Seitdem der Afroamerikaner George Perry Floyd am 25. Mai 2020 in Minneapolis von einem Polizisten getötet wurde, demonstrieren Menschen weltweit gegen Rassismus und Polizeigewalt. Im Zuge der Black Lives Matter Bewegung setzen sich auch viele Menschen in den Sozialen Medien gegen Rassismus ein. Das aber leider nicht immer auf eine gute Weise.
BloggerInnen, Privatpersonen und Unternehmen demonstrierten online ihre Solidarität. Einigen weißen InfluencerInnen ist dabei ein Fehler unterlaufen. Um zu zeigen, dass Rassismus völlig unbegründet und der einzige Unterschied zwischen einer weißen und einer Schwarzen Person die Hautfarbe ist, posteten sie Fotos von sich mit schwarz geschminktem Gesicht. Wo hier ein Fehler passiert ist? Wenn weiße Menschen ihre Haut schwarz anmalen oder sich als Schwarze Person verkleiden, nennt man das Blackfacing. Und Blackfacing ist eine rassistische Handlung.
WARUM IST BLACKFACING RASSISTISCH?
Um zu verstehen, warum Blackfacing rassistisch ist, sollte ein Blick auf die Geschichte geworfen werden. Ein im 18. Und 19. Jahrhundert beliebtes Unterhaltungsformat in den USA waren die sogenannten Minstrel Shows. Weiße SchauspielerInnen malten sich das Gesicht schwarz an und stellten schwarze Menschen stereotypisch dar, um das weiße Publikum zu belustigen.
Schwarze Menschen wurden als stets fröhliche, singende und zugleich naive, faule und dumme SklavInnen oder Hausangestellte dargestellt, die ihre Besitzer trotz harter Arbeit lieben. Das Leben der SklavInnen wurde romantisiert. Die wohl bekannteste Figur war Jim Crow, verkörpert vom Schauspieler Thomas D. Rice.

Credits: Rogers Park West Ridge Historical Society
GUT GEMEINT MUSS NICHT GUT GEMACHT SEIN
Nun ist es ein Unterschied, ob Blackfacing absichtlich verwendet wird, um Schwarze Menschen stereotypisch darzustellen, oder um sich für #BlackLivesMatter einzusetzen – oder? Naja. In ihrem Hörbuch „Exit Racism“ sagt Tupoka Ogette passend dazu: „Gut gemeint muss nicht gut gemacht sein. Die Wirkung einer Aussage oder einer Handlung ist ausschlaggebend dafür, ob etwas rassistisch ist oder nicht. Wenn ich dir mit meinem Auto über den Fuß rolle und diesen dann verletze, verändert sich der Grad deiner Fußverletzung dann dadurch, ob ich es bewusst oder unbewusst gemacht habe? Sicherlich nicht.“
„Ich habe es nicht so gemeint“ ändert also die Wirkung, den Schmerz, den eine Handlung bei betroffenen Personen auslösen kann, nicht. Das trifft wohl auch auf das Posting von MissNici zu. Natürlich wollte sie keine böse, schon gar keine rassistische Tat begehen.
Sie wollte sich mit ihrem Posting gegen Rassismus einsetzen, das merkte man an der Bildunterschrift. Jedoch schützt Unwissen nicht immer. Vor allem als Person der Öffentlichkeit oder als Unternehmen hat man eine Vorbildfunktion und damit die Aufgabe, sich ausreichend mit einer Thematik und ihren Do’s und Don’ts zu beschäftigen.
Letztlich sind Fehler menschlich und können jedem einmal passieren. Passiert ein Missgeschick, diskriminiert oder verletzt man mit einem Posting Menschen, gilt es sich aber öffentlich zu entschuldigen und den Fehler zu beheben. Auch dem aktuellen kanadischen Premierminister Trudeau ist dieser Fehler im Jahr 2001 unterlaufen, für den er sich im Nachhinein aber öffentlich entschuldigte. Dazu sagte er: „Es war etwas, von dem ich damals nicht dachte, dass es rassistisch wäre, aber jetzt erkenne ich, dass es etwas Rassistisches war.“
Im Fall von MissNici passierte dies jedoch nicht. Obwohl sie in den Kommentaren mehrmals, auch von Schwarzen Personen, darauf hingewiesen wurde, dass das Foto unangebracht ist, löschte sie es bis heute nicht.

ETHNISCHE MERKMALE SIND KEINE VERKLEIDUNG
Weiße Menschen, die sich zu Fasching als Schwarze verkleiden, argumentieren gerne, dass sie keine Rassisten sind und es genauso in Ordnung fänden, wenn sich Schwarze Menschen als weiße verkleiden. Dieser Vergleich hinkt jedoch.
Denn in Europa und auch in Amerika besteht eine weiße Mehrheitsgesellschaft, die rassistisch sozialisiert ist. Während den wenigsten weißen Menschen ihre Hautfarbe Probleme bereitet, leiden Schwarze Menschen vielerorts an Ausschließung, Unterdrückung und psychischer oder physischer Gewalt.
Äußerliche Merkmale, die auf eine Ethnie hinweisen, sollte man außerdem generell nicht als Verkleidung ansehen. Denn weiße Menschen können ihre Perücke abnehmen, die Schminke von ihrem Gesicht waschen und zurück in ihren von Rassismus befreiten Alltag kehren. Von Rassismus betroffene Menschen können das aber nicht tun.
Titelbild Credits: Shutterstock
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