Die Ramen-Kette Ippudo bietet kostenlose Nudel-Nachfüllungen für alle, die vergangenen Sonntag ihre Stimme abgegeben haben. Grund dafür ist die weit verbreitete Sorge, um eine besorgniserregend geringe Wahlbeteiligung der desillusionierten Jugend des Landes.
Ältere Bevölkerung von der Politik bevorzugt
Vor allem jüngere Japaner:innen beschweren sich regelmäßig darüber, dass die japanische Politik – in Form ihrer Politiker:innen – nur daran interessiert ist, die große Gruppe älterer Wähler:innen des Landes anzusprechen. Klar, in einer von Überalterung gezeichneten Gesellschaft sind es natürlich die Älteren, die einen Wahlausgang entscheiden. Folgerichtig wird bei dieser Klientel-Politik auf die jüngeren Generationen komplett vergessen. Veranschaulicht wird dieses Ignorieren der Jungen durch die geringe Zahl jüngerer Abgeordneter in beiden Kammern des Parlaments.Dieses Verhalten der Parteien quittieren die potenziellen Jungwähler:innen mit dem zu erwartenden politischen Desinteresse. Fazit: eine erschreckend geringe Wahlbeteiligung jüngerer Wähler:innen.
Das Kunden-Denken der japanischen Politik
„Politiker:innen betrachten ältere Menschen aufgrund der hohen Wahlbeteiligung als wichtige Kunden, denen sie Stimmen abgewinnen können“, erklärt Hiroshi Yoshida, Professor für die Ökonomie des Alterns an der Tohoku-Universität, gegenüber dem Guardian. „Auf der anderen Seite sind junge Leute wie Gelegenheitskunden, also weniger wichtig … Daher werden die von älteren Menschen bevorzugten Belange unweigerlich priorisiert.“
Ramen-Kette Ippudo mit Wahlanreiz für junge Wähler:innen
Um diese abtrünnigen Jungwähler:innen (wieder oder überhaupt zum ersten Mal) vor die Wahlurnen zu locken, hat sich die Ramen-Kette Ippudo etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Die 50, von Ippudo betriebenen Ramen-Läden im ganzen Land, bieten zwei Wochen lang – vom Wahltag bis zum 24. Juli – kostenlose Nachfüllungen ihrer Ramen Nudeln an. Und das unbegrenzt! Um in den Genuss dieses Angebots zu bekommen, muss man nur nachweisen, dass man gewählt hat. Dieser special Deal soll für Menschen, die für gewöhnlich nicht wählen gehen, ein Anreiz sein, ihre Stimme abzugeben. Bei dieser Form der Anreizgebung handelt es sich natürlich um das bekannte Phänomen Nudging.
Wahlbeteiligung der Jüngeren konstant niedrig
Und es wäre gut, wenn sich diesbezüglich etwas ändert, denn die Wahlbeteiligung unter den jüngeren Wähler:innen ist in Japan konstant niedrig. Und trotz dieses Angebots von Ippudo glauben nur wenige daran, dass diese Wahl eine Ausnahme sein wird. Bei den Unterhaus-Wahlen im vergangenen Oktober gaben laut dem japanischen Innenministerium nur 36 Prozent der über 20-Jährigen ihre Stimme ab. Eine Beteiligung, die diese Bevölkerungsgruppe zu der politisch am wenigsten engagierten Gruppe macht. Die Wahlbeteiligung der Japaner:innen in den Zwanzigern ist in den letzten drei Jahrzehnten konstant unter 50 Prozent geblieben.
Nichtwählen schadet vor allem denen, die nicht wählen
Mit diesem Verhalten beißt sich die Katze leider selbst in den Schwanz. Denn mit dem Fernbleiben der Wahlkabinen schaden die jungen Wähler:innen vor allem sich selbst und ihrer eigenen Zukunft. Und für diesen Schaden gibt es sogar konkrete Berechnungen. Laut Hiroshi Yoshida, Professor für Ökonomie des Alterns an der Tohoku-Universität, verlieren diese Nichtwähler:innen um die 78.000 Yen (575 US-Dollar) pro Jahr für jeden Rückgang der Wahlbeteiligung junger Menschen um 1 %. Auch wenn man zurecht frustriert ist und sich von der Politik im Stich gelassen fühlt, bleibt Nichtwählen dennoch keine Option, um etwas zu verändern.
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