Das Zuckertief um 15 Uhr, bei dem der Schreibtisch plötzlich verdächtig gemütlich aussieht, kennen wir alle. Die Marke NEOH will es aus dem Naschregal verbannen. Wir haben mit Gründer Manuel Zeller gesprochen.
Was ist NEOH?
NEOH ist eine österreichische Food-Marke, die Schokoriegel, Waffeln und Schokolade ohne zugesetzten Zucker herstellt. Am Anfang stand eine simple Frage: Warum gibt es zuckerfreie Softdrinks, aber keine Süßigkeiten, die ohne Zucker trotzdem wie Süßigkeiten schmecken? Die Antwort heißt ZERO+, eine selbst entwickelte Formel, die den Zucker komplett ersetzt. Sie besteht zu über 90 Prozent aus pflanzlichen Ballaststoffen (unter anderem aus Zichorie, Mais und Agave) plus Süßungsmitteln. Laut Hersteller lässt sie den Blutzucker kaum ansteigen, der berüchtigte Sugar Crash bleibt also vor der Tür. Nach Angaben von NEOH wurde über 12 Jahre daran getüftelt, inklusive wissenschaftlicher Prüfung.
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Der große Plan
Gründer denken gern groß, und Zeller macht da keine Ausnahme:
„Unsere große Idee ist tatsächlich, das Schokoregal in deutlich weniger Zucker zu transformieren – und in dieser Rolle wollen wir die Pioniere sein, auch global gesehen.“
Gerechnet wird dabei in Jahrzehnten, nicht in Jahren. Ein Schokoregal räumt man eben nicht an einem Wochenende um. Den Beweis, dass es klappen kann, liefert Österreich: Im Billa-Regal stehen neun NEOH-Produkte nebeneinander, mitten unter ganz vielen ganz Großen, und die Absatzzahlen liegen mittlerweile wieder in der Top-Region des Regals. Den Leuten ist es ohnehin egal, ob eine Marke aus Österreich oder aus Amerika kommt. Gegriffen wird, was schmeckt und preislich passt.
Nächster Halt: Deutschland
Genau das soll jetzt auch im Nachbarland gelingen. Ab Oktober folgt der große Aufschlag samt TV-Spot, NEOH soll dann in fast allen großen Supermärkten im Regal stehen. Gleiche Sprache, ähnliche Leute, aber mehr Discounter, mehr Preissensibilität und ein feineres Gespür fürs Thema Zucker. Die größte Challenge ist die Markenbekanntheit: Statt 9 Millionen Einwohnern sind es plötzlich 80 Millionen. Bekanntheit kostet entweder viel Geld oder viel Kreativität, und NEOH setzt auf Letzteres. Irgendwann im selben Atemzug mit Red Bull und Swarovski genannt zu werden, wäre natürlich der Traum. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
Das stärkste Argument bleibt ohnehin der erste Bissen: „Wenn du das Produkt kostest und weißt, was da drinnen ist, dann glaubst du es ja kaum und dann bleibst du auch dabei.“ Nur lässt sich dieser Moment schwer über ganz Deutschland verteilen.
Überraschungshit Eis
Zum Überraschungshit wurde im Sommer das Eis: Im Supermarkt eher als Test gedacht, entwickelte es sich zum stärksten NEOH-Produkt der Saison. Im restlichen Sortiment liegt ganz klar der Crisp n Cream vorn, die knusprige Waffel mit cremiger Füllung. Und das Team? Wächst mit. Gesucht werden Köpfe mit Unternehmergeist, die mit hundertmal weniger Budget als die Großen dasselbe leisten. Gefunden werden sie meist im eigenen Netzwerk.
Titelbild @ NEOH
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