Die neue Netflix-Serie The Watcher ist seit langem wieder einmal ein gelungener Beitrag zum Horror-Genre. Das Star-Ensemble rund um Naomi Watts schafft es wirklich, uns das Fürchten zu lehren. Für alle Fans von American Horror Story ein Highlight.
Der erfüllte Traum des Vorortglücks
Die Brannocks haben es geschafft. Mit Hilfe all des hart ersparten Geldes schaffen sie es, sich die scheinbare Kirsche aller Vorortshäuser »unter den Nagel zu reißen«. Das Familienglück, bis jetzt immer nur vor Augen, ist endlich greifbar nah, man hat es sogar in den Händen. Der Kredit? Kein Problem, denn die lang ersehnte Partnerschaft des Pater Familias der Brannocks (hervorragend Bobby Cannavale, auch bekannt aus dem Netflix-Skandalfilm Blonde) in der Firma steht auch schon kurz bevor. Living the dream würde man da wohl sagen.
Doch so geschmeidig ist das Leben der Brannocks dann doch auf einmal nicht. Denn schnell wird klar: mit dem Traumhaus stimmt etwas nicht. Nächtliche Geräusche, ein totes Frettchen und die weirdesten Nachbarn, die man sich nur eben nicht wünschen zu gedenkt, eröffnen den sich sanft steigernden Horroreigen der seinesgleichen sucht. Was tun?
The Watcher und die Spirale des Wahnsinns
Alarmanlage, klar. Doch was hilft das alles gegen nächtliches Anläuten, Pistolenschussgeräusche inmitten der Nacht… und immer wieder diese wierden Nachbarn? Langsam aber sicher entfaltet sich eine Spirale des Wahnsinns, dem die Familie Brannock (rund um Mama Naomi Watts) nicht entrinnen kann.
Und das Schlimmste – für uns als Zusehende jedoch Gute daran – ist, dass sich alles ganz langsam entwickelt, sodass man geradezu sanft in einen Sog gezogen wird, aus dem niemand mehr heil herauszukommen vermag. Zu Beginn sind diese Vorfälle alles Dinge, die jedem und jeder passieren könnten, der oder die sich ein Haus am Land kauft und dem die Nachbarn oder wer auch immer, das Leben zur Hölle machen will (aka Streiche). Doch was ist, wenn Halloween für die Brannocks einfach nicht mehr aufhören will?

© Eric Liebowitz/Netflix 2022
Und auf einmal ist jeder und jede verdächtig und es gibt niemanden, wirklich niemanden, dem man vertrauen kann. Das gilt für alle. Auch für die Zusehenden. Ein Kampf beginnt, an allen Ecken und Enden. Gegen den Wahnsinn, gegen die Angst, gegen den finanziellen Ruin. Die Brannocks haben sich ihr Glück (wie schon erwähnt) so einiges kosten lassen. Das Traumhaus, das jetzt das Haus des Schreckens ist, verkaufen? Ein Verlust, denn man sich einfach nicht leisten kann. Doch der Irrsinn, seinen eigenen Instinkten nicht mehr trauen zu können, ist ein recht hoher Preis, denn jede*r könnte hinter dem Horror und Terror stecken, der immer übernatürlicher zu werden scheint.
The Watcher spielt gekonnt mit unseren Ängsten
Eine Bedrohung, die nur als Schatten existiert. Besonders furchteinflößend ist auch die Stimme aus dem Off, die die Briefe des Watchers vorliest, deren Inhalt dabei immer bedrohlicher wird. The Watcher spielt gekonnt mit unseren Ängsten und zelebriert dabei die Leichtigkeit, mit der sich Menschen von äußeren Umständen ziemlich schnell in den Wahnsinn treiben lassen. Unerwartete Wendungen und eine gut inszenierte Schnitzeljagd ist die Kirsche auf diesem Kuchen Marke Haunted-House, bei dem nichts so ist, wie es scheint.
The Watcher ist eine großartige Serie, die in viele Richtungen geht und einen wirklich lange mitfiebern lässt, was denn nun genau dahintersteckt, hinter dem Haus am 657 Boulevard. Zugleich ist die Serie aber auch eine geschickt vorgetragene Parabel über Obsession und die Fähigkeit oder Unfähigkeit loszulassen.
Titelbild © Netflix
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