TEIL 2: Don't try this at home und besser auch nirgendwo anders - wie ich nach der 36 Stunden Homeparty einen neuen Rekord aufstellte (c) Titelbild Credits: WARDA

TEIL 2: Don't try this at home und besser auch nirgendwo anders - wie ich nach der 36 Stunden Homeparty einen neuen Rekord aufstellte

Es war Sonntag, 5 Uhr morgens und ich lag derzeit bei einer Wachzeit von 45 Stunden, was irgendwie schon bedenklich war. Durch eine Aneinanderreihung von - meinerseits auch ein bisschen erzwungenen und erhofften - Zufällen sollte dazu führen, dass ich noch lange nicht fertig war. Aber lest selbst im zweiten Teil eines sehr, sehr dummen und unnötigen Rekordes...

Vorweg: Dieser Beitrag soll eine Warnung sein und keinesfalls zur Nachahmung animieren. Finger weg von legalen und illegalen Substanzen. Tut es für eure Gesundheit.

WARDA distanziert sich vom Inhalt und hat nichts mit den Machenschaften des Protagonisten zu tun.

Sonnenschein und über 25 Grad waren perfekt für ein Open Air. Dort trafen wir wieder auf andere Freundinnen, die zuvor am Life Ball gewesen waren und nachdem mich ein bisschen das Kuschelbedürfnis überrumpelte, kam das sehr gelegen für mich, weil ich erst vor kurzem mit einer der Damen was hatte. Trotz meiner Schlaflosigkeit war es mir noch möglich - ich bin selbst erstaunt darüber, welche Kraftreserven eine substanzinduzierte, übersteigerte Libido hervorholen kann - den Flirt zu eröffnen und bei ein paar Schnaps meine Lust auf Rumschmusen auszuleben. Die Zeit flog wieder dahin, was wahrscheinlich daran lag, dass ich den Zuckergehalt der Bonbons etwas unterschätzt hatte. Zudem bemerkte ich zusehends, wie mich das Zeug kognitiv immer mehr aushebelte. 

Als ich mit einem Freund kurz verschwand, um mich mit kolumbianischer Unterstützung wieder in das Hier und Jetzt zu holen, hatte ich beim Hinsetzen auf ein kleines Detail vergessen. Eine der Glasampullen für das Marschierpulver gab ich am Weg zum Volksgarten in meine Brieftasche und als ich Platz nahm – das war ein riesen Schock für mich – hörte ich Glas klirren. Somit hatte ich es geschafft, achtzig Euro in meiner Brieftasche zu verteilen und durch die kleinen Scherben war da keine Rettung mehr möglich - ich musste mein Portemonnaie deshalb nach dem Wochenende waschen, um nicht bei dem nächsten Flughafenbesuch unnötigerweise die Hunde anzulocken.

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Zum Glück war das nicht die einzige, übernatürliche Kraft spendende Spinatdose, die in meinen Hosentaschen lagerte – also schnell eine andere geöffnet, vertilgt und wieder zurück zur Frau, die plötzlich wieder quatschen wollte. Ernsthaft, reden? Während sie mir also meine Vorzüge aufzeigte und mir einige Gründe nannte, warum es cool wäre, mit mir was zu haben, schienen meine Reaktionen darauf kein Wohlwollen zu erzeugen. Sie begann langsam den Schwenk in eine ganz andere Richtung. „Aber es gibt auch viele Punkte, die ich scheiße an dir finde. Deine Überheblichkeit gerade zum Beispiel“Ups! - die Wirkung des Hustenbonbons verpuffte leider mit der Wiederaufnahme südamerikanischen Energiepuders – vom sanftmütigen Kerl zum hochnäsigen Arschloch, normal.

Auf diese Abfuhr reagierte ich vollkommen gelassen – das meine ich sogar einmal ernst - schnappte mir eine andere Freundin und lud sie ein, das Klo hier etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Wir waren beide natürlich ob des Kondomes, das da lag, derart schockiert, dass unsere Wangen knallrot anliefen - zum Glück hatte ich mein Puderdöschen dabei, damit wir das kaschieren konnten. Ego- push und kurz abschütteln, was gerade passiert ist. Wir gingen in den VIP- Bereich, um dort ein bisschen abseits der mittlerweile schon schmerzhaften Sonnenstrahlen abzutanzen.

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Über dem weißen Schuh sieht man besagtes Kondom

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Über die nächsten Stunden wechselte ich zwischen Bar, Tanzfläche und Toiletten hin und her, steigerte das Rauschgefühl immer weiter und während so die Zeit verflog, fiel mir ein, dass es da ja noch ein weiteres Versprechen gab, das ich einhalten musste – ich und meine beschissenen Versprechungen. Jetzt war ich bereits an einem Punkt, wo ich nicht mehr viel überlegte. Die Sperrstunde wurde verkündet, ich packte meinen Kram und wollte zuerst direkt auf das Event fahren – wegen meiner verstopften Nase konnte ich nichts mehr riechen, aber heimfahren und duschen wäre, so glaubte ich, angebracht; sicher ist sicher.

Ich entschloss mich für einen Zwischenstopp zu Hause und packte ein bisschen was ein, ehe ich mich in die U3 setzte. Ein breiter Weg nach Simmering und dann auch noch zwanzig Euro Eintritt – nachdem ich dieses Wochenende schon ca. 500 € ausgegeben hatte, war das auch noch zu verkraften.

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Ich bin erstaunt, dass mir nur ein Tippfehler unterlief

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Dieses Wochenende hatte ich ungefähr zehn Stunden damit verbracht, die Toilette aufzusuchen oder darin zu stehen – aber zum Glück mal nicht wegen einer beschissenen Magenverstimmung. So begann auch der Abend - es war zwar erst halb 5, aber gemessen an meinem gesamten Ausflug dürfte man dies wohl als Abend bezeichnen. Dort wollte ich ein bisschen was anderes, nachdem ich zwei Nächte größtenteils Skifahren war.

Nach ungefähr einem einstündigen Dahinvegetieren auf Tiermedizin wurde die Sonne endlich auch etwas schwächer und wir bewegten uns in Richtung Tanzparkett. Die erste Zeit klang die Musik wie auf den Afrikatagen, also richtig beschissen für ein Technofest. Als dann die Musik schön langsam wirklich nach meinem Geschmack war, ging es bereits auch schon auf das Ende zu - wahrscheinlich rannte eh nur wieder für mich die Zeit so schnell davon. 

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Als hätten der Bus und ich eine Vorahnung gehabt. Die Zahl erschien mir später noch einmal

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Rein in den Bus, weiter mit der U- Bahn und raus bei der Station Spittelau. In der Grellen Forelle gab es noch eine Afterparty, wo ich wirklich froh war, dass ich dorthin noch mitging – musikalisch bei weitem das Geilste des gesamten Wochenendes. Obwohl ich wusste, dass mein Körper schon komplett am Ende war, gab ich mit einer weiteren Ladung Zuckerl nochmals Vollgas – scheiße, war es da heiß drin.

Einige Stündchen tanzen, bis ich mich ein wenig hinsetzte. Es war ungefähr 5 Uhr morgens. Ich bin kurz weggenickt und wusste, dass es jetzt endgültig vorbei war. Zum Glück kamen gerade zwei meiner Freundinnen und packten mich ein, um mit dem Taxi heimzufahren. Als wir so im Taxi in Richtung hochersehntes Bettchen rauschten, las ich einige Nachrichten, die ich bekam und auch geschickt habe – „geh schlafen, *Name*!“ war die häufigste Floskel, die ich bekam - und das tat ich dann endlich auch. 

69 – da war sie wieder, diese Zahl. Neunundsechzig Stunden wach. Das bekam ich im Nachhinein von meinem Körper auch deutlich zu spüren. Ich wiederhole solch einen Wochenendtrip so schnell nicht wieder, aber rückblickend freu ich mich, dass ich es überlebt habe.

Macht das keinesfalls nach, denn euer Herz und eure Nase, euer Magen und eure Leber werden es euch danken. Ich bekam zwei Tage kaum Luft durch meine Nase, weil sie mit Blut verklebt war und sah die halbe Zeit Sternchen. Das, was aus meiner Blase kam, hatte die Farbe und Konsistenz von Multivitaminsaft. Also Finger weg!

Abschließend noch ein Song zur Auflockerung der Stimmung:

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