Mag sein, dass Tinder für schnelle Sex-Dates ganz „hilfreich“ ist. Wenn man allerdings auf der Suche nach echten Gesprächen mit interessantem Inhalt und nicht nach anmaßendem Gerede ist, dann ist diese Dating-Plattform vermutlich die falsche Adresse. Hier kommt die neue App Blindlee ins Spiel.
Wieso ist Tinder so unglaublich oberflächlich? Wieso kommt es kaum zu wirklich interessanten Konversationen, sondern meist nur zu schäbigem Smalltalk der im Nullkommanichts plötzlich ins Sexuelle umspringt? Von „Hey, wie geht’s?“ zu „Bin zwar kein Magier, aber in der Kiste zerleg’ ich dich trotzdem.“ – nice, danke. Und selbst wenn man sich dazu entschließt, ein Tinder-Match mal face to face kennenzulernen, kann es durchaus passieren, dass man denjenigen in der vereinbarten Location nicht finden kann, weil die Realität sogar nicht den online gestellten Bildern entspricht.
Gefühlt das 3567ste „Sixpack“ Bild gesehen, 567 Mal die Körpergröße in der Caption gelesen, 67 stündliche, abgegriffene Anmachsprüche, die für Augenrollen sorgen, gekonnt ignoriert. Da muss einfach eine abwechslungsreiche Alternative her. Die Dating-App „Blindlee“, die im Oktober 2019 gelaunched wurde, hört sich vielversprechend hier schon mal zu Beginn sehr vielversprechend an.

Blindlee als abwechslungsreiche Alternative
Und genau das wollten zwei Freunde aus London ändern. Sacha Nasans Cousine beziehungsweise Glenn Kellers Schwester, war der Auslöser für die Gründung der nun in 29 Ländern und 138 Städten lancierten Dating-App „Blindlee“. Diese glaubte nämlich einst, ihren Märchenprinzen auf Tinder gefunden zu haben. Tatsächlich aber, war ihre vermeintlicher Prince Charming in Wirklichkeit 15 Jahre älter und sah komplett anders aus.
Genau dieses Date initiierte die Idee der Briten, die kurz darauf beschlossen, eine völlig andere Art von Online-Dating auf den Markt zu bringen, um solche erniedrigenden Enttäuschungen zu vermeiden. Boom – Blindlee war geboren.
Die Kontrolle – in der Hand der Frau
Blindlee setzt auf ein relativ simples, aber doch im Vergleich zu anderen Dating-Apps, ausgefallenes Konzept. Man wird aufgrund einfacher Kriterien, wie Alter oder Ort durch Zufallsprinzip gematched. Darauf folgt ein dreiminütiger „Blurred-Call“, also ein Videoanruf, bei dem beide Gesprächspartner einen Filter über ihrem Gesicht haben, der sie unscharf macht.
Der Call startet mit 100 % Verschwommenheit, die Frau hat hierbei die Kontrolle über den Blurr-Filter und kann ihn im Laufe des Gesprächs auf 75 %, 50 %, 25 % oder sogar 0 % reduzieren, falls ihr gefällt, was sie zu hören bekommt.
Die Dating-App „Bumble“ beispielsweise, verfolgt eine ähnliche Parole: Der erste Schritt muss von der Frau gemacht werden. Das hat einerseits den Hintergrund, dass Frauen vor sogenannten „Dick Pics“ geschützt werden sollen und andererseits, weil Männer dazu tendieren, sofort den Filter auf 0 % umzuschalten – damit sich die Männer jetzt nicht diskriminiert fühlen, sie haben das bereits im Vorhinein getestet. Das Einverständnis des Gegenübers muss für die Reduktion der Verschwommenheit außerdem gegeben sein!
Ice-Breaker als Hilfe zum Gesprächseinstieg
Während des Calls werden, um das Ganze etwas spannender zu gestalten, sogenannte „Ice-Breaker“, also Gesprächsthemen vorgeschlagen, die die Unterhaltung ein bisschen auflockern sollen. Wenn der dreiminütige Call dann zu Ende ist und beide sich für ein Match entscheiden, wird im Chat weitergeschrieben, ein Date ausgemacht und was sonst noch so folgt.

Blindlee ist auf jeden Fall eine abwechslungsreiche Alternative zu Tinder und bringt frischen Wind in die Online-Dating-Welt. Try it out!
Doch ein kleiner Funken Kritik darf natürlich nicht fehlen. Denn in Sachen Gender Diversity könnte die App noch etwas nachrüsten. Beim Versuch, als Mann mit einem Mann zu matchen, wurden ca. 20 Anrufe getätigt, wovon aber – wenn einmal jemand abgehoben hat – keiner verbinden konnte. Hier „bugt“ das Programm sozusagen. Außerdem konnten wir so nicht herausfinden, wer die Kontrolle im Videotelefonat bekommt, nachdem eigentlich Frauen die Kontrolle über den Blurr-Filter haben.
Titelbild Credits: Shutterstock
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