Der perfekte Mann? Es gibt Listen über Listen darüber, wie der perfekte Mann auszusehen und zu sein hat. Vor kurzem ist ein neues Must-have dazugekommen, dass die Sinnlosigkeit aller bisherigen Listen noch einmal übertrifft. Das Feature nennt sich „Hunter Eyes“. Männer mit dieser Augenproportion sollen angeblich besonders attraktiv auf Frauen wirken. So sehen das zumindest die sozialen Medien der Manosphäre. Was ist dran, an dem „Jägerblick“?
Weitmanns Heil! – Was haben Pattinson, Hemsworth und Pitt gemeinsam?
Die ganz Ausgebufften haben das vermutlich schon sofort überrissen. Was die Schauspielstars Brad Pitt, Chris Hemsworth und Robert Pattinson alle zusammen auszeichnet sind – neben Waschbrett-Bäuchen, schönen Zähnen und Haaren – die sogenannten „Hunter Eyes“.
Diese „Jäger-Augen“ zeichnen sich durch tief liegende, mandelförmige Augen aus und sollen an eine Raubkatze erinnern. Eine Raubkatze, die gerade auf Beutefang ist, wohlgemerkt. In TikTok-Videos mit mehreren Millionen Views, aber auch in diversen Foren, wie zum Beispiel Reddit und Quora, verlangen mittlerweile immer mehr junge Männer nach genau diesen Look. Mit dem Ziel natürlich, auf Frauen umso attraktiver zu wirken.
Hunter Eyes: Ein weiteres Schönheitsideal, who would have thought?
Das Phänomen der „Hunter Eyes“ ist dabei eine relativ neue Beauty-Erscheinung. Doch wie viele Vorgänger erlangte es erst durch das Internet eine breitere Bekanntheit.
Der Ursprung des Begriffs „Hunter Eyes“ geht dabei auf die sogenannte Blackpill Community zurück. Deren Anhänger waren – und sind es bestimmt immer noch – fest davon überzeugt, dass Frauen ihre Partner ausschließlich aufgrund bestimmter äußerer und genetischer Merkmale wählen.
Die Incels lassen grüßen
Die Blackpill Community ist selbst wiederum Teil der sogenannten Incel-Bewegung. Eine reaktionäre und vor allem frauenfeindliche Gruppierung, deren Vertreter immer wieder negativ aufgefallen sind.
Die Blackpill-Bewegung ist geprägt von einer geradezu obsessiven Einstellung gegenüber genetischen Mythen, die immer wieder stereotype Rollenbilder verstärkt. Laut den Blackpill bekommen Männer nur deshalb keine Frauen, weil sie nicht ausreichend genug klassische „maskuline Merkmale aufweisen“. Daher sind diese Männer dazu verdammt, ein einsames Leben ohne Frauen zu führen. Frauen als Projektionsfläche für misogyne Ideologien zu missbrauchen ist dabei praktisch Grundvoraussetzung.
Wichtige Features dieser „maskulinen Grundeigenschaften“ sind ein markantes Kinn, breite Schultern, die richtige Körpergröße und nun auch die sogenannten „Hunter Eyes“. Besitzt ein Mann diese äußeren Eigenschaften nicht, so ist er – nach Ansicht der Blackpills – für Frauen einfach nicht attraktiv. Man versteht recht schnell, wie selbstschädigend dieser Ansatz ist, der auch Männer auf genetische Veranlagungen reduziert.
Hunter Eyes: how to
Tief liegende Mandelaugen und der richtige Kanthal-Winkel sind dabei die Ingredienzen für die perfekten „Hunter Eyes“. Was bedeutet, dass die Augenlider am Ende ein wenig nach oben gehen und so besonders raubkatzenartig aussehen. Hollywood-Stars wie Robert Pattinson und Chris Hemsworth wird nachgesagt, diese „Hunter Eyes“ zu haben.
Wie bei jedem Bullshit gibt es auch bei den sogenannten „Hunter Eyes“ eine ganze Reihe an Tipps, wie dieser vermeintlich unwiderstehliche Look zu erreichen ist. Es soll zum Beispiel helfen, immer darauf zu achten, dass Mund und Zähne fest aufeinander geschlossen sind. Zudem sollten Männer, die einen Jägerblick bekommen wollen, sich angewöhnen, „mit ihren Augen – und nicht dem ganzen Gesicht – zu lachen“.
Hunter Eyes: Beben in den sozialen Medien
Das Video „Glow up tips for men“ auf TikTok behauptet, dass man Hunter Eyes ganz einfach durch das Ziehen und Dehnen der Haut im Augenbereich bekommen kann.
Drastischere Ansätze sind dabei natürlich die Hinwendung zur plastischen Chirurgie. Hierbei wird ein Schnitt im Oberlid gesetzt und das Fett über dem Auge so verlagert, dass der Raubtier-Look entsteht. Die Optimierung bestimmter Gesichtspartien bei den Männern erfreut sich dabei immer größerer Beliebtheit und zählt zu den beliebtesten Schönheitsoperationen.
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Prey Eyes vs. Hunter Eyes
Am Ende stellt sich natürlich wieder einmal die Frage, die sich bei solchen Lifestyle-Trends immer stellt: Machen die „Hunter Eyes“ einen Mann jetzt wirklich attraktiver? Den „Hunter Eyes“ entgegengestellt sind die sogenannten „Prey Eyes“ – also Beute-Augen.
Diese Augenpartie befindet sich laut der Theorie am Ende des Spektrums sexueller Begehrlichkeit, da diese unattraktive Augenform an die Augen eines Rehs erinnern bzw. an andere niedlichere Beutetiere. Die „Prey Eyes“ sind groß und rund und haben einen „negativen Kanthal-Winkel“.
Fazit
Was die ganze Theorie der Blackpills schlussendlich ins Wanken bringt, ist die Tatsache, dass Timothée Chalamet über genau diese Augenpartie verfügt: „Prey Eyes“. Ja, richtig gelesen! Es ist derselbe Timothée Chalamet den Millionen von Frauen anbeten und der auch der derzeitige Partner von Kylie Jenner ist.
Auch Orlando Bloom, Jake Gyllenhaal und Jared Leto gehören laut dieser Theorie zu jenen Männern, die mit ihren „Prey Eyes“ als unattraktiv gelten müssten. Es bleibt jedoch zu bezweifeln, dass diese Behauptung wirklich den Tatsachen entspricht.
Mag sein, dass „Hunter Eyes“ attraktiver machen, doch eine aufgeklärte Gesellschaft sollte wissen, dass ein Mensch mehr ist, als seine Augenpartie und nicht auf einzelne Fetisch-Elemente reduziert werden, sondern ganzheitlich, als ganzer Mensch wahrgenommen werden sollte.
Titelbild © Shutterstock
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