Entgegen dem allgemeinen Foodporn-Hype schwimmt die Gastro-Serie The Bear diesem Strom entgegen und konfrontiert uns mit dem harten Alltag der Foodworker. Eine Welt, in der auch Starköche nicht davor geschützt sind, hart anzupacken, um den Beefsandwich-Karren nicht gegen die Wand zu fahren. Ein must see! Food Feelings garantiert!
Von Kochshows und Foodporn
Kochen ist wohl der Trend schlechthin. Nicht, dass die Menschen mehr und besser kochen würden, das nicht, doch der Hype um den sogenannten Foodporn scheint ungebremst. Dieser Trend bezeichnet Bilder von Speisen, die glamourös und spektakulär in Szene gesetzt werden und verbreitet werden. Die Darstellung von Essen in Form der sogenannten Foodporn-Bilder zielt darauf ab, Gefühle auszulösen, und betont die ästhetische Aufbereitung des Gerichts vor allen anderen Eigenschaften.
Was in den 1990er Jahren im Free-TV als Kochshows begann und eher harmlos gewesen ist, hat, mithilfe der sozialen Medien und deren Bild-Fixiertheit, wie ein Tumor metastasiert und heute ist die Medienlandschaft von diesen Bildern nicht mehr zu retten. Seine Mahlzeit zu fotografieren, gehört mittlerweile zum guten Ton einer gemeinsamen Mahlzeit. Sich selber ein anständiges Mahl zuzubereiten, leider eher weniger. Aber zurück zum Wesentlichen: Die Gastro-Serie The Bear.
The Bear – überzeugende Milieustudie und kein weiterer Kochporno
Wenn man es recht bedenkt, dann hat es eigentlich zu lange gedauert, bis dieser Kochwahn „endlich“ Einkehr in die Serienwelt gefunden hat. Doch mit The Bear hat sogar ein Art-House-Format das Thema aufgegriffen und plötzlich sieht man, was alles möglich ist. Und dass man durchaus abseits der üblichen Pfade Geschichten ums Kochen erzählen kann, die nicht komplett stupide in Richtung Porno abdriften.
The Bear – und das ist köstlich –, ist eine Serie, in der es ums Kochen geht, klar. Doch der Spieß wird praktisch umgedreht: Der ehemalige Chef des besten Restaurants der Welt, übernimmt das heruntergekommene Deli seines verstorbenen Bruders in Chicago. Er will den Laden kulinarisch auf Vordermann bringen. Viel Glück dabei, denn es kommt anders als erwartet.
Starkoch trifft Low-Class-Reality
Was sich wie eine übersüßte Happy-Peppi-Story anhört und nach feelgood Donuts und Cupcakes geradezu schreit, entwickelt sich jedoch in eine ganz andere Richtung. Denn der Laden scheint wirklich nicht mehr zu retten und die Leute wirken alles andere als sympathisch, offen und dankbar dafür, dass ihnen eigentlich der beste Koch der Welt etwas beibringen will. Statt Teamplay gibt es Neid, Missgunst und Eifersucht. Vom heruntergekommenen Deli wollen wir gar nicht erst anfangen zu reden.
Foodporn? Essen wird auch hier durchaus zelebriert, doch der geniale Koch scheitert immer wieder an den Umständen, an sich selbst und auch an der Tatsache, dass Essen nicht fotogen sein muss, sondern in Wirklichkeit (der Low-Class-Reality) des Deli, zuallererst einmal funktionieren muss. Statt offen für kulinarische Innovation und Veränderung pocht die Cew auf ihrem alt-bewehrten System.
The Bear – Kammerspiel über Nervenzusammenbrüche
Jede Episode in The Bear ist dabei ein kleines Meisterwerk für sich. Vor allem Episode Sieben, ein fulminant inszenierter One-Take, hat so einiges Aufsehen erregt. Geradezu frenetisch wechseln sich die Foodporn-shots mit dem Chicagoer Alltag ab. Man muss oft an eine Kunstcollage denken. Und in der Küche sind die Figuren praktisch unter Dauerstress. Eine Anspannung, die uns Zusehende gekonnt mitnimmt, ja mitreißt und endlich einmal ein realistisches Bild über die Arbeit in der Küche zeichnet.
The Bear ist dabei eine gelungene Studie über kaputte Charaktere und durch einen erzählerischen Sog nimmt einen die Serie mit, reißt einen tief hinein: in das Auge des Gastro-Orkans. Menschliches allzu menschlich. Anstatt den kulinarischen Karren gemeinsam aus der geschmacklich fragwürdigen Tristesse zu ziehen, sabotiert man sich lieber gegenseitig. Über die Figuren will man mehr erfahren, weil sie gut inszeniert und gespielt werden. Trotzdem erfährt man nur Tröpfchenweise etwas über die Hintergründe. Dieser erzählerische Trick hält uns geschickt an der Leine, serviert uns ein kleines Häppchen nach dem anderen.
© FX Networks – Screenshot
Kochen – hart am Limit
Selten eine Serie oder einem Film (wenn überhaupt) ist es gelungen, das Leben als Küchenarbeiter*in besser und realistischer darzustellen als The Bear. Die Figuren sind herrlich verschroben und doch treibt jede*n (neben den prekären Grundvoraussetzungen natürlich) auch ein wenig die Liebe zur Küche an, sich dieser Fulltime-Hölle zu unterwerfen.
Vergesst all die Kochfilme, wo man gefühlt den ganzen Film über Zeit für ein kulinarisches Meisterwerk hat. In The Bear ist alles auf high-speed eingestellt und man hat praktisch Zeit für nichts. Das Essen muss funktionieren und wird produziert. Die oft geheuchelte Liebe zu den Zutaten wird hier geschickt entlarvt, wenn auch liebevoll mit den Sehnsüchten der Menschen, nach dem kulinarischen Hochgenuss, gespielt wird. Wer will es nicht haben: ein geiles Gericht? Dass man gerade das aber nicht bekommt, ist oft den Umständen geschuldet und nicht so sehr den Kochkünsten.
Die kleinen Schönheitsfehler einer genialen Serie
Einen kleinen Schönheitsfehler hat die Serie. Und das ist die Tatsache, dass, wenn der Küchenchef des besten Restaurants der Welt plötzlich ein Deli übernimmt, die Leute diesem Deli wohl alle Türen einrennen würden. Wer hätte das nicht gern – der beste Koch der Welt arbeitet im Kebap-Laden next door und seine grenz-genialen Künste gibt es schon für 5 Euro zu haben. Allein das müsste den Laden schon erfolgreich machen bzw. einen erfolgversprechenden Start garantieren. Stattdessen ignoriert man das und lässt den Starkoch gegen Feinde kämpfen, die er in der echten Welt so vermutlich nicht haben würde.
Ein weiterer kleiner Punkt, der Kennern leider sauer aufstößt, ist das Fehlen der Kopfbedeckung des Hauptdarstellers – Aber klar, sonst kämen seine schönen Haare nicht zu Geltung. Auch dass die Gerichte oft ohne Handschuhe verarbeitet werden und auch der Boden Handschuhfrei (!) geputzt wird, sind kleinere Versäumnisse und Unachtsamkeiten. Denn in der Küche, wo der Boden mit Chemikalien geschrubbt wird, die Kochschuhe nur für ein halbes Jahr überleben lassen, würde niemand diesen ohne Handschuhe putzen.
Aber abgesehen davon ist The Bear eine geniale Serie, die man sich unbedingt ansehen sollte. Allein schon aus dem Grund, ein realistisches Gefühl dafür zu bekommen, was in den meisten Küchen so abgeht.
© FX Networks – Screenshot
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