Im Zeitalter der Digitalisierung werden NutzerInnen auf sozialen Plattformen immer jünger. Während manche Eltern penibel darauf achten, ihre Kinder vor den Gefahren des Internets zu bewahren, setzen andere ihre Schützlinge online gekonnt in Szene. Kinderrechte? Ein Fremdwort.
Ein amerikanisches Influencer-Pärchen sorgte kürzlich für große Aufregung: Myka und James Stauffer betreiben einen Youtube-Kanal mit fast 700.000 Abonnenten. Das zentrale Thema des Accounts sind die Kinder, welche unzensiert im Zentrum des Geschehens stehen. Vom Essen, Stillen, Schlafen bis hin zum Baden der Kleinkinder wird alles dokumentiert und für alle ZuseherInnen veröffentlicht.
Zweifellos können die minderjährigen „Hauptprotagonisten“ nicht selbst entscheiden, ob sie in der Öffentlichkeit stehen wollen. Sie verstehen vermutlich nicht einmal, weshalb ihnen in jeder Situation und zu jeder Tageszeit die Kamera ins Gesicht gehalten wird.
Rückgaberecht bei der Adoption?
Bekannt wurden die Stauffers vor allem durch die Adoption des chinesischen Kleinkindes Huxley, welcher an einer Behinderung und Autismus leidet. Jedoch wurden in den zuletzt veröffentlichten Videos nicht mehr fünf, sondern nur noch vier Kinder gezeigt. Der Grund: Die Familie trennte sich von ihrem Adoptivsohn, nachdem er online lange Zeit als Attraktion für hunderttausende Menschen fungierte.
Die Eltern gaben bekannt, dass ihnen die Verantwortung zu groß wurde und sie seinen medizinischen Bedürfnissen nicht gerecht werden konnten. Obwohl sich die Stauffers bewusst für ein behindertes Kind entschieden und auch betonten, dieses mit allen körperlichen Beeinträchtigungen zu lieben, war es eher ein Mittel zum Zweck. Huxley wurde in den vulnerabelsten Momenten seines Lebens gefilmt und im Netz entblößt.
Children with disabilities are NOT disposable. No parent knows the extent of their child’s potential disabilities beforehand, and it is their duty to love, care, empower and protect them. Adoption does not have a return policy. #HuxleyStaufferhttps://t.co/FTbDavKSZ0
— Able South Carolina (@Able_SC) May 30, 2020
Privatsphäre und Kinderpornos
Können Eltern wirklich uneingeschränkt darüber entscheiden, ob ihre unmündigen Kinder online zur Schau gestellt werden? Warum ist Kinderarbeit verboten, dem Verdienst mit Kindervideos hingegen keine Schranke gesetzt? In diesen Fällen geht es allerdings nicht bloß um die Privatsphäre der Minderjährigen, sondern auch um potentielle Gefahren. Nicht nur Fotos von Erwachsenen werden ohne Zustimmung für Pornowebsites missbraucht, sondern auch Kinderfotos.
Sobald das Gesicht eines Minderjährigen klar erkenntlich ist – also unzensiert – haben Straftäter ein leichtes Spiel. Viele NutzerInnen gehen leichtsinnig mit persönlichen Daten um, weswegen es oftmals keine große Kunst darstellt, den Wohnort der Betroffenen herauszufinden. Häufig posten Minderjährige selbst Filmmaterial auf sozialen Kanälen.
Auf Youtube veranstalten Minderjährige regelmäßig Livestreams und erhalten von anonymen Usern Aufforderungen, sich explizit zu zeigen. Youtube versucht dieser Problematik schrittweise entgegenzuwirken, wie z.B. mittels Deaktivierung der Kommentarfunktion unter Kindervideos.
Dein Kind auch nicht
Die Initiative unter dem Hashtag #deinKindauchnicht weist auf das Recht auf Privatsphäre von Kindern hin. Auf dieser Plattform imitieren Models typische Babyfotos, welche von Eltern auf Social Media gepostet werden – ohne einen Gedanken daran, ob sich das Kind eventuell später für diese Fotos schämen könnte.
„Ich werfe nicht allen Eltern bewusstes, fahrlässiges Verhalten vor, aber genau das ist das Problem. Oft fehlt es an Medienkompetenz und Weitsicht, was achtlos gepostete Bilder der eigenen Kinder anrichten oder wozu sie missbraucht werden können.“, so die Medienexpertin Toyah Diebel.
Do you post photos of your children on social media? Here's a project to make parents stop and think.
You wouldn't post a picture of yourself like that, so don't post a photo of your child like that. What do you think of this concept? #DeinKindauchnicht https://t.co/H5w2BFFGaV pic.twitter.com/DKRTkHSC6P— Learning Family Basel (@LearnFmlyBasel) April 3, 2019
Das Zuhause sollte eigentlich ein Schutzort und kein Glashaus für Kinder sein. Wo sollen sich Minderjährige noch sicher fühlen, wenn jeder x-beliebige Mensch in deren Privatsphäre eingreifen kann? Das Datenschutzrecht gilt universell für jede Altersgruppe und nicht nur für Erwachsene.
Während wir uns vor teils nervtötenden Datenschutzmaßnahmen kaum retten können, explodiert die Kinderpornoindustrie im Darknet. Das Internet ist definitiv kein „safe space“, jedoch können zumindest Eltern eingreifen und ihre Kinder weitegehend vor Gefahren schützen, anstatt diese zu provozieren.
Titelbild Credits: Shutterstock
DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN
Untreue und der Trieb nach mehr: liegt Fremdgehen in den Genen?
Hieß es Anfang des Jahres 2000 noch so charmant einfach nur „It wasn‘t me“, wenn man beim Seitensprung erwischt wurde, […]
Kleinanzeigen-Konversationen, die man gelesen haben muss
Jaja, wer kennt das nicht, man will auf sein neues Fahrrad sparen, doch das Konto gönnt dir nur einen Tretroller. […]
Coole Straße, coole Aktion - Stadt Wien erhöht weiterhin die Lebensqualität
Sommer in der Stadt – einerseits denkt man dabei an laue Abende am Donaukanal, Outdoor Raves und Abkühlungen an der alten Donau. Andererseits aber auch an glühenden Asphalt, unerträgliche Hitze und daraus resultierend die nervenaufreibende Unfähigkeit, auch nur einen Finger zu rühren – das könnte sonst zum nächsten unerwünschten Schweißausbruch führen. Die Raves und anderen Partygelegenheiten werden heuer wohl coronabedingt in abgespeckter Version, wenn überhaupt, zustande kommen. Für Erfrischung und angenehme Atmosphäre tagsüber sollen währenddessen die Coolen Straßen der Stadt Wien sorgen.
Fuckboy – warum manche Frauen lieber zuhören als schimpfen sollten
Knapp vor dem Ende der besten Dekade meines Lebens wurde ich persönlich ein paar Mal mit einem Wort konfrontiert, das mir bisher nur beiläufig ein Begriff war, mir dann aber nach einer kurzen Google- Recherche ziemlich sauer aufstieß. Fuckboy – eine Bezeichnung, die meines Erachtens viel zu leichtfertig verwendet und von manchen Frauen zudem als Entschuldigung für ihr fehlendes Hinhören missbraucht wird.
Der Flow-Zustand: Maximale Zufriedenheit und Leistung
Im Flow-Zustand bist du glücklicher, konzentrierter und kreativer. Hier erfährst du, wie du diesen Zustand erreichen kannst.
Der Herr der Ringe Amazon-Serie: die schlechteste oder teuerste Serie aller Zeiten?
Lange hat man darauf gewartet. Nun ist die heiß erwartete und von vielen auch ersehnte Amazon-Serie endlich da. Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht. Und was man jetzt tun sollte ist folgendes: diese Serie einfach ungesehen an sich vorbeiziehen lassen. Denn alles was diese Serie ist, ist teuer. Sonst nichts.








