Was geschah am Freitag? Nice Comedy zum Bleistift! (c) Foto Credits: Alle Fotos vom Autor

Was geschah am Freitag? Nice Comedy zum Bleistift!

Ganz nach dem Motto: "Verstehen Sie Spaß?" war unser Redakteur am Freitag dort, wo die Menge brodelt und man vor Lachen weint - beim Comedy Friday! 

Man muss nicht überall dabei sein und kann sich entschließen dort anwesend zu sein, wo Integration tatsächlich passiert. Also ging ich am Freitag direkt ins Wirr zum Comedy Friday. In die Schnittstelle, wo Migranten und "Schwabos" (=Ösis, Schweizer, Deutsche) als kollektives Wolfsrudel die Stand Up-Comedy unseres Landes hochhalten. Nicht zu verwechseln mit der Kleinkunst und dem Kabarett. Letztere sind ur-österreichische Künste, die ihrer Zeit durchaus voraus waren, aber die in heutigen Tagen vielleicht mehr das Streben nach dem perfekten Theater-deutsch forcieren, eher selten „in the streets“ leben. Hader schafft manchmal den authentischen Spagat zwischen „Herr Karl“ und bobo, post Qualtinger. Bei der Stand Up-Comedy gibt es hingegen den Frame und die Illusion des American Dreams. Louis CK war mal Automechaniker, Dave Chappelle und die Def jam Connection kamen aus der Hood. Adult swim und IFC sind voll mit selfmade-Persönlichkeiten, die sich „from the bottom“ nach oben gearbeitet haben. Genauso gibt es auch Improvisations-Götter mit reichen Familien, sowie teurer, aber wertvoller Ausbildung und mehreren hundert Millionen Views auf sämtlichen Streamingdiensten wie z.B. Key and Peele.

Denn egal, ob du mit Papa-money beim Reinhard Seminar warst, um Sozialforschung aus den 50er Jahren in Iteration zu üben, oder aus einem libyschen Flüchtlingscamp kommst und den Genozid von Warlords überlebt hast, oder aus der Szene des vor Euphorie berstenden Improvisationstheaters kommst, oder schon im Alter von 10 Jahren in afrikanischen Minen wortwörtlich um the survival of the fittest gekämpft d.h. die härtesten Selektionsprozesse des Planeten durchgemacht hast, als wärst du aus einem goddamn netflix Film mit Idris Elba oder Madmax - nur 4real. Beim Stand Up hat jeder und jede Platz. Alles, was du benötigst, ist den Mut, um sich auf die Bühne zu stellen und eisernen Ehrgeiz aka Workethic, um sich durch die direkte Interaktion mit dem Publikum progressiv zu verbessern.

Nichts kann lehrreicher sein als sich vor einem Publikum als unlustig zu blamieren und zu failen („to bomb“) oder das Publikum ansatzlos mit Endorphinen aufgrund von Lachanfällen gnadenlos vollzupumpen bis sie mit leuchtenden Augen mehr wollen d.h. die Rückkoppelung der Crowd in Echtzeit aufzusaugen, während man die nächste Punchline im Hinterkopf munitioniert. In dieser ungefilterten, unmittelbaren Interaktion zwischen Publikum und Individuum sind diese Feldherren des Comedy-Abends die Meister zwischen Freud und Leid.

Und das lernen sie durch trial and error bis in die fucking genetische Sequenz hinein. Wie bei allem. Egal was.

Comedian, Kriminalbeamter, Software Engineer für neural networks, gefährlich schoafe Psychologinnen, Unternehmensberaterin oder Minenarbeiter. Trial and error zeigt dir dein Potenzial und gibt dir den Fokus, die Fitness and the Vision for the next Punchline. Wenn dem Individuum keine Chance gegeben wird oder wenn es diese nicht wahrnehmen will, dann wird kein Szenario aktiv durchgespielt und es kann auch kein Ergebnis außer Stagnation geben. No trial no error.

Die Teilnehmer des Comedy-Abends haben alle ihre Chance wahrgenommen und sie arbeiten jede Woche unermüdlich an ihren Sets, sie suchen neue Pitches, neue Storys, verwerfen und bauen aus.

Ich war ein paar mal als blutiger Amateur auf der Bühne des Comedy-Abends und konnte von den Meistern ein wenig lernen, aber diesmal wollte ich mich nur ins Publikum setzen um diese geballte, unaufhaltsame, nicht nur im Untergrund brodelnde und sich stetig hocharbeitende Entertainment-Maschinerie zu beobachten, um sie für euch ein wenig zu beschreiben.

Als erstes traf ich Aladdin, den ich am Längsten von der Bande kenne.

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Aladdin - macht gern Witze auf fremde Kosten.

Der Dude kam vor ca. 20 Jahren aus dem Irak über Umwege nach Wien und erhielt diesen Namen weil seine Eltern „Disney's Aladdin und die Wunderlampe“ gesehen haben; laut eigenen Aussagen. Er wurde auf einer Fachschule aufgenommen und hat diese abgeschlossen. Er schlug sich mit Gelegenheitsjobs als Bouncer und Call Center-Agent durch, bis er vor nicht allzu langer Zeit in Berlin auf eine entwickelte stand up Szene stieß und dort seine ersten Gehversuche als Comedian unternommen hat. Mittlerweile hat er seinen eigenen Stil entwickelt und spielt sich mit dem Publikum nach belieben zwischen Slapstick und Storytelling. Heute leaded er viele Comedy Events in Wien und hat schon mal den Sprung auf W24 (soon Puls4) geschafft. Zudem betreibt er eine rege Video Production. More to come. 

Soso ist der bisher erfolgreichste und erfahrenste des Rudels und das nicht ohne Grund. Er ist die Art von Typ, der eine chauvinistische Pointe in das Gesicht von schockierten Frauen schleudern kann, aber im selben Atemzug die Punchline mit perfekt exekutierten Nuancen rettet, sodass er alle weiblichen Lacher sowie eskalierende Schenkelklopfer auf seiner Seite hat. Scheißegal wie unrasiert ihre Achselhaare d.h. "ihre Vertiefungen zu Simone de Beauvoir und Donna Haraway" sind. Sogar extreme Feministinnen lachen sich dumm und deppat beim Soso. Born for Comedy. Er hat seine eigene Show auf W24, war bei Großformaten in Deutschland und hat Big Projects für die Zukunft. Try to stop him. It won't do shit.

Alex klar ist der Neueinsteiger und spricht 5 verschiedene Sprachen. Er übt Deutsch direkt auf der Bühne und tauscht sich spielend mit dem Publikum aus, schafft es verschiedene Begrifflichkeiten in neuen Sichtweisen und Kontext erscheinen zu lassen, bis wirklich durchdachte Pointen entstehen.

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Soso - der Rudelführer

DJ Raisor ist der stoische Pol des Abends. Er kennt den Takt und das Timing von DJ Gigs und wurde 2009 zum besten Hip Hop & RnB DJ Österreichs ausgezeichnet. Nun hinterlässt er seine fingerprints am comedy-mike like a smooth operator.

Unter dem Pseudonym Nikorrekt steht der junge Österreicher Niko Nagl seit Frühling 2017 als Comedian auf der Bühne. Er ist der Haus-Schwabo, der verbliebenes Adolf-Behavior schamlos zur Schau stellt und schafft es gekonnt, das ahnungslose Publikum mit schockierend schwarzem Humor zu überraschen.

John Smile ist die Maschine, die den ganzen Abend moderiert hat. Er ist ein österreichischer Comedian und Moderator, welcher mit seinem authentischen und scheulosen Auftreten das Publikum für sich gewinnt. Seine Karriere als Comedian begann er im Jahr 2016 als Initiator der ersten erfolgreichen Open Mic Eventreihe „Comedy Friday“ in Wien. Seitdem ist er von der österreichischen Comedy Szene kaum wegzudenken. Der aus dem Kongo stammende Komiker bringt an äußerst vielen Soloshows von bekannten Künstlern, wie Jack Nuri und Dari Boss seine individuelle Würze und Stimmung mit sich. All zu schwache Nerven sollte man als Zuschauer jedoch nicht haben, denn schwarzer Humor und gelegentlich etwas makabere Sprüche sind Smiles Hauptspezialitäten; ganz nach dem Motto: „True Story, kein Spaß!“ Frauenherzen schmachten vor sich hin, wenn sie John in Aktion sehen und Security's sind in Alarmbereitschaft, wenn er die Bühne betritt, denn man weiß nie wann es mit den Single Ladys durchgeht. Auch er ist natürlich auf W24 und hat laufend Projekte und Partys Szene übergreifend am Start.

Die Truppe ist nur ein Ausschnitt aus der heimischen Stand Up Szene, der auch einige Frauen angehören (noch zuwenig aber doch) und sie besteht zu einem großen Teil aus Migranten und Tschuxln, die hart arbeiten, um regelmäßig ihre Gigs zu bekommen.

Als alle ihren Auftritt beendet haben, sind wir dann noch in die Siebensterngasse gegangen, um beim sneak-in einen Live Gig zu sehen. Das Publikum beinhaltete mehr multi kulti-booty als UN-Konferenzen und mehr kreative Mode als sich Brüno jemals wünschen könnte. Sweet mother of baby jesus. Voller Euphorie lauschte man der Musik. Andersdenkende waren kein Übel sondern Part jedes dialektischen Diskurses. Liebe lag in der Luft. Integration funktioniert.

Vergessen war sie, die tribale Hysterie und die reaktionären Socialmedia-ripples innerhalb von künstlich provozierten trigger-competitions. Für einen Tag zumindest. 

Um die Spaltung und nationale Peinlichkeiten nachhaltig auszumerzen, müssen wir jeden Tag arbeiten. An Start-ups, an neuen Methoden der Kommunikations- und Informationsverarbeitung, an neuen Technologien und Wirtschaftszweigen, die wir uns selbst erkämpfen müssen, an Strategien und an verdammten Punchlines die Schichten übergreifend wirken. Nichts verbindet das Land so sehr wie a guader Schmäh von Afrikanern, die ihren Wiener Dialekt auspacken. War so, ist so.

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