Manche Produkte braucht die Welt nicht wirklich. Aber sie sind trotzdem da. Ist okay. Das stört niemanden. Doch Geileszeug und deren Erklärvideos gehen einen Schritt weiter. Das Produkt selbst hat bereits einen etwas faden Beigeschmack. Mit den Videos aber treten die Hersteller in einige Fettnäpfchen und machen auch noch gesundheitsschädliche Empfehlungen.
„Geileszeug ist ein Aromaschnupfpulver, das dich so richtig erfrischt und pusht.“, heißt es in den FAQ auf der Homepage. Das Rezept bleibt geheim, genauso auch die Inhaltsstoffe. Koffein scheint keines in Geileszeug zu sein, aber mehr verraten die Hersteller nicht. „In Geileszeug sind Aromen und Stoffe aus der Natur enthalten, die die Aromawirkung tragen und verstärken. Das genaue Rezept bleibt aber unser gut gehütetes Geheimnis.“
Bis hier hin hat das Produkt noch mehr oder weniger seine Existenzberechtigung. Es bleibt ja jedem selbst überlassen, es zu kaufen oder eben nicht. 1g kostet aktuell rund 10 € – wenigstens unterscheidet es sich im Preis von diversen illegalen Substanzen. Die Videos jedoch lassen eine gewisse Zweideutigkeit in der Interpretation zu. Soll nicht heißen, dass die Hersteller diese beabsichtigen.
Doch gerade bei einem Produkt, dass durch die Nase konsumiert wird, sollte eine gewisse Distanz gewahrt sein. Stattdessen erklären die Videos von Geileszeug, wie diese zu konsumieren ist – mit erstaunlichen Parallelen zu Kokain und anderen illegalen Substanzen, die durch die Nase zu konsumieren sind. Und dabei machen sie auch noch gesundheitsschädliche Vorschläge. So raten sie beispielsweise zu einem zusammengerollten Geldschein, sollte man kein Ziehröhrchen zur Hand haben. Alles andere als Safer Use.
Fettnäpfchen über Fettnäpfchen
Neben dem Geldschein-Fauxpas und den Videos gibt es noch weitere Schmankerl auf der Website. Die FAQs strotzen nur so vor provokanten Antworten. Auf die Frage, ob es denn Bedenken bezüglich der Gesundheit gäbe, folgt: „Am besten fragst du vor dem ersten Näschen bitte deinen Arzt / deine Ärztin. Dabei kannst du ihm/ihr dann gleich auch eine Line anbieten“.
Des Weiteren gibt es im gesamten Bestellprozess keine Altersabfrage – auf Instagram hat die Produktseite zumindest einen „ab 18“-Verweis. Geileszeug ist mit Sicherheit keine Einstiegsdroge, doch können solche Berührungspunkte und Spielereien Folgen haben. Denn durch das Vermitteln einer gewissen „Coolness“ des Ziehens suggeriert das Produkt mit seiner Werbung auch einen vermeintlich erstrebenswerten Lifestyle, der für gewöhnlich mit Kokain assoziiert wird. Somit könnten Jugendliche in die Denkweise rutschen, dass Ziehen etwas „Cooles“ wäre. Der Jugendschutz sollte immer beachtet werden und steht ja auch beim Rauchen, dem Glücksspiel oder bei Alkohol ganz weit oben – dieser Verantwortung entzieht sich Geileszeug oder ignoriert sie zumindest.
Marketinggag oder Grenzüberschreitung?
Dass Menschen gewisse Dinge tun, auch im illegalen Bereich, lässt sich nie zu hundert Prozent vermeiden. Aufklärung ist im Fall von illegalen Substanzen sogar wichtig, um schwerwiegende Folgen vorab zu reduzieren – auch wir schreiben immer wieder über heikle Themen wie die speziellen Folgen von Drogenkonsum bei Frauen. Aber mit einem äußerst sensiblen Thema auf diese Weise zu spielen, um sein eigenes Produkt zu bewerben, grenzt entweder an Verantwortungslosigkeit oder Unwissenheit.
Ganz egal, welches der beiden nun der Grund für einen solche Produktpräsentation ist, die Website strotzt vor Provokationen, die fehlenden Informationen zum Produkt lassen zu viele Fragen offen und die Werbung ist anstößig und unpassend. Für ein reines Schmunzeln gehen die Hersteller einen Schritt zu weit und führen unüberlegt an ein weiteres Produkt heran, das die Welt nicht braucht.
Netter Sidefact: Gaston Glock Junior ist mit einem Anteil von 55% Gesellschafter bei GAPA GmbH, dem Unternehmen hinter Geileszeug.
Titelbild © Screenshot Youtube Geileszeug
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