Sind die Zeiten der Vanilla Girls und Barbies vobei? Die britische Pop-Queen Charli XCX läutet mit ihrem Album einen neuen Sommer-Trend ein. Was es mit dem sogenannten „Brat-Girl“-Trend auf sich hat, erfährst du in diesem Artikel.
Charli XCX: Album führt zu Trend
Anfang Juni veröffentlichte die Musikerin Charli XCX ihr siebentes Album „brat“ und läutete einen neuen Trend ein. Ihr Hyperpop-Album – das im schlichten Neon-Grün erstrahlt und eher unspektakulär daherkommt, sich der poppigen Ästhetik dabei jedoch bewusst verweigert, scheint der Soundtrack eines gesamten Lifestyles zu werden.
Was die Sängerin auf ihrem neuen Album propagiert ist die Abkehr der uns allen bekannten Archetypen des Vanilla Girl oder der Barbie. Eine Verweigerung der gängigen Schönheitsideale. Während sich viele schick machen und viel Zeit und Geld in ihr Aussehen investieren, gibt das sogenannte „Brat-Girl“ einen F*** auf diesen Bull**** und wirft sich in Strumpfhosen mit Laufmaschen.
Abends schminkt sie sich nicht mehr ab und pfeift auf ihren BH. Der Brat-Girl-Look sieht dabei immer so aus, als käme die so zurechtgemachte Frau gerade von einer durchzechten Nacht und kümmere sich bewusst nicht um die sichtbaren Zeichen der nächtlichen Eskapaden und Ekstasen.
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Brat-Girl-Trend: Indie Sleaze + Vermarktung
Wer jetzt vorschnell von Revolution für die Weiblichkeit spricht, der oder die sei daran erinnert, dass diese Brat-Ästhetik nicht wirklich neu ist. Von Charli XCX aber natürlich recht innovativ vermarktet wird, klar.
Der Brat-Girl-Look erinnert nämlich recht stark and das Phänomen des „Indie Sleaze“. Zugegeben, war diese Ästhetik in Europa vielleicht nicht so sehr bekannt. Doch war dieser Stil ein Zeichen der „wilden Nullerjahre“.
Avril Lavigne, Amy Winehouse, Lindsay Lohan oder auch das Topmodell Kate Moss, pflegten zu ihren Glanzzeiten nämlich genau diesen Ich-gebe-einen-Scheiß-auf-Konventionen-Look und kultivierten eine Mir-doch-egal-was-ihr-von-mir-denkt-Haltung.
Charli XCX führt diesen Ansatz nur fort, entdeckt diesen neu und weiß auch, wie man ihn richtig vermarktet – mit T-Shirts, Trinkflaschen in Neon-Grün mit dem Schriftzug „Brat“ und Schlüsselanhängern aus dem eigenen Shop.
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Brat-Girl-Trend: ein Aufschrei!
Dennoch ist dieser Brat-Girl-Trend als eine Abkehr zur erzwungenen Sanftheit und konservativen Inszenierung des Vanilla Girls zu deuten. Darüber hinaus konterkariert der Brat-Look auch den Barbie-pinken-Vibe des vom Barbie-Film losgetretenen Girly-Wahns.
Das „Brat-Girl“ ist „ein Mädchen, das ein bisschen chaotisch ist und gerne feiert und vielleicht manchmal dumme Dinge sagt. Sie ist ehrlich, direkt und ein bisschen unberechenbar“, erklärt Charli XCX dem Guardian gegenüber ihr Konzept.
Die Message
Und so seicht diese Message auch erscheint, desto wichtiger sind im Grunde die Dynamiken dahinter. Denn in Charli XCX finden wir jemanden, die, auf ihrem Album zumindest, gegen Hochglanz und Perfektion antritt, der Angepasstheit und Vorhersehbarkeit den Finger zeigt und vorbehaltlos einen fatalistischen Hedonismus zelebriert.
Inmitten all der Ängste, zwischen Klimawandel, Inflation, Arbeitsdruck und vielem, vielem mehr ist dieser Ansatz eine geradezu befreiende Hinwendung zum Moment. Aber auch zu der Größe, der kompromisslosen Auslebung seiner Stimmung nicht mit Scham zu begegnen, sondern die Spuren der Nacht wie ein Abzeichen zu tragen.
Brat-Girl
Statt vanilla-cream-farbener Couture braucht man für den Brat-Look im Grunde nur „eine Packung Zigaretten, ein BIC-Feuerzeug und ein weißes Trägertop ohne BH“, erläutert Charli XCX in einem BBC-Podcast. Billiger ist ein Outfit vermutlich nicht zu haben und vor allem in harten Zeiten ein Statement, dass sich für jeden Menschen ausgehen sollte.
„Es ist offiziell Brat Summer“, wie auch die Vogue Business verkündet, also lasst uns endlich einen S*** draufgeben und feiern, was das Zeug hält.
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Titelbild © Shutterstock
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