Tummeln sich eine Vielzahl an Männern mit gut oder auch eher weniger gutsitzenden Bärten auf der Straße, so weiß man, der „Movember“ steht ins Haus. Doch wieso man gerade im November jeden Jahres über den einen oder anderen Francois mit seinem spärlichen Möchtegern Schnauzbart stolpert, hat tatsächlich andere Gründe als einen der en masse existierenden Instagram Trends.
Der 19. November – Internationaler Männertag
Dieser Tag markiert jedes Jahr den internationalen Männertag (nicht zu Verwechseln mit dem am 03. November stattfindenden Weltmännertag), das Äquivalent zum Weltfrauentag. Auf den ersten Blick wie ein etwas unsinniges Ereignis klingend, verbirgt sich hinter diesem Anlass jedoch eine wichtige Botschaft, die einige Ziele mit sich bringt.
Im Vordergrund steht die Gesundheit des Mannes, geknüpft an die Tatsache, Männer müssten stets die stärkere, zäheren und weniger anfälligeren Individuen in unserer doch stark kategorisierten Gesellschaft sein. Und sich auch dementsprechend hart wie Stahl verhalten. Das ist übrigens nicht nur auf physische Leistung á la „Jeder Mann muss Bäume ausreißen und mit bloßen Händen Tonnen an Beton zerschlagen können“ bezogen, sondern vor allem stark an in der Gesellschaft verankerte emotionale Aspekte wie „ein echter Mann weint nie“ geknüpft.
Der internationale Männertag soll somit Stereotypen entgegenwirken, sowie auch der Tatsache, die Rolle des Mannes nicht weniger zu würdigen, als jene der Frau.
Vor allem in sozialen Bereichen wie Familienrecht oder in bereits angesprochenen Gesundheitssituation soll die Rolle des Mannes mehr gefördert und sozialer Stigmatisierung entgegengewirkt werden. Denn so sehr auf der einen Seite der Medaille stark für Frauenrechte gekämpft wird, ist diese Waage aka gesellschaftliche Gleichberechtigung nicht im gewünschten Lot, wenn nicht auch für die entsprechende Förderung von Männern und ihrem emotionalen und körperlichen Wohlbefinden auch entsprechende Schritte eingeleitet werden.
M steht für Movember
Egal ob mit einem vollen oder eher einem Fleckenteppich ähnelnden Bart- der Movember macht beide Varianten und alles Dazwischenliegende wieder salonfähig. Was anfangs als ein fast schon dümmlicher Trend wirkte und zum Unwohlwollen einiger weiblicher Genossinnen praktiziert wurde, hat einen viel tiefergehenden Grund. Man mag es kaum glauben, aber so hat die Movember Bewegung aus den Anfängen der 2000er Jahre den tatsächlichen Sinn, auf männliches Leiden aufmerksam zu machen.
Aufgrund der in vielen menschlichen Köpfen verfestigten Bilder, wahre Männer dürften weder weinen noch großartige Emotion zeigen, fressen viele Betroffene ihre entsprechenden Gefühlslagen mit einer Bestimmtheit und Schnelligkeit in sich hinein, wie man es sonst nur vom dicken Kind kennt, das unbeirrbar Chicken Nuggets in sich schaufelt. Kann nur schiefgehen, möge man an dieser Stelle denken. Was sich auch, zumindest in den Suizidzahlen, eindeutig widerspiegelt.
Vor allem nur Männer betreffende Krankheiten wie Prostata- oder Hodenkrebs treiben viele in einen Zustand der emotionalen Verschlossenheit, welche gepaart mit männlichem Stolz und der eigentlichen Angst vor der Krankheit selbst ein dunkles Potpourri an emotionalem Ballast ergibt.
Die Geschichte dahinter
Wie alle brillanten Vorhaben begannt auch dieses bei einem Bier zwischen zwei Australiern. Travis Garone und Luke Slattery wollten im Jahre 2003 vorerst nur den Schnauzer wieder salonfähig machen. Sie starteten die Movember Challenge, die sich bereits im kommenden Jahr in einem enorm erfolgreichen Ausmaß entwickelt hatte.
Alle dabei gesammelten Spenden wurden an die Prostate Cancer Foundation of Australia weitergeleitet. So hat sich dieses Vorhaben von einem Projekt in knappe 1250 von der Movember Foundation geführte Projekte entwickelt. Durch virtuelle Möglichkeiten des Zusammenkommens von Teilnehmern, Challenges, online Shaves und anderen Aktivitäten verbreitet sich Movember noch schneller, um Spenden für Männer zu sammeln, die sich in gesundheitlich kompromittierenden Lebenslagen befinden und schwer um Hilfe von Außen bitten können.
Stereotypisierung is a thing
Was sich daraus ableiten und mitnehmen lässt, ist wohl die geschlechterunabhängige Schaffung von einem Bewusstsein für Probleme, die einen selbst nicht direkt betreffen.
Eine aus einer Perspektive X betrachtete vollkommene Banalität kann aus einer Perspektive Y den Weltuntergang darstellen, was man niemals vergessen darf.
Bewegungen wie der Movember symbolisieren klar, dass gesellschaftliche Stereotypisierungen in beide Richtungen funktioniert und ein zweischneidiges Schwert ist, welchem es entgegenzuwirken gilt.
Titelbild Credits: Shutterstock
DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN
Blackout in Österreich: seid ihr gerüstet?
Der Blackout ist wohl gerade das Thema. Dafür zu sorgen, dass man zwei Wochen ohne Strom auskommen könnte, ist vielleicht eine Überlegung wert. Wie genau das geht? Ein Buch erklärt.
Liebeskummer, Trennungsschmerz und Broken-Heart-Syndrom
Egal, ob man sich aktiv aus einer narzisstischen Beziehung verabschiedet oder von einem geliebten Partner, einer geliebten Partnerin verlassen wird. […]
Warum die Oscars niemanden mehr interessieren!
Die Academy-Awards 2024, anyone? Wir haben sechs Gründe gefunden, warum die Oscarverleihung niemanden mehr interessiert.
Tinder aktiviert Videofunktion: Spaßfaktor garantiert?
Mit einem etwas aufgeregtem Gefühl bestätigte ich die Erlaubnis dazu, dass die Videofunktion nun gestartet werden kann. Noch nie zuvor […]
WIENER STYLE-Session – part 3
Aufgrund des Erfolges unserer ersten Wiener Style-Sessions haben wir uns erneut eine Kamera geschnappt und uns in Wien weiter umgesehen.
Toxische Beziehungen: Wieviel Kraft darf eine Beziehung kosten?
Eine Beziehung zu führen, besteht aus einem Nehmen und Geben. Manchmal gibt der eine mehr, manchmal der andere. Doch was, […]








