Thanos - hart aber fair? (c)

Thanos - hart aber fair?

Ähm, wohl kaum. „Avengers-Endgame“ ist derzeit in aller Munde. Solltest du den Film immer noch nicht gesehen haben und möchtest nicht gespoilert werden, kannst du an dieser Stelle aufatmen, denn das wird nicht passieren. Solltest du aber aus unerklärlichen Gründen auch den vorigen Teil derReihe, „Infinity War“, auch noch nicht kennen und willst ebenfalls nichts verraten bekommen, so hast du jetzt ein für alle Mal die Chance, wegzuklicken. Sollte DAS allerdings auch kein Problem sein, kannst du gerne weiterlesen.

Kurze Zusammenfassung: Während bereits in beinah jedem Marvel Teil der letzten 10 Jahre ein versteckter Hinweis auf Thanos‘ Plan gegeben wurde, handelt „Infinity War“ zum ersten Mal zur Gänze davon. Grundsätzlich ist er davon überzeugt, dass sich die Zivilisation des gesamten Universums bald selbst zerstören wird, wenn die immer schneller steigende Überbevölkerung nicht gestoppt wird – logische Konsequenz daraus: mithilfe der sechs Infinity Steine die Hälfte aller Lebewesen mit einem Fingerschnipp auslöschen. Klingt doch plausibel, oder?

Okay, sind wir uns ehrlich: Nein, das tut es nicht. Mal abgesehen von der Tatsache, dass Thanos durch die Macht der Steine unendlich viele Möglichkeiten hätte, dieses Problem auf eine andere Art und Weise zu lösen – für einen Bösewicht wie ihn schickt sich ein Ausweg, mit dem allen geholfen wäre, wohl nicht. Übrigens, ein kleiner Hinweis am Rande: sein Name basiert auf der Figur„Thanatos“ aus der griechischen Mythologie, was so viel wie „Tod“ bedeutet. Zufall?

1797 veröffentlicht Thomas Robert Malthus seine Schrift „An Essay on the Principle of Population“. Wie Thanos geht er davon aus, dass bei einer immer schneller wachsenden Weltbevölkerung jegliche Ressourcen irgendwann komplett aufgebraucht sein werden. Ähnliche Visionen haben auch Anneund Paul Ehrlich 1968 in ihrem Buch „The Population Bomb“. Wie wir heute aber wissen, ließen sich beide Theorien nicht verifizieren.

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Malthus, Ehepaar Ehrlich und Thanos haben vor allem eines gemeinsam: Ihnen allen erschließen sich Grundsätze der Wirtschaft, sprich Ursprünge des materiellen Wohlstands nicht so richtig. Denn diese liegen eben NICHT dem Nullsummen-Prinzip (=was die eine Seite braucht geht auf der anderen verloren) zugrunde. Denn mehr Menschen auf der Welt bedeuten nicht allein mehr Mäuler, die nun zu stopfen sind. Sie bedeuten auch mehr Gehirne, die sich Neues ausdenken und mehr Hände, um dieses zu verwirklichen. Das wahre Problem war nie die Überbevölkerung an sich, sondern die fehlende Freiheit des Einzelnen, Wohlstand zu schaffen und zu behalten.

Thanos behauptet also, dass seine Welt bereits von Armut verwüstet wurde, was durch „simplen“Genozid hätte verhindert werden können. Habe ich bereits erwähnt, dass das schlicht und einfach Blödsinn ist? Dadurch, dass die Avengers in „Infinity War“ kaum stichhaltige Gegenargumente zu Thanos‘ Plan liefern, gibt es offensichtlich eine ganze Menge Leute, die der Meinung sind, dass er tatsächlich im Recht ist. Laut ihnen ist er in Wirklichkeit gar kein (durchgedrehter) Schurke, sondern ein tragischer Held, der seine moralischen Werte für das große Ganze opfert – siehe zahlreiche YouTube Videos und Blogs, die sich damit befassen.

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Mit einem Fingerschnipp die Hälfte aller Lebewesen auszulöschen mag zwar möglich sein, was er dabei aber nicht bedenkt sind die Folgeschäden, durch die es bei Weitem nicht bei dieser Zahl bleiben würde: Infrastrukturen würden mit einem Mal zusammenbrechen und in weiterer Folge die Nahrungsversorgung erheblich verkomplizieren. Ganz zu schweigen von der Massenpanik, die mit Sicherheit ausbrechen würde, und der Suizidrate, die aus Trauer über die Verluste erheblich ansteigen würde. Zu glauben, die „ultimative“ Hälfte zu vernichten, um das Gleichgewicht genau so beizubehalten, wie es zuvor bestanden hat, ist also noch sinnbefreiter als der Genozid selbst.

Was die Welt somit braucht, sind nicht weniger Menschen, um einen Kollaps zu verhindern, sondern noch mehr Freiheiten, Neues zu schaffen und ein immer höheres Maß an Wohlstand zu kreieren. Anstatt weiterhin seine üblen Pläne zu verfolgen sollte sich Thanos also lieber ein wenig Zeit nehmen, um eine Vorlesung über die Grundlagen der Wirtschaftswissenschaften zu besuchen.

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