Wer Netflix nutzt, kam an einer Serie in den letzten Wochen nur schwer vorbei: DAHMER. Nicht umsonst, denn die Geschichte des Serienmörders Jeffrey Dahmer ist gleich aus mehreren Perspektiven derart extrem, dass sie ohne Pause zwischendurch kaum zu ertragen ist.
Sexueller Missbrauch, Mord, Nekrophilie, Kannibalismus – nur die wenigsten Menschen sind in der Lage, auch nur eine dieser Gräueltaten zu begehen. Der 1960 in Milwaukee geborene Jeffrey Lionel Dahmer hat jedoch nicht nur eines, sondern gleich eine Vielzahl dieser Verbrechen an mehreren Menschen begangen. Daher gilt er als einer der berühmtesten Serienmörder weltweit.
Über einen Zeitraum von rund 13 Jahren – zwischen 1978 und 1991 – streckten sich die Verbrechen Dahmers. Dabei lockte er insgesamt 17 Männer und Jungen, der jüngste davon erst 14 Jahre alt, in seine Wohnung, wo er sie betäubte, verstümmelte, tötete, sich an ihnen verging und anschließend Teile von ihnen verspeiste, bevor er sich ihrer entledigte.
Jeffrey Dahmer und Evan Peters: hotte Fiktion, hotte Realität?
Seine Biografie ist aber nicht der einzige Grund, warum das Interesse an der kürzlich erschienenen Netflix-Serie so groß ist. Vielmehr kursiert der Film in aller Munde, weil Dahmer – bzw. der ihn verkörpernd Schauspieler Evan Peters – als „hot“ angesehen wird. So teilen nicht wenige Zuseher*innen irrelevante Kommentare über ihn und sein Aussehen. Die Problematik dahinter: Damit tragen diese Menschen dazu bei, den Serienmörder und seine Verbrechen zu romantisieren. Ein Thema, das auch unter anderem auch in der Serie behandelt wird.
Doch dies passiert nicht erst seit dem Erscheinen der Serie. Ein zwei Jahre alter Reddit-Beitrag zeigt, wie sich einige User*innen über die Attraktivität des Serienmörders austauschen. Auch auf girslaskguys.com findet sich ein ähnlicher Thread, mit gleichem Resultat.
Sexualisierung von Gewalttäter:innen
Die Faszination für Serienmörder ist zwar beunruhigend, aber nicht neu. Auch als Zac Efron 2019 in der Verfilmung des Lebens von Ted Bundy die Hauptrolle besetze, fand man in den Kommentarspalten zahlreicher Medien immer wieder Äußerungen über das Aussehen des Schauspielers. Viel bedenklicher hingegen sind Kommentare wie „Ich würde ihn nicht von der Bettkante stoßen“ oder „Korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber Jeff Dahmer ist heiß“ unter den Original-Mugshots der Serienmörder.
Aus „Jeffrey Dahmer: Selbstporträt eines Serienmörders“ | © Netflix
Wenn man sich nämlich die 17 Morde vor Augen führt, die Dahmer auf die brutalste Art und Weise an jungen, größtenteils homosexuellen Männern begangen hat, gibt es eigentlich nur eine angebrachte Reaktion: Ekel. Auch in der Serie wurde die Romantisierung und Sexualisierung des Serienmörders thematisiert, als Dahmer Gefängnispost von „Fans“ erhielt, die ihm teilweise sogar Geld schickten. Doch woher kommt diese Faszination?
Verschiedene Studien bezeichnen dieses Phänomen als Angstlust. Ähnliche wie bei Horrorfilmen verspüren Menschen eine gewisse Lust, sich zu fürchten und sich der Illusion von Gefahr hinzugeben. Dabei steht das imaginierte Grauen im Zentrum – denn in der realen Welt würden sich wohl die wenigsten zu Dahmer hingezogen fühlen, wenn sie über die verstörenden Verbrechen Bescheid wüssten. Es geht also darum, Nervenkitzel zu erleben, mit der Gewissheit, dass einem nichts passiert.
Umgang mit People of Color (POC)
Viel schockierender als die extremen Taten erlebten viele Zuseher*innen der Serie den Umgang mit den Opfern Dahmers und deren Angehörigen. Diesen widmet die Serie zurecht auch viel Raum. Denn während man von Jeffrey Dahmer einfach nur angewidert ist, wird einem beim Umgang der Behörden mit den Opfern und den Familien der Opfer, die größtenteils PoC waren, einfach nur schlecht. Nicht nur einmal packt einen der Gedanke, dass die Mordserie bereits ein Ende gefunden hätte. Denn der Eindruck entsteht, dass der systematische Rassismus der Aufklärung im Weg stand.
Obwohl der Aspekt des Rassismus, des fehlenden Interesses der Polizei an den Verbrechen, sowie der Umgang mit den Opferfamilien nach der Verhaftung Dahmers in der Serie durchaus angemessene Behandlung findet, hagelt es Kritik für die Serie vonseiten der Opferfamilien. So meldete sich etwa Rita Isbell zu Wort. Deren Bruder Errol ermordete Dahmer im Alter von 19 Jahren. Die Darstellung bestimmter Szenen sei für ihre Familie retraumatisierend gewesen und sie hätte sich gewünscht, zumindest vorher gefragt zu werden.
Aber nicht nur das: Es wurden auch Stimmen laut, die behaupten, dass Netflix mit der Serie Profit aus dem Leid anderer generiert. Eine Lösung wäre gewesen, die Opferfamilien in das Projekt miteinzubeziehen und sie finanziell daran zu beteiligen. So hätte Netflix ihnen zumindest etwas zurückgeben können.
Fazit
Trotz vieler Kritik von vielen Seiten hat sich die Serie an die Spitze der Netflix-Charts gekämpft – und bleibt auch nicht völlig zu Unrecht weiterhin auf Platz Eins der Charts. Denn die Verfilmung von Dahmers Leben geht einem an die Nieren und regt definitiv zum Nachdenken an. Auch die schauspielerische Leistung verzückt – nicht nur jene von Evan Peters. Vor allem der cineastische Auftritt von Niecy Nash, die seine Nachbarin Glenda spielt, ist hervorzuheben. Aber auch Rodney Burford, der das gehörlose Mordopfer Tony Hughes verkörpert, sowie Shaun J. Brown, der als Tracy Edwards das einzige entkommene Opfer von Dahmer spielt, gehen unter die Haut.
Titelbild © Netflix
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