Der 26. Oktober ist nicht nur der österreichische Nationalfeiertag, sondern auch der Intersex Awareness Day. Bei intersexuellen bzw. intergeschlechtlichen Personen handelt es sich um Menschen, denen nicht eindeutig weibliche oder männliche Geschlechtsmerkmale zugeordnet werden können. Aufgrund der gesellschaftlichen Stigmatisierung werden Intersexuelle meist nach der Geburt operiert – ohne deren Einverständnis.
Intersexualität versus Transsexualität
Man würde meinen, die Gesellschaft sei mittlerweile zumindest in Europa so liberal, dass alles außerhalb der „Norm“ Akzeptanz erfährt. Doch nur wenige wissen, was Intersexualität bedeutet und setzen dies mit Transgender und Transsexualität gleich.
Während sich Transgender nicht mit ihrem zugewiesenen Geschlecht identifizieren können bzw. dessen Kategorisierung ablehnen, werden Transsexuelle aus biologischer Sicht eindeutig definiert, fühlen sich jedoch dem anderen Geschlecht zugehörig.
Deshalb werden Intersexuelle oftmals als transsexuell diagnostiziert. Der Unterschied besteht allerdings darin, dass Intersexualität mittels einer Chromosomenanalyse festgestellt werden kann. Nicht selten wechseln Menschen ihr Geschlecht und gelten demnach als transsexuell, obwohl die Chromosomenanalyse ihnen sowieso das andere binäre Geschlecht zugewiesen hätte.
Was bedeutet Intersexualität?
Bei der Entwicklung des Embryos kann es zu Abweichungen kommen. Dadurch ist das Kind nicht als eindeutig weiblich oder männlich kategorisierbar. Im Grunde besitzen Intersexuelle die biologischen Anlagen für beide Geschlechter. Dabei kann es z. B. vorkommen, dass „männliche“ Babys Anlagen zur Brustentwicklung haben. Oder „weibliche“ Personen zwar nach außen hin aussehen wie eine Frau, ihnen allerdings Gebärmutter und Eierstöcke fehlen.
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Zwangsoperationen
Noch in den 60ern und 70ern wurden intersexuelle Menschen kurz nach der Geburt operiert und erhielten eine Hormonbehandlung. Heute dürfen Eltern im Zweifel darüber entscheiden. Nicht selten merken Betroffene im Laufe ihres Lebens, dass sie sich einem anderen Geschlecht zugehörig fühlen.
Da Neugeborene oder Kinder nicht (wirksam) in die Operation einwilligen können, widerspricht sie dem Recht auf körperliche Unversehrtheit. Außerdem sind derartige Eingriffe aus medizinischer Sicht nicht notwendig und werden nur aus soziologischen Gründen vorgenommen.
Vielmehr soll intergeschlechtlichen Personen die Wahlmöglichkeit bleiben, mit welchem Geschlecht sie sich am ehesten identifizieren können. Daher gibt es die Forderung, beim Geschlechtseintrag „inter“ bzw. „divers“ wählen zu dürfen.
Intergeschlechtlichkeit in Österreich
Am 15. Juni 2018 hat der österreichisches Verfassungsgerichtshof die Intersexualität anerkannt. Ein dritter Geschlechtseintrag ist seit Mai 2019 mit der Bezeichnung „divers“ möglich. Da es verschiedene Ausformungen der Intersexualität gibt bzw. diese oft gar nicht als solche erkannt wird, kann die Zahl der Betroffenen nur geschätzt werden.
Die Zahlen in den Statistiken schwanken zwischen 0,018% und 1,7% weltweit. Obwohl nur ein sehr geringer Anteil der Bevölkerung als intersexuell gilt, ist der Leidensdruck für intergeschlechtliche Personen besonders groß.
Die Intersexualität verdient mehr Aufmerksamkeit
In der WDR-Doku „Männlich oder weiblich? Das dritte Geschlecht“ berichten drei Betroffene von ihrem Kampf gegen Mobbing, Vorurteile der Gesellschaft und die Ärzteschaft. Denn noch immer verstümmeln ÄrztInnen Kinder aus kosmetischen Gründen, ohne ihnen die Wahlmöglichkeit zu lassen.
Die Entscheidung liegt zwar mittlerweile bei den Eltern bzw. Erziehungsberechtigten, allerdings sind diese aufgrund mangelhafter medizinischer Fachkenntnisse meist überfordert. Der Intersex Awarenessday soll deshalb Bewusstsein innerhalb der Bevölkerung schaffen um endlich mit der Stigmatisierung der Intergeschlechtlichkeit zu brechen.
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