Was treibt eine Sexworkerin so den ganzen Tag? Wie sind die Leute, die dorthin kommen? Wie viel kassiert ein Zuhälter und was passiert im Inneren eines Laufhauses? Es gibt tausende Fragen, die die Leute an eine Prostituierte haben. Wir haben „Die Dritte Frau“ eine Kolumne über ihren Alltag schreiben lassen.
Mein Tagesablauf:
Wenn ich um 09:30 Uhr beginne, frühstücke ich erstmal und richte mir meine Utensilien her. In meinem Fall sind das Gummihandschuhe, Vaseline, Strapon (= Umschnalldildo), Kondome für den Dildo, Raumspray und Feuchttücher. Mein Tag beginnt um 09:30 Uhr und endet etwa um 21 Uhr.
Und: Ja, es ist merkwürdig, wenn man um 10:15 Uhr – kurz nach dem Verzehr eines Nougatkrapfens – jemandem seine Faust ins Arschloch schiebt oder einen erwachsenen Mann wickelt. Aber man gewöhnt sich daran. Es ist eben meine Form des Alltages.
Ich finde es immer noch weit befremdlicher, jeden Tag in eine Arbeit zu tingeln die man hasst, zu Mitarbeitern, die man ebenfalls hasst und einem Chef, der alle hasst.
Im Laufhaus entscheide ich wann und ob ich komme, wie lange ich bleibe und wen ich hereinlasse. Es ist mein Appartment und draußen bleiben alle, die stinken, ultra g’schissen sind oder in Männerherden klingelnd durchs Laufhaus ziehen. Brauch ich nicht. Will ich nicht.
Viele meiner Kunden machen sich Termine aus. Gerade im Fetisch Bereich sind die Männer sehr scheu. Oft drücken sie sich vorm Eingang in finstere Ecken und huschen dann flugs durch meine Tür. Sie benehmen sich dadurch noch viel auffälliger als jemand, der schlicht normal klopft und eintritt. Man könnte meinen sie haben die Saliera gestohlen und sind nun auf der Flucht vor der Polizei. Männer eben *roll eyes*. Manche scheinen wirklich zu glauben, dies hier sei die Bat-Höhle, in die man unerkannt gelangen muss. Es will einfach niemand erwischt werden. Gerade vor meiner Türe nicht. Verstehe ich ja alles… Wer prahlt auch bei seinen Freunden damit, dass er gerade eben die Toilette einer Bizarrlady mit der Zunge gereinigt hat oder bei ihr Natursekt kaufen war. Korrekt. Niemand tut das.
Also besser Termine machen, um die Zeit vor der Türe so gering als möglich zu halten. Kommt mir ohnehin entgegen. So kann ich meinen Tag besser strukturieren. Also poppt dann in meinem Handykalender fröhlich “13:30h 1 Stunde, Strumpfhosenfetischist, der gewürgt werden will” oder “14:15h 30min, anpissen, beschimpfen und in die Eier treten” auf. Meine Texterkennung am Handy kennt teilweise Wörter…
Zwischen den Terminen kommen oft Laufkunden. Es klingelt gut 20x am Tag.
„Was kostet dies, was kostet jenes, wieso machst du dieses nicht, warum vergewaltigst du mich nicht, etc.“ Wenn man das einmal gewohnt ist, haut einen so schnell nichts mehr aus den Socken. Die Meisten sind sehr freundlich. Idioten gibt’s jedoch überall. Aber, wie auch im richtigen Leben, kommen die nicht weit. In meinem Fall: bis zur Türschwelle. Dort lässt man sie dann einfach scheitern. Freundliche Sexworker verneinen und deuten an, dass sie einen Termin hätten. Weniger freundliche schicken ein paar Flüche raus oder zeigen dem Kerl wo genau der Sicherheitsmann sitzt.
So vergeht der Tag. An guten Tagen rennt die Zeit.
An miesen Tagen jedoch besteht der Tag nur aus Warten. Ziemlich mühsam, da das Zimmer auch bezahlt werden muss. Da hockt man den ganzen Tag lesend, schlafend, fernsehend am Zimmer und dreht langsam durch. Ein Bisschen wie in Haft. Kleiner Raum, nicht sonderlich stylisch eingerichtet und raus gehen kann man ebenfalls nicht wirklich. Es könnte ja Kundschaft kommen.
So latscht man dann entweder zum Security und plaudert, oder man hat eine andere Sexworkerin gefunden, die man nett findet und setzt sich zu ihr ins Appartement auf ein Tratscherl. Alles in allem ist der Tagesablauf in einem Laufhaus oder Studio ein eher gemütlicher. Psychisch eher anstrengend als physisch. Muss man doch den ganzen Tag unzählige (teilweise saudumme) Fragen beantworten und immer mal wieder “die Zähne zusammenbeissen” bei besonders anstrengenden Kunden.
Apropos KUNDEN: Ihr denkt, nur die Hässlichen gehen zu Huren? Nein, alle kommen!
Schaut euch einfach einmal in der U-Bahn oder am Stephansplatz um. Ja, diese Männer entsprechen dem Schnitt und waren wohl zu einem sehr hohen Prozentsatz allesamt irgendwann mal Kunden. Von 18- 80 Jahren. Durch jede Gesellschaftsschicht. Von schön bis hässlich. Gepflegt bis super grindig. Nur ein sehr geringer Anteil war noch niemals im Rotlicht unterwegs.
Laut Statistik war schon jeder 3te Mann einmal in seinem Leben in einem einschlägigen Etablissement. Na, Mädels, wollt ihr mal durchzählen?
Hier erfahrt ihr wie man Prostituierte wird.
Wer mehr über den typischen Kunden, die dümmsten Fragen und den Alltag im Rotlicht lesen will: hier geht’s zum Blog Die Dritte Frau.
Wer gerne mehr von der Dritten Frau lesen möchte, geht’s hier zu den dümmsten Fragen an eine Prostituierte.
Titelbild Credits: Shutterstock
DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN
Nobuyoshi Araki - Zwischen Eros und Vergänglichkeit
Die Galerie OstLicht widmet dem japanischen Fotografen Nobuyoshi Araki eine umfassende Ausstellung, die nicht nur seine Bildsprache, sondern auch seine […]
Alles-was-Du-denkst-ist-falsch-Tag: Was tun gegen Overthinking?
Am 15.März ist Alles-was-Du-denkst-ist-falsch-Tag und vielleicht genau der richtige Anlass, um dein Gedankenkarussell einmal kritisch zu hinterfragen. Wenn du nachts […]
Mann missbraucht Möwe zum Masturbieren
Engländer missbraucht Möwe zum Masturbieren und wird von Überwachungskameras gefilmt. Nun folgt der Gerichtsprozess.
Wisch dir den Winter weg! Tipps und Tricks für deinen Frühjahrsputz
Die ersten Sonnenstrahlen blitzen durch das Fenster, die Vögel zwitschern, die Tage werden länger- der Frühling steht vor der Tür. […]
Schönheitsideale im Wandel der Zeit: Warum man sich von Trends nicht stressen lassen sollte
Generation Z oder auch Generation Instagramfilter: Wer nicht den gängigen Schönheitsstandards entspricht, kann mit Foto- oder Videoeffekten nachhelfen, um das […]
10 Tipps fürs Studium und das Student:innenleben
Der Studienbeginn steht vor der Tür und du bist dir noch unsicher, was im kommenden Semester auf dich zukommt und […]










