Arbeitslosenzahlung sorgt für Aufreger – ein paradoxes Phänomen
Die Kommentare verwundern nicht, obwohl diese für einen sozial denkenden Menschen mehr Aufreger sein sollten als die Verlängerung der Corona-Aufstockung für Arbeitslose. Denn, wenn es um Migranten oder Arbeitslose geht, wird locker drauflosgepöbelt. Ein wiederkehrendes Phänomen: Statt für mehr Leistungen zu plädieren, die allen zukommen, wird jenen die Hilfe abgesprochen, die sie dringend brauchen – mit mehr als fragwürdigen Kommentaren. Eine Gegenüberstellung der Kosten für die Einmalzahlung mit Dividenden von Aktionären zeigt jedoch, wie kurzsichtig diese Kommentare sind.
Unter dem Zeit im Bild-Posting auf Facebook häufen sich wieder einmal die negativen Kommentare. Zwischen Langzeitarbeitslosen und Corona-Arbeitslosen zu unterscheiden, findet sich als Wunsch in vielen Kommentaren. Dabei liegt der Fokus aber wieder einmal auf den völlig Falschen.

Laut Statista gab es im September rund 67.000 offene Stellen, die den Arbeitslosenzahlen von 367.000 gegenübergestellt schnell zeigen, wie viele Menschen sich wirklich in aktuter Not befinden.
Absurd in der Debatte erscheint auch, dass „der kleine Mann“ häufig die vermeintlich erbrachten Leistungen der Reichen nicht angreifen möchte – siehe Erbschaftssteuer und Vermögenssteuer. Stellt man jedoch allein die Zahlen der Dividenden den Sozialausgaben gegenüber, sind die Aufreger gegen Arbeitslose absolut lächerlich.
Dieser Kommentar sorgte bei mir zumindest für einen Lacher:
Förderung für Arbeitslose versus Dividenden für Aktionäre
Als Dividenden in Millionenhöhe trotz Förderungen des Staates an diverse Aktionäre flossen, wurde dem nicht mehr Gewicht in den sozialen Medien gegeben als der Verlängerung der Förderungen für Arbeitslose. Auch im Beispiel der AUA und den 150 Millionen ohne Sicherung der Arbeitsplätze ebbte die Empörung schnell ab.
Stellt man die Beträge gegenüber, wirkt jener für Arbeitslose beinahe lächerlich. Immerhin machte die letzte Einmalzahlung nur 198 Millionen Euro. Davon gehen über den Wirtschaftskreislauf geschätzt 31 Millionen Euro durch Umsatzsteuer zurück an den Staat.
Demgegenüber schütten Unternehmen wie Andritz, MAN, Novomatic, KTM, Swarowski und viele weitere an ihre Aktionäre Dividenen in Milliardenhöhe aus. Und das trotz Förderung der Kurzarbeit.
Nur um sicher zu gehen, das sind 1.000 Millionen – also mindestens 5 Mal so viel, wie die Einmalzahlung. MAN allein zahlt mit einer halben Milliarde mehr als doppelt so viel wie der Staat mit der Einmalzahlung. Weiters kündigen die Unternehmen zahlreiche Mitarbeiter trotz Förderung durch den Staat.
Eine fehlgeleiteten Gesellschaft
Statt Mitgefühl der Neid – das ist ein Produkt unserer vom Kapitalismus herbeigeführten Leistungsgesellschaft. In einem Sozialsystem wie Österreich müssen sich zum Glück nur sehr wenige Sorgen um ihre Existenz machen, doch wenn den Schwächsten geholfen wird, beginnt das paradoxe Phänomen.
Statt die Unternehmen zu verteufeln, die zum Teil auch zahlreiche Arbeitslose zu verschulden haben, gehen die Menschen in ihrer Unzufriedenheit auf die Schwächeren.
Es steht außer Frage, dass der versprochene Corona-Tausender längst überfällig ist und auch die hart arbeitenden Menschen mehr Geld verdient haben. Das ist jedoch eine andere Baustelle. Denn der Kampf für mehr Lohn bedeutet nicht, dass der Kampf für soziale Gerechtigkeit und Absicherung automatisch aufgegeben werden muss.
Profiteure dieser Krise sind klar jene, die bereits genug haben. Diese scheinen aber dem Blickfeld der Gesellschaft gänzlich zu entgehen. Denn das Geld, das den Kleinen abgeht, bündelt sich bei den Großen. Der Nachteil hierbei ist, dass dieses Geld selten in den Wirtschaftskreislauf zurückgeht. Da fangen wir noch gar nicht mit dem Aktienhandel an, der weitaus komplexer gestrickt ist – hier wird nicht existentes Geld „gesammelt“, vereinfacht ausgedrückt. Vielleicht erinnert sich die/der ein oder andere noch an die Wirtschaftskrise.
Wer war daran Schuld? Sicher nicht die Arbeitslosen!
Titelbild Credits: Shutterstock
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