Wir kennen es alle: Nach einem langen Tag in der U-Bahn, im Office oder im Park lässt man sich zu Hause einfach nur noch fallen. Doch kaum berührt die Jeans das Bettlaken, meldet sich die innere Stimme: „Igitt, wer saß da vorher auf diesem Sitzplatz?“ Das Kopfkino von Bakterien-Partys auf dem Kopfkissen startet. Aber ist die Panik berechtigt oder ist das Ganze nur ein urbaner Hygiene-Mythos?
Die unsichtbaren Mitbewohner
Die Vorstellung, dass wir uns draußen Krankheitserreger einfangen und sie wie blinde Passagiere nach Hause chauffieren, löst bei vielen Unbehagen aus. Doch die Wissenschaft gibt Entwarnung. Laut Experten ist das Risiko einer Übertragung von Erregern, die den Darm oder die Atemwege infizieren, über Textilien äußerst gering.
Warum? Weil Oberflächen wie Jeansstoff oder Polstermöbel für Keime schlichtweg ein schlechtes Hotel sind. Wie etwa das Robert Koch-Institut (RKI) in seinen allgemeinen Hygiene-Leitfäden betont, benötigen die meisten klinisch relevanten Erreger Feuchtigkeit und Nährstoffe, um zu überleben. Auf trockenen Stoffen können sie sich nicht vermehren – das gilt übrigens auch für Schimmelpilzsporen.
Der „Ableck-Faktor“
Jetzt mal Hand aufs Herz: Wie kommen die Keime von der Hose in euren Körper? Damit eine echte Infektion stattfindet, müsstet ihr theoretisch direkt auf einem Erreger gesessen haben und die entsprechende Stelle eurer Hose danach genüsslich ablecken. Da das (hoffentlich) niemand tut, ist der Übertragungsweg praktisch unterbrochen. Solange ihr also nicht euer Abendessen direkt von der Sitzfläche eurer Streetwear-Hose einnehmt, ist die Gefahr gebannt.
Die wahre Keimschleuder sitzt am Arm
Wenn ihr euch wirklich vor Viren schützen wollt, ist das Ausziehen der Hose beim Betreten der Wohnung zwar ein nettes Ritual für die Psyche, aber für die Gesundheit zweitrangig. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist und bleibt das regelmäßige Händewaschen die wichtigste Maßnahme.
Krankheitserreger gelangen nämlich fast ausschließlich über ungewaschene Hände an die Schleimhäute von Nase und Mund. Die Hände fassen Türgriffe, Haltestangen und Smartphones an – und wandern dann oft unbewusst ins Gesicht.
Fazit
Das Fazit für alle Hygiene-Hustler: Ihr könnt euer Sofa weiterhin in eurer Lieblingshose genießen. Hygiene findet an den Händen statt, nicht an der Jeans. Wer also nach Hause kommt, sollte als Erstes Richtung Waschbecken abbiegen, statt sich sofort über die Kleidung den Kopf zu zerbrechen.
Keep it clean, but don’t overthink it!
Titelbild © Shutterstock
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