Videocity Basel x FLUCC Vienna present: Augen_Blick / eye_view - WARDA
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Events Wien: Videocity Basel x FLUCC Vienna present: Augen_Blick / eye_view
Mittwoch

25. Januar 2023

  • Beginn:20:00

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Videocity Basel x FLUCC Vienna present: Augen_Blick / eye_view

Fluc + Fluc Wanne

Praterstern 5, 1020 Wien

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Mit/With:
Yana Bachynska
Sergey Bratkov
Marina Dykukha
Olia Fedorova
Maksym Khodak
Mykola Ridnyi
Kuratiert von / Curated by
Andrea Domesle und/and Walter Seidl
Eröffnung / Opening: 20:00
DJ: 21:00: u&me4ever:
Stefan Geissler + Walter Seidl

//DEUTSCH:
Ob durch den Blick eines Gegenübers oder durch eine künstliche Linse – in der heutigen Welt vergeht kaum ein Moment, der bildlich nicht festgehalten wird. Die eingehenden visuellen Informationen, die wir erhalten, prägen unsere Weltanschauung. Diese wird unweigerlich von unseren subjektiven Erfahrungen und Überzeugungen determiniert. Seit der Antike hat das Sehen in erster Linie dazu geführt, Wirklichkeit zu generieren. Unser Verständnis von Sehen und dessen Beziehung zu unserem Sein ist durch die digitale Unmittelbarkeit und die Allgegenwärtigkeit von Technologie komplizierter geworden. Was früher im Leben vieler zur Frage führte, warum nicht wahrgenommen zu werden, führt heute zur Problematik, digital nicht dokumentiert zu werden. Das Gesehen-Werden hat im Zuge von Handys und deren Kameras, die allen ständig zur Verfügung stehen, sowie durch Überwachungsgeräte und digitale Medienplattformen eine völlig neue Bedeutung bekommen. Die Technologie hat nicht nur Bereiche unserer Existenz in physischer und digitaler Hinsicht erweitert, sondern auch ethische Probleme aufgeworfen. Vor allem stellt sich die Frage, ob das Einverständnis der Öffentlichkeit ad hoc existiert, und sich dies auch auf die Überwachung durch Kameras und externe Maßnahmen erstreckt bzw. ob solche Überwachungsszenarien überhaupt vertretbar sind? Der Themenabend Augen_Blick zeigt die vielfältigen „Big Brother“ Situationen, die auf subtile Weise in unserem physischen und digitalen Leben entstanden sind. Ein Entfliehen erscheint heutzutage auch vor einer „Big Sister“ Situation nicht mehr möglich.
Die gezeigten Arbeiten stammen von Künstler:innen aus der Ukraine und wurden 2022 beim Projekt Videocity (https://videocity.org) in Basel im öffentlichen Raum gezeigt, wo für das Thema Augen_Blick insgesamt an die 40 internationale Künstler*innen ausgewählt wurden.
 
Texte zu den künstlerischen Arbeiten:
Maksym Khodak, Flags of Propaganda, 2018, Video, 3´
Battleship Potemkin ist einer der bekanntesten Filme der Geschichte. In seinem Kern war er jedoch Propaganda der Bolschewiki. Goebbels bemerkte: „[Dies ist] ein wunderbarer Film, der im Kino seinesgleichen sucht. Jeder, der keine feste politische Überzeugung hat, könnte zum Bolschewisten werden, nachdem er den Film gesehen hat“. Das beweist einmal mehr, dass sich das Meisterwerk erfolgreich in einem bestimmten Trend etablieren kann. Selbst die schlimmsten Ideen können mit künstlerischen Mitteln propagiert werden. Der Höhepunkt des Films, der die vorherige These bestätigt, ist das Hissen einer roten Flagge über dem Deck des Schlachtschiffs. Aufgrund der Besonderheiten des Schwarz-Weiss-Kinos war es jedoch schwierig, die rote Farbe der Flagge zu zeigen. Deshalb beschloss Sergei Eisenstein, eine weisse Flagge zu nutzen. Anschliessend malte er, jedes Einzelbild des Films, wo eine Flagge dargestellt wurde, in Rot an. In meiner Arbeit wiederhole ich die Geste des Regisseurs, indem auch ich die Fahnen einfärbe, mit dem einzigen Unterschied, dass ich statt der Farbe der bolschewistischen Flagge die Farben der einflussreichsten Ideologien verwende, um die in der modernen ukrainischen Gesellschaft gekämpft wird.* – Maksym Khodak
Marina Dykukha, Big bro is fucked up watching you, 2014, Video 16´´
„Big bro is fucked up watching you“ arbeitet mit digitaler Verarbeitung, scannt Objekte in der Umgebung [innerhalb eines Radius von 5 Metern um die Projektionsfläche] und interpretiert die Bewegungsdaten in einer konzeptionellen Sichtweise. Die Aktion findet in Echtzeit statt. Das Bild eines Auges folgt den Besuchern, bis mehr als 5 Personen die Projektionsfläche durchqueren. Dadurch wird das Bild auf der Leinwand gestört und gerät ins Wanken. Die Installation ist eine Metapher für den Einfluss von Big Data und Algorithmen und die Art und Weise, wie sie das Verhalten der Menschen oder den Verlauf von Ereignissen steuern, und wie dies umgekehrt werden kann, wenn die Menschen das System, in dem sie leben möchten, gemeinsam definieren. Es ist eine visuelle Darstellung [die Projektionsfläche der Installation] der globalen Beziehung zwischen dem Individuum und dem System, in dem es lebt [der Installationsbildschirm mit einem beobachtenden Auge]. Wir können beobachten, wie das ungesunde System von den Menschen gehackt wird, die sich zusammenschliessen, um zu protestieren und „Nein“ zu denen zu sagen, die sich entscheiden, dem System die Macht zu nehmen. Das Projekt arbeitet mit der Idee der Erneuerung und des Paradigmenwechsels zwischen Kunst und Politik, einem Individuum und dem System. Es drängt erstere zu einer direkten Aktion und denkt das Feld der wechselseitigen Beeinflussung neu. Das Konzept bedient sich der Methode der Interaktion, bei der die Störung nicht zu einem gewöhnlichen Fehler, sondern zu einem bedeutenden Sieg über das System als Ganzes wird. Das Projekt entstand nach den Ereignissen des Euromaidan im Jahr 2014 in Kiew, der Ukraine. – Marina Dykukha
Mykola Ridnyi, Seacoast, 2008, Video 1´
*Diese, an einer Küste des Schwarzen Meeres gedrehte Videoarbeit, zeigt einen statischen Horizont, der mit den Figuren von Fischern übersät ist. Die ruhige Oberfläche des Bildes wird in regelmäßigen Abständen von Szenen mit Quallen unterbrochen, die auf dem Boden spritzen. Die wichtigste Assoziation ist das Geräusch von Bombenabwürfen, das mit Aufnahmen von Frequenzen eines Düsenflugzeugs erzeugt wird. Das Video vermittelt die Unbeständigkeit und Relativität der Ruhe, wie schnell und leicht militärische Aggressionen in der modernen Welt eskalieren können. Diese Arbeit entstand als Reaktion auf den Konflikt zwischen Georgien, Abchasien und Russland, der 6 Jahre vor dem Einmarsch in die Ukraine und der Annexion der Krim stattfand.* – Mykola Ridnyi
Olia Fedorova, Dry Fire, 2021, Video, 50´´
„Dry Fire“ also „Trockenes Feuer“ bedeutet beim Bogenschiessen, einen gespannten Bogen ohne Pfeil abzufeuern. Diese Praxis ist gefährlich, da die Energie, anstatt von einem Pfeil absorbiert zu werden, durch Schwingungen der Bogensehne und der Bogenglieder zerstreut wird, was zu erheblichen strukturellen Schäden am Bogen und zur Verletzung eines Schützen führen kann. – Olia Fedorova
Olia Fedorova, The Catch, 2017—2018, Video, 10´ 40´´
«…Er sah am Ufer zwei Boote, die von Fischern zurückgelassen wurden, die ihre Netze wuschen. Als er in eines der Boote stieg sagte er zu Simon: „Fahre raus ins tiefe Wasser und lass die Netze zum Fangen aus.“ Simon antwortete: „Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen“ Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, sodass sie fast untergingen. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: „Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder“ Denn er und alle seine Gefährten waren erstaunt über den Fischfang, den sie gemacht hatten. Da sagte Jesus zu Simon: „Fürchte dich nicht, von nun an wirst du Menschen fangen.“ Also zogen sie ihre Boote ans Ufer, ließen alles zurück und folgten ihm nach» (Lukas 5:1-11)
Sergey Bratkov, Architectural Measurements, 2018, Video, 4´ 9´´
Das kurze Video, das Sie gerade gesehen haben, wurde vor vier Jahren gedreht. Mein Bruder Yura, ein Architekt, vermisst die zerstörten Gebäude eines ehemaligen Kindersanatoriums in dem Dorf Led in einem Vorort von Charkow, wo er lebt. Heute zählt mein Bruder die Explosionen der Bomben vor dem Fenster seines Hauses. Er bewegt sich praktisch nicht. Er ist krank. Er ist 75 Jahre alt. – Sergey Bratkov
Yana Bachynska, I´m sick and tired of you, 2018, Video, 5´ 5´´
Riesige, für die Ewigkeit erbaute Monumente lasten auf meinem kleinen sterblichen Körper. Wir sind ungleich, es gibt die Geschichte, die für sie steht. Es gibt nur das tägliche Leben, das für mich steht und den Dialog zwischen uns unmöglich macht. Trotzdem werde ich versuchen, mit ihnen zu sprechen. Das Video wurde in Szczecin, Polen, gedreht. Es gab keine spezielle Auswahl der Denkmäler, denn es stellte sich heraus, dass sie meistens gleich sind: Eine naturgetreue, überlebensgroße Figur eines Mannes, der die Fußgänger*innen überragt. Die meisten der Denkmäler repräsentieren politische, militärische oder religiöse Macht. Auch die Denkmäler für Dichter wurden im gleichen Kanon der stolzen Männerfigur angefertigt, denn auch die Poesie kann zu einer Macht für die Autorität werden. – Yana Bachynska
 
// ENGLISH:
You are being watched. Whether by another´s gaze or an artificial lens, rarely a moment goes by uncaptured in today´s world. The visual information we receive profoundly shapes our worldviews yet is infallibly susceptible to our own subjective experiences and beliefs. Our understanding of sight and its relation to our beings has only been complicated by digital immediacy and the prevalence of technology. What was once a question of reality phrased in relation to not being seen, is now phrased in relation to not being documented, as being „seen“ has taken on a completely new meaning in the wake of personal cameras, surveillance devices and digital media platforms. Technology has not only duplicated the realms of our existence, the physical and the digital, but it has also proliferated questions of consent and ethics. Most profoundly, it has left us wondering whether the consent to being susceptible to the „public eye“ also extends to being subjected to CCTV cameras and other surveillance measures, and whether such surveillance measures are conscionable to begin with. „eye_view,“ the theme of the evening depicts the multifarious „Big Brother“ situations that have subtly emerged in our physical and digital lives. Getting away from this reality is also no longer possible with regard to a „Big Sister“ situation.
The presented works from Ukrainian artists were shown in 2022 in the framework of Videocity (https://videocity.org) in the public space in Basel. Within the eye_view project in Basel, a total of 40 international artists showed their works.

Texts on the artistic works:
Maksym Khodak, Flags of Propaganda, 2018, Video, 3´
Battleship Potemkin is one of the best-known films in history. However, in its essence, it was the propaganda of the Bolsheviks. One day Joseph Goebbels noticed this: „This is a great film. From a cinematic point of view, it is unsurpassed. Anyone who is uncertain in his convictions, after his review, may have become a Bolshevik. This once again proves that the masterpiece can be successfully established in a certain trend. Even the worst ideas can be propagated by artistic means. The climax of the film, which confirms the previous thesis, is the raising of a red flag over the deck of the battleship. However, recording such a frame was difficult, due to the specifics of black and white cinema. That’s why Sergei Eisenstein decided to shoot a white flag. For the premiere of, he painted each frame of the film with a flag in red. In my work, I repeat this gesture, colouring each frame with the flag, but with the only difference that instead of the Bolshevik flag, I use the colours of the flags of the most influential ideologies, the struggle of which is in the modern Ukrainian society. – Maksym Khodak
Marina Dykukha, Big bro is fucked up watching you, 2014, Video 16´´
Big bro is fucked up watching you is a video work based on an interactive installation, which operated using digital processing and by scanning objects in the vicinity [within a radius 5 metres of projection area] and interpreting the movement data into a conceptual point of view. The image of an eye followed the visitors until more than 5 people crossed the projection zone. This created disturbance and produced glitches in the image on the screen. The work is a metaphor for the influence of big data and algorithm holders, as well as for the way they direct people´s behaviour or the course of events and how this can be reversed if people would define the system in which they would like to live together. The projection zone of the installation was a visual representation of the global scene of the relationship between individual and the system in which they live [the installation screen with a watching eye], and we observed the unhealthy system being hacked by the people who came together to protest and say „no“ to those who chose to monopolise. Big bro is fucked up watching you works with the idea of renewal and game-changing paradigms between art and politics, the individual and the system by pushing the former towards a direct action, rethinking and reconsidering the two-way influence structure itself. The concept utilises the interaction method, where the glitch becomes not a regular error but a significant victory over the system as a whole. The project was created after the events of Euromaidan in 2014 in Kyiv, Ukraine. – Marina Dykukha
Mykola Ridnyi, Seacoast, 2008, Video, 1´
This video work was filmed on a coast of the Black Sea and shows a static horizon dotted with figures of fishermen. The calm surface of the image is periodically punctured by scenes of jellyfish splattering on the ground. The association with the sound of bombs dropping is achieved with recordings of frequencies produced by a jet plane. The video conveys the unsteadiness and relativity of calmness – how quickly and easily military aggression can escalate in the modern world. This work was made in response to the conflict between Georgia, Abkhazia and Russia that took place 6 years before the invasion of Ukraine and annexation of Crimea. – Mykola Ridnyi
Olia Fedorova, Dry Fire, 2021, Video, 50´´
In archery „dry fire“ means releasing a drawn bow without an arrow. This practice is dangerous, because the energy, instead of being absorbed by an arrow, is dissipated through the vibration of the bowstring and the bow limbs, which can lead to the significant structural damage to the bow and to the injury of an archer.* – Olia Fedorova
Olia Fedorova, The Catch, 2017—2018, Video, 10´ 40´´
«…He saw at the water’s edge two boats, left there by the fishermen, who were washing their nets. When got into one of the boats… He said to Simon, „Put out into deep water, and let down the nets for a catch.“ Simon answered, „Master, we’ve worked hard all night and haven’t caught anything. But because you say so, I will let down the nets.“ When they had done so, they caught such a large number of fish that their nets began to break. So they signaled their partners in the other boat to come and help them, and they came and filled both boats so full that they began to sink. When Simon Peter saw this, he fell at His knees and said, „Go away from me, Lord; I am a sinful man!“ for him and all his companions were astonished at the catch of fish they had taken… Then He said to Simon, „Don’t beafraid; from now on you will fish for people.“ So they pulled their boats up on shore, left everything and followed him…» (Luke 5:1-11)
Sergey Bratkov, Architectural Measurements, 2018, Video, 4´ 9´´
The short video was shot four years ago. My brother Yura, an architect, measures by steps the destroyed premises of a former children´s sanatorium in the village of Led in the suburbs of Kharkov, where he lives. Today, my brother counts the explosions of bombs outside the window of his house. He practically does not move. He´s sick. He´s 75. – Sergey Bratkov
Yana Bachynska, I´m sick and tired of you, 2018, Video, 5´ 5´´
Enormous eternal monuments weigh on my small mortal body. We are unequal, there is History that stands for them, and there is only everyday life that stands for me, and the dialogue between us is impossible. Still, I will try to talk to them. The video was made in Szczecin, Poland. There was no specific selection of the monuments because it turned out that mostly they are the same – a realistic figure of a man that towers over the pedestrians. Most of the monuments represent political, military, or religious power. The monuments for poets were also made in the same canon of a proud man figure because even poetry may become a power for authorities. – Yana Bachynska
Biografien der Künstler:innen/Biographies of the artists:
Artwork by Nina Vobruba

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