The Intimate Revolution (c)

The Intimate Revolution

Die Sex-Positive Bewegung hat Österreich erreicht. Was sich im ersten Moment wie eine Antithese aus dem Bilderbuch liest, ist längst kein Widerspruch mehr. Auch in Wien steigt die Nachfrage nach Events, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen.  

Das haben zwei junge Frauen, Dr. Jana Studnicka und Janina Vivianne, bereits früh erkannt. Beide sind in einige Projekte involviert, die sich mit dem Thema Sex-Positive auseinandersetzen. Neben Sex Aware, einem Verein zur Förderung von sexueller Gesundheit, ist eines davon die Website www.sex-positive.com, die zur Vernetzung von Mitgliedern und Interessierten des Sex-Positive Movements dienen soll. Janina Vivianne veranstaltet außerdem sogenannte Parallel Universe Parties, die bis dato aber noch in einem eher intimen Rahmen von ungefähr 80-100 Personen stattfinden. 

Das derzeit größte Vorhaben ist ein mehrtägiges Festival, das von Jana gegründet wurde: The Intimate Revolution ist eine Veranstaltung, bei der ein breit gefächertes Angebot zum Thema Sex Positive aufgestellt werden soll. Besonders für Menschen, die sich in der Szene noch nicht heimisch fühlen, die vielleicht auch erst ihre ersten Erfahrungen machen, soll The Intimate Revolution eine sichere Plattform bieten, um sich zu orientieren. Denn im Gegensatz zu anderen Events der Sex-Positive Community, die zumeist schon auf ein fortgeschrittenes, erfahrenes Publikum setzen, wird hier ein sanfter Einstieg in die Thematik möglich gemacht. 

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Nach einem erfolgreichen Start in Berlin möchten sie mit The Intimate Revolution nun auch in Wien durchstarten: Von 31. Oktober bis 3. November können Wiener*innen in die Welt von Tantra, Kink und Co. schnuppern. Wo Wien doch als eine vergleichsweise prüde Stadt gelten soll, stellt sich nun die Frage, ob das Festival auch hierzulande gut ankommt. Doch darüber machen sich die beiden wenig Sorgen. In schnelllebigen Zeiten von Großstädten und Digitalisierung sehnen sich die Menschen nach einer authentischen Intimität. Bei ihrer Veranstaltung werden Räume geschaffen, in denen man einfach „Ich“ sein kann, in denen man sich neu entdecken und eine scheinbar verlorengegangene Verbindung zu anderen spüren kann. Wienerinnen und Wiener machen da keine Ausnahme, wider ihrer Vorurteile seien auch sie mutig und bereit, Neues zu entdecken. Außerdem: Zahlen lügen nicht. Drei vorangehende Events, davon zwei Festivals, waren restlos ausverkauft, und auch die kommende Veranstaltung in Wien ist auf einem sehr guten Weg dahin. 

Anders als einige andere Sex-Positive Festivals wird The Intimate Revolution von jungen Frauen gestaltet, der Blickwinkel wird also ein wenig anders als sonst ausgerichtet sein. Neben Themen, die sich um Sex selbst drehen, werden auch andere Facetten der Intimität, wie etwa Beziehung und Vertrauen, beleuchtet. Das Stichwort „Achtsamkeit“ wird großgeschrieben, es steht nicht rein das Sexuelle im Fokus. Viel mehr geht es hier um das Entwickeln eines Bewusstseins der Kultur der Zwischenmenschlichkeit, die sich – derzeit noch überwiegend geprägt von sozialer Kälte – zu einer authentischen, wärmenden Atmosphäre entwickeln soll. „We want to end bad sex and loneliness“ ist ihr Motto. Außerdem findet am Samstag der Intimate Revolution eine von Janina Viviannes Parallel Universe Parties statt. Diese ist nicht nur für die Festivalgänger zugänglich: weitere 100 Tickets stehen Nicht-Teilnehmern zur Verfügung. 

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Ob Festivals wie diese in unserer Zeit überhaupt großen Anklang finden, könnte man sich fragen. Denn abgesehen von dem unleugbaren Abstumpfen des zwischenmenschlichen Kontakts, rühmt sich unsere Gesellschaft mit einer Offenheit, die scheinbar jegliche Form von Sexualität zu akzeptieren scheint. Gemäß dessen sollte eigentlich kein Bedarf mehr nach extra geschaffenen Räumen, in denen man seiner Lust ungehemmt nachgehen kann, herrschen. Denn selbst in unserer westlichen Welt des 21. Jahrhunderts wird Sexualität immer noch stigmatisiert, in manchen Fällen sogar unterdrückt. Wenn deren Gesellschaft auch an der Oberfläche als sex-positiv gelten mag, so steht ihre Substanz, ihre Wurzel, geprägt von alten Normen, der Offenheit nach wie vor kritisch gegenüber. Sex-negativ also, wenn man das so sagen möchte. 

Hier muss also noch immer viel getan werden. The Intimate Revolution ist ein Schritt in diese Richtung. Viva la Revolution! 

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