Poetry Slam ist eine Schlacht der Wörter. Egal ob witzig, tiefgründig oder banal: Du tauchst in andere Realitäten ein. Hier erfährst du, was es mit der Slam-Kultur auf sich hat und wo sie in Wien zu finden ist.
Peotry Slam: immaterielles Kulturerbe
Beim Poetry Slam ist eigentlich alles erlaubt – alles, solange die Wörter gesprochen werden und original von der*dem Slammer*in stammen. Es kann um die großen Gefühle zu Partner*innen und Lieferdienste gehen, alltäglichen Sexismus, Jö-Karten oder Sex. Die Slammer*innen treten gegeneinander an und werben auch mit Comedy- oder Rap-Einlagen um die Gunst des Publikums.
Slam bedeutet auf Deutsch zuschlagen. Wortwörtlich kann man Poetry Slam als Poesieschlacht und sinngemäß als Dichter*innenschlacht übersetzen. Um es lame zu formulieren: Es ist eine Art literarischer Wettbewerb. Deutschsprachiger Poetry Slam gehört sogar zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

© Matheus Bertelli via Pexels
Wie läuft ein Poetry Slam ab?
Bei den meisten Slam-Wettbewerben ist das Publikum die Jury. Durch Applaus oder ein Punktesystem werden die Sieger*innen erkoren. In der Regel hat jede*r Slammer*in um die fünf Minuten Zeit. Obwohl Poetry Slam eine relativ freie Kunst ist, gibt es auch ein paar Regeln. Die Texte müssen selbst geschrieben sein. Das Wort muss gesprochen und nicht gesungen werden. Es dürfen keine Requisiten oder Verkleidungen verwendet werden. Der Rest ist frei. Durch den Abend führen Moderator*innen, die meistens schon selbst viel Slam-Erfahrung haben, oft mit einem Schmäh auf den Lippen.
Von Chicago nach Wien
Poetry Slam, in seiner heutigen Form, entstand in den 1980er Jahren in Chicago. Marc Kelly Smith zählt als der Mann, der ihn in einem Jazz-Club ins Leben rief. Schnell verbreitete sich die Bühnenkunst weltweit. Mit der Slammerin Julia Engelmann (sie Video) wurde Poetry Slam in Deutschland zum Trend und etablierte sich, natürlich mit Verspätung, auch in Österreich. Heute gibt es in Wien wöchentlich Veranstaltungen, meistens in lockerer Atmosphäre zwischen Spritzer und Schwatz. Genau deswegen wird Poetry Slam auch kritisiert: Er sei eine oberflächliche Kommerzialisierung der Literatur. Um dich jedoch selbst davon zu überzeugen, was Poetry Slam in Wien so draufhat, kommen nun die Wiener Stages.
Poetry Slam in Wien
Stille Post – der Loft Slam
Einmal im Monat findet bei freiem Eintritt im Wohnzimmer vom Loft der „stille“ Slam statt. Jede*r Slammer*in hat sechs Minuten Zeit, um seinen*ihren Text vorzutragen. Das Publikum kürt mittels Punktekarten den*die Slam-Sieger*in. Wenn du selbst mitmachen willst, kannst du dich bei slam@theloft.at bewerben.
FOMP
FOMP steht für Fear of missing Poetry und ist ein Kulturverein für dynamische Bühnenliteratur und -kunst. Der Verein veranstaltet nicht nur klassische Poetry Slams, sondern auch „PowerPoint-Karoke“ und „BilderBücherBühne“, wo Poesie auf Malerei trifft. Die Eintrittskarten kosten zwischen 10 und 12 Euro.
Textstrom
Der älteste Veranstaltungsort für Poetry Slam in Wien ist am Yppenplatz. Texststrom findet einmal im Monat in der Brunnenpassage statt. Zehn Slammer*innen treten gegeneinander an, mit einem Zeitlimit von fünf Minuten. Der Eintritt ist frei.
Poetry Slam der Kuriositäten
Der Slam sprich Wort! verbindet viermal im Jahr Slam mit Musik: Die gesprochenen Worte werden musikalisch unterstützt. Die Abende im Tunnel haben Schwerpunkte und die Gewinner*innen werden nicht durch Applaus oder Punkte gekürt, sondern durch kuriose Alternativ-Wertungssysteme. Karten kosten zwischen 10 und 13 Euro.
Sinn & Seife
Einmal im Monat slammen die österreichischen Profis gegeneinander. Sieben Künstler*innen performen bei Sinn & Seife im Ateliertheater. Die Karten kosten zwischen 12 und 14 Euro.
Mehr Infos zu aktuellen Poetry Slam Veranstaltungen in Wien findest du auf Facebook.
© Henri Mathieu-Saint-Laurent via Pexels
Kann ich das auch?
Bei den meisten Slam-Veranstaltung kann prinzipiell jede*r mitmachen. Es braucht nur eine große Portion Mut und Liebe zum Wort. Wichtig ist, dass du auch wirklich fühlst und denkst, was du sagst. Einmal im Monat veranstalten FOMP einen gratis Workshop im Amerlinghaus, wo du Tipps von erfahrenen Slammer*innen bekommst.
Poetry Slam Fazit
Poetry Slam ist eine Schlacht um die besten Wörter und alles andere als eintönig. Er kann politisch, kritisch oder einfach nur witzig sein. In Wien gibt es wöchentlich abwechslungsreiche Events zum Mitmachen, Applaudieren und Lauschen. Na dann. See you there!
© photoGraph via Pexels
DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN
Mastodon: Die bessere Twitter-Option?
Hast du schon mal von Mastodon gehört? Bei uns erfährst du, was es damit auf sich hat und was sich hinter der Twitter-Flucht verbirgt.
6 Dinge, die man im Homeoffice beachten sollte
Gezwungenermaßen verbringen viele von uns ihre Arbeitszeit aktuell im Homeoffice. Wie lange das noch so sein wird, kann momentan keiner so genau sagen. Vielen ist dieses Modell schon aus den nun so fern erscheinenden coronafreien Tagen bekannt – andere hingegen sehen sich zum ersten Mal damit konfrontiert.
Ob Homeoffice Virgins oder bereits Pros – hier ein paar Tipps, was ihr im Homeoffice bitte NICHT tun solltet plus einige Einblicke in das Homeoffice Leben eurer Leidensgenossen - also praktisch jedermann, außer natürlich den Helden der aktuellen Situation, die dafür sorgen, dass unser Leben weiterhin funktioniert:
Was die Haut über die Seele verrät – die verborgene Symbolik von Tattoos
In diesem Artikel beleuchten wir die vielfältigen Motivationen hinter Tattoos und ihre symbolische Kraft, die sie den Menschen geben.
10 Jahre Loveparade-Unglück: Keine Urteile und tiefe Wunden
24. Juli. 2010, Duisburg. Es sollte ein Tag zur Feier der Liebe und des Friedens werden, doch kostete 21 Menschen […]
Männer und ihre Gesundheit: Opfer der eigens forcierten Ungleichheit
Was wurde in letzter Zeit nicht alles über das Thema Männlichkeit und deren negative Effekte veröffentlicht. Vor allem von uns […]
Die Kunst der Entspannung: Techniken für mehr Achtsamkeit im Alltag
Schon in den frühen Morgenstunden kann eine ruhige Atmosphäre den Ton für den gesamten Tag angeben. In einer hektischen Welt […]









