Seit November 2025 liegt im Finanzministerium ein Entwurf für ein neues Glücksspielgesetz, der das heimische Monopol erstmals seit Jahrzehnten ernsthaft infrage stellt. Das geltende Gesetz stammt im Kern aus 1989. Bis Ende September 2027 laufen die Konzessionen für Lotterien und Online-Glücksspiel aus, die Casino-Lizenzen folgen Ende desselben Jahres. Bis dahin muss eine Entscheidung stehen. Sie fällt in ein Feld, in dem der Staat die Kontrolle längst verloren hat. Der Streit dreht sich nicht um Lotto oder die Spielbank in Baden, sondern um das Geschäft im Netz.
Das Monopol gerät unter Druck
Der österreichische Glücksspielmarkt ist nach einer im Februar 2026 von news.at zitierten Markteinschätzung rund 2, 3 Milliarden Euro schwer. Schätzungen zufolge entfallen 70 Prozent davon auf illegale Anbieter. Für Verbraucher ist der Markt undurchsichtig. Wer bei seriösen Anbietern auf klassische Glücksspielangebote wie Online-Spielautomaten zurückgreifen will, sollte sich auf transparenten Vergleichsportalen wie casino.at informieren, die jeden Anbieter im Vorfeld genau prüfen.
Ein staatliches Glücksspielmonopol gibt es in der EU sonst nur noch in Polen.
Finanzminister Markus Marterbauer wollte das Monopol zunächst halten und gegen illegale Seiten mit Zahlungssperren, Domainsperren und höheren Strafen vorgehen. Bis Ende Mai 2026 galt die Öffnung des Online-Marktes in der Branche dann als beschlossen, über die konkreten Bedingungen wird weiter gestritten. Der Staatsrechtler Christian Piska von der Universität Wien hält ein Monopol bei einem illegalen Anteil von 70 Prozent für rechtlich kaum haltbar. Der Marktforscher Andreas Kreutzer argumentiert in dieselbe Richtung: Ein restriktives Monopol schütze die Spieler nicht, es treibe sie aus der Regulierung heraus.
Überschreitet der Staat seine Grenzen?
Wer Glücksspiel vom Standpunkt der Marktfreiheit betrachtet, kommt zu einem anderen Schluss als die Suchtprävention. Aus libertärer Sicht ist die Entscheidung, eigenes Geld an einem Automaten zu setzen, Sache des mündigen Erwachsenen und nicht des Gesetzgebers. Ein Monopol erscheint in dieser Logik nicht als Schutz, sondern als staatlich gesicherte Pfründe, die den Wettbewerb ausschaltet. Vertreter dieser Position verweisen darauf, dass die Abschottung den Schwarzmarkt erst groß gemacht hat. Ein Verbot senkt die Nachfrage nicht, sondern verschiebt sie dorthin, wo niemand mehr hinsieht. Statt behördlicher Aufsicht setzen sie auf Eigenverantwortung, auf offengelegte Auszahlungsquoten und auf den Wettbewerb seriöser Anbieter, der schwache Angebote von selbst verdränge.
Die Reibung dazu bleibt bestehen. Die Kosten problematischen Spielens treffen nicht allein die Spieler. Sie reichen bis zu Angehörigen, Sozialsystemen und Arbeitgebern, und eine reine Marktlogik beantwortet nicht, wer dafür aufkommt. An dieser Stelle endet die libertäre Erzählung, und die alte Frage steht wieder im Raum.
Gesperrt in der Spielbank, weiter am Telefon
Den deutlichsten Riss im bestehenden System zeigt eine simple Lücke. Wer sich in einer Casinos-Austria-Spielbank sperren lässt, kann anschließend bei zugelassenen Anbietern weiterspielen. Rechtlich sind das getrennte Unternehmen, deren Sperrdaten nicht miteinander verbunden sind. Ein zentraler Sperrverbund, in den jede Sperre einfließt und der zuverlässig für alle Anbieter gilt, fehlt online bis heute.
Beim sogenannten kleinen Glücksspiel funktioniert ein solcher Verbund in einzelnen Bundesländern längst. Für den Online-Bereich wehrte sich die Casinos Austria Gruppe lange mit Verweis auf den Datenschutz. Marterbauers Entwurf sieht nun vor, Online-Angebote denselben Schutzregeln zu unterwerfen wie terrestrische Automaten, etwa einer begrenzten Spieldauer und einem altersabhängigen Verlustlimit. Ob das genügt, ist offen. Der Wiener Rechtsanwalt Walter Schwartz hält Zahlungs- und IP-Sperren für ein Spiel, das der Staat nicht gewinnen kann, weil ein geblockter Anbieter unter neuer Adresse sofort wieder auftaucht.
Der deutsche Weg als Warnung
Deutschland hat den Markt schon geöffnet und liefert die unbequeme Vergleichsgröße. Dort gilt seit dem Glücksspielstaatsvertrag von 2021 ein bundesweites Sperrsystem, dazu strenge Einsatz- und Einzahlungsgrenzen sowie eine erzwungene Pause zwischen den einzelnen Spins. Der Schutz auf dem Papier ist also erheblich.
Das legale Angebot wurde damit zugleich so unattraktiv, dass nach Piskas Einschätzung 80 Prozent der deutschen Spieler auf illegale Plattformen ausweichen. Genau dieses Ergebnis wollen die österreichischen Befürworter einer Öffnung vermeiden. Ihr Argument: Schutz wirkt nur dort, wo Spieler überhaupt erfasst werden. Ein Limit, das niemand einhalten muss, weil dasselbe Spiel zwei Klicks weiter unreguliert weiterläuft, schützt am Ende niemanden.
Mehrere Konzerne bringen sich in Stellung
Mit der Novelle werden die Lizenzen für rund fünfzehn Jahre vergeben, und das weckt Interesse weit über den bisherigen Inhaber hinaus. Neben der Casinos Austria AG arbeitet die Brightstar Group an einem Konsortium mit der Post und dem Kurier-Medienhaus, vor allem mit Blick auf die Lotterienkonzession. Auch der französische Anbieter Française des Jeux gilt als möglicher Bewerber. Die Izi Group aus Malta bringt sich für die Casinostandorte, das Online-Geschäft und das Automatenspiel in Position. Die Gauselmann-Gruppe mit ihrer Marke Merkur hat der Casag erst vor gut einem Jahr zehn Spielbanken in Niedersachsen abgenommen und würde diesen Schritt in
Österreich gern wiederholen. Swiss Casinos wiederum interessiert sich für den ertragreichen Standort Bregenz. Wer von ihnen zum Zug kommt, hängt unmittelbar davon ab, wie streng das neue Regelwerk ausfällt.
Welcher Weg gewählt wird, entscheidet keine Suchtpräventionsstelle. Es entscheidet vielmehr, welches Angebot auf dem Bildschirm näher liegt.
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