Polnische Clubs öffneten aus Protest über das vergangene Wochenende in mehreren Städten illegalerweise ihre Pforten für Partygäste. Hunderte Menschen nahmen das lang ersehnte Angebot an und feierten sich und ihre „Freiheit“ nach monatelanger Party-Abstinenz.
Lange Menschenschlangen formen sich vor den polnischen Veranstaltungsorten. Hin und wieder regnet es Geldstrafen für Wartende von Polizeibeamten, doch die Partys in den Clubs finden ohne behördliches Einschreiten statt.
Polnische Clubbesitzer in Not
Eine Frage die sich nun stellt: Warum? Polnische Clubs öffnen aus Protest gegen den dort herrschenden Lockdown. Der Grund dafür ist allerdings keine reine Trotzaktion, sondern entsteht aus der Notsituation vieler Veranstalter.
„Ich habe mein Auto und meine Ersparnisse verloren. Zurzeit sperren die Gerichtsvollzieher mein Konto, versuchen, mir mein Haus wegzunehmen, die geleasten Geräte aus dem Club abzuholen. Ich habe keine andere Wahl, entweder gehen wir diesen Weg [wir öffnen], oder wir hören auf zu existieren.“, so ein Clubbesitzer aus Danzig in einem Beitrag des polnischen Senders TVN.
Österreich geht es nicht besser
Auch in Österreich leidet die Partyszene zunehmend an den Corona-Maßnahmen. Seit über einem halben Jahr, mit kurzem Ausnahmezustand und -regelungen im Sommer für Veranstalter mit Außenbereich, haben die Clubs in Wien geschlossen.
„Die Klubbetreiber mussten als Erste zusperren und werden offenbar als Letzte wieder aufsperren – manche vielleicht auch gar nicht mehr“, so Niederwieser Musikjournalist und Sprecher der „Vienna Club Commission“ in einem Interview. Alle 84 Wiener Clubs machen im Regelbetrieb zusammen etwa eine Milliarde Euro Umsatz pro Jahr. Außerdem sterben mit der Clubsszene auch circa 24.000 Arbeitsplätze.
Clubkultur ist auch Kultur
Abgesehen von wirtschaftlichen Faktoren, ist die Fortgeh- und Nachtszene in Wien, als auch in Polen unbeständiger Teil der dortigen Kultur. Nicht umsonst sprechen polnische Partygäste während ihrer kürzlichen, nächtlichen Feiereskapaden davon „sich endlich wieder frei zu fühlen“. Viele Menschen hängen an der Clubkultur – nicht nur finanziell.
Kontraproduktiv statt partyaktiv
Nichtsdestotrotz bleibt die Gratwanderung zwischen Existenzängsten und Verantwortung eine schmale. Die Frustration und Not der Clubbetreiber ist verständlich, resultiert nun aber in dem schlechtmöglichsten Lösungsweg. Polnische Clubs öffnen aus Protest. Ohne Konzept und Sicherheitsmaßnahmen als wären Pre-Corona Zeiten. Das erscheint eher kontraproduktiv.
Konsequenzen werden wahrscheinlich eine noch strengere Kontrolle der Einhaltung von Zwangsschließungen sein, sowie ein Anstieg der Neuinfektionen. Das Zulassen von Outdoor Veranstaltungen im Sommer und die Erarbeitung eines Clubkonzepts, dass Einschränkungen, Sicherheitsmaßnahmen und Gästeanzahl berücksichtigt, wären Schritte in Richtung eines Kompromisses. Das Startup testFRWD hat sogar ein rundum durchdachtes und wissenschaftlich fundierte Konzept für ein „Revive Vienna Festival“ vorgelegt. Damit wären auch gesundheitliche Risiken auf ein absolutes Minimum reduziert. Ein Handeln der Politik ist nun notwendig. Denn auf Dauer werden weder komplette Verbote, noch freies Feiern aus Protest funktionieren.
Titelbild Credits: Shutterstock
DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN
Netflix‘ Lady Chatterley und der Liebhaber
Netflix hat sich an die Verfilmung einer Ur-Affäre herangewagt. Die Frage: Ist Netflix Lady Chatterleys Liebhaber ein gelungener Affären-Film?
Wohnung im Sommer kühl halten: Tipps und Tricks für coole vier Wände
Sommer, Sonne, Sonnenschein. Da es ja gefühlt keinen Frühling gab, meldet sich der Sommer anscheinend doppelt so strahlend. Heißt: ein […]
Top 10 Trinkspiele, die dich durch die Feiertage bringen
Weihnachten ist nur noch eine Woche entfernt und wir alle sind vollkommen überfordert mit den letzten Vorbereitungen und Einkäufen. Um diese stressige Zeit ein wenig angenehmer zu gestalten, haben wir die 10 besten Weihnachtstrinkspiele zusammengeklaubt.
Beziehungsstatus: glücklicher Single - darf Alleinsein nicht erfüllen?
Seit jeher wird uns durch Hollywoodfilme vermittelt, dass eine Liebesbeziehung das Nonplusultra für ein glückliches Leben ist. Von der konservativen […]
TikTok Charts: Juni 2024
Die TikTok-Charts für den Juni 2024 haben einige Überraschungen zu bieten, auch wenn sich im Grunde nicht viel verändert hat.
Wann es peinlich ist, sich als BloggerIn in den Mittelpunkt zu stellen
Der Job der InfluencerInnen ist es, sich selbst auf ihren Social-Media-Kanälen zu vermarkten. Wenn es aber um ernste Themen geht, sollten sie ihre Selbstinszenierung hinterfragen – so auch, wenn sie sich für #BlackLivesMatter einsetzen.







