschige Liebesfilme an einem Tag angeschaut, die der richtig schlechten Sorte. Mittlerweile kann ich mir vorstellen, wie es sein muss mit Ashton Kutcher zusammen zu sein, ich habe nämlich gefühlt drei Stunden Filmmaterial nur von ihm gesehen. Ich weiß jetzt also wie Ashton Kutcher schmusend und Oberkörper frei aussieht. Well done me.

Aber auch, wenn ich immer über Verliebte schimpfe, so ist die kalte Jahreszeit zu zweit irgendwie schöner. Händchen haltend Eislaufen zu gehen, geht zwar anderen Eisläufern ziemlich am Arsch, ist aber als Paar super romantisch und beinahe schon ein wenig kitschig. Außerdem, wenn man hinfällt wirkt es irgendwie tollpatschig und süß, hat fast ein Bisschen was von einer Liebeskomödie mit Jennifer Aniston. Passiert einem das alleine wirkt man eher wie ein Idiot, der die gesamte Eisfläche mit seiner Unfähigkeit blockiert, denn aufhelfen will dir schließlich auch niemand. Zivilcourage gleich null, als wäre das Singleleben nicht schon hart genug.

Auch Christkindlmarktbesuche sind als Pärchen irgendwie besonderer. Gebrannte Mandeln teilen und zu zweit Punsch trinken wirken liebenswert, mit Freunden sieben Becher Glühwein am Montagabend saufen, eher traurig. Im Winter geht man außerdem weniger fort und es ist generell nicht so viel in Wien los. Während ich im Sommer mit einem Hugo in der Hand um sieben Uhr abends noch mit Freunden in den Sonnenuntergang getanzt habe, so sitze ich im Dezember in eine Decke eingewickelt zuhause mit einer Tüte Chips und schaue irgendwas auf Netflix (wahrscheinlich den x-Liebesfilm), natürlich alleine. Ein Gefühl der Einsamkeit schleicht sich ein. Juhu. 

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Pff! Hätte eh keinen Platz für einen Partner im Bett.

Aber nicht nur ich beginne zu spinnen, sondern viele meiner Freunde auch, besonders die der weiblichen Sorte. Es ist wie ein lästiger Schnupfen, der durch meinen Freundeskreis wandert und uns in liebeskranke, Punsch trinkende Alkoholikerinnen verwandelt. Das Gsupsi, das davor nur Bett tauglich war, wird plötzlich der potenzielle Traumprinz. Jeder Mann könnte auf einmal der Eine sein. Im Sommer davor hätten wir vermutlich sogar einen Heiratsantrag von Ryan Gosling am weißen Pferd abgelehnt, schließlich lieben wir es Single zu sein und genießen unsere Freiheit. Und jetzt? Wir würden wahrscheinlich mit unserem mittelmäßiges Tinderdate zusammenkommen, wenn er lieb fragt, einfach nur, weil wir es gerade nicht aushalten alleine zu sein. Aber nicht nur meine Freundinnen geht es so, auch meine männlichen Freunde scheinen andere Töne einzuschlagen. Eine Tinderella die nur bis zum Frühstück bleibt reicht nicht mehr aus, eine Prinzessin, die man auch den Eltern vorstellen kann muss her.

Ein Winterliebesblues macht sich breit und dieser lässt sich sogar  psychologisch begründen. Es betrifft also nicht nur mich und meinen verrückten Freundeskreis von Spinnern, sondern ist etwas, womit viele Leute zu kämpfen haben. Männer und Frauen zum gleichen Teil. Woran liegt es also, dass wir im Winter plötzlich ein besonders starkes Bedürfnis nach Liebe haben? „Die Weihnachtszeit weckt Sehnsüchte nach einer heilen Welt, nach einer liebenden Familie, nach Geborgenheit und Zugehörigkeit.“, erklärt Psychologin Ursula Nuber in einem Interview. Der Winter weckt anscheinend besonders stark Sehnsüchte in uns, Liebe ist wohl eine davon. Ein weiterer Grund für den Winterblues sind außerdem die kurzen Tage und das fehlende Sonnenlicht. Eine Winterdepression mit Sehnsucht nach einer Beziehung scheinen also normal zu sein, und nicht meine abgefrorenen Gehirnzellen. Gut zu wissen. 

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Wenn alle Stricke reißen, macht man einfach schöne Fotos mit dem Haustier.

Es beruhigt mich, dass es nicht nur mir so geht, sondern dieser Gemütszustand einfach ein Phänomen des Winters ist. Die geliebte Winterdepression. Ich versuche aber einfach das Beste daraus zu machen. Schließlich ist der Winter ja noch lange nicht vorbei und ich habe noch einige Monate dieser sonnenlosen Monate vor mir. Ich werde mir einfach selbst mit einem Lebkuchenherz am Christkindlmarkt beschenken, sich selbst zu lieben ist schließlich auch gerade im Trend. Außerdem werde ich mich herzhaft am Christkindlmarkt mit Punsch betrinken und dem nervigen Pärchen am Nebentisch in den Glühwein spucken, wenn sie gerade mit schmusen beschäftigt sind. Und die Schokoerdbeeren kann ich auch ohne Reue essen, denn meine Winterpfunde interessieren niemanden. Es hat also doch etwas Positives im Winter Single zu sein, denn schließlich ist man auch nicht wirklich alleine, es gibt auch andere Leidensgenossene, nämlich die eigenen Freunde. Es gibt auch einen Lichtblick am Tunnel, denn auch der härteste und kälteste Winter ist einmal vorbei. Spätestens dann werde ich mit einem Cocktail in der Hand in einer Strandbar sitzen und wieder davon schwärmen, wie sehr ich mein Singleleben liebe. Bis dahin heißt es wohl durchhalten, Punsch trinken und mich selbst davon abhalten mich mit meiner Kuscheldecke zu ersticken. Cheers!

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