Eine Bestatterin, die mit Leichen spricht? Kennen wir. Ein vermeintlicher Unfall, der sich als Mord entpuppt? Vermutlich der Stoff jedes zweiten Krimis. Ein Verbrechen, das „bis in die höchsten Kreise reicht“. Really? Die auf Bernhard Aichners Roman basierende, deutsch-österreichische Netflix-Serie bringt alles mit, was man schon kennt. Fazit: nichts Neues in den Tiroler Tälern.
Totenfrau – Die Ausgangssituation
Das Familienglück der Blums wird zerstört, nachdem Ehemann und Familienvater Mark, vor den Augen der Ehefrau und Mutter Brünhilde auf seinem Motorrad von einem Auto angefahren wird. (Durchaus eine Szene, die einen eiskalt erwischt!). Der oder die Fahrer*in begeht Fahrerflucht und Mark erliegt später seinen Verletzungen. Was zunächst wie ein Unfall aussieht, entpuppt sich jedoch immer mehr als Mord. Ein Mord, an dessen Aufklärung niemanden etwas zu liegen scheint. Und so kommt es, dass die Frau (hervorragend gespielt, das muss man sagen: Anna Maria Mühe) selbst ermitteln muss und sich immer mehr in einen Racheengel entwickelt.
Die Story
Fangen wir gleich mit dem Schlechten an und arbeiten uns langsam zum Guten vor: die Story. Einfach nur traurig! Eine Zumutung! Selten wurde man in letzter Zeit mit einer so langweiligen, vorhersehbaren und inspirationslosen Geschichte gequält, wie mit dem Plot der Totenfrau. Man wünscht sich fast selbst tot zu sein, um sich dem nicht aussetzen zu müssen. Man will gar nicht zu viel vorwegnehmen, weil man sonst von dem wenigen, was da ist, alles schon verraten könnte. Verraten? Echt jetzt?
Auch wenn dem Cast nichts vorzuwerfen ist – dieser ist eigentlich der einzige Grund, warum man sich die Serie auch nur annähernd ansehen sollte – und die Kulissen überragend sind. Das alles täuscht nicht über eine extrem einfallslose Story hinweg, wo der Autor in den 1950er Jahren steckengeblieben zu sein scheint. Einer Zeit, in der die Kirche noch so etwas wie Relevanz besaß. Und wo die größte Bauernfamilie im Dorf den größten Batzen Dreck auf ihrer Seele kleben hat.
Ihr erahnt es bestimmt: Die reichste Family aka Dynastie im Ort ist wieder einmal das Böse schlechthin und der Pfarrer hat natürlich auch Dreck am Stecken. For real? Kann man mittlerweile nicht einmal eine Story schreiben, in der nicht alles genauso vorhersehbar ist, wie es immer schon gewesen ist? Lieber Bernhard Aichner? Really? Der Pfarrer, die rich family, natürlich auch noch der Polizeichef und wer sonst noch alles.
Die Rollen sind hier dermaßen klar verteilt, dass man sich wirklich schon Sorgen darüber machen muss, ob es einfach keine neuen Geschichten mehr zu erzählen gibt. Doch natürlich gibt es diese: die Gastro-Serie The Bear zum Beispiel. Wie das Küchenleben hier anders und neu gezeigt wird, ist wahrlich erfrischend. Warum schafft man es also nicht, so etwas wie einen Funken Innovation auch bei der Totenfrau zu schüren? Es ist gerade so, als verweigere sich die Totenfrau vehement dem Neuen und verharrt stupide in den alten Mustern.
Totenfrau – Der Cast der vieles rettet, aber nicht alles
Die Serie Totenfrau ist aber dennoch tricky (nicht der Plot, natürlich), da die überaus lame Story durchaus bravourös von einem herausragendem Cast getragen wird. Gespickt mit österreichischen Topstars in den Nebenrollen (Robert Palfrader, Simon Schwarz – vor allem Gregor Bloéb ist hervorzuheben) schafft es wirklich jeder zu überzeugen. Sogar den Kindern nimmt man ihre Rollen ab.
Es ist wie zwei Seiten einer Medaille. Auf der einen, der überaus (sagen wir es so, wie es ist) beschissene Plot und dann diese hervorragenden, schauspielerischen Leistungen. Es ist fast so, als spielen die Darstellenden gegen die Dummheit des Plots an und versuchen zu retten, was zu retten ist. Und man muss es anerkennen: Auch wenn sie die dämliche Story nicht vergessen machen können (weil der Autor immer wieder etwas Dümmeres aus seinem Hut zaubert) so geben sie wirklich alles, um über die Schwächen der Geschichte hinwegzutäuschen. Was natürlich nicht immer gelingt.
Fazit
Totenfrau ist ein Dorf-krimi (im wahrsten Sinne des Wortes), um Machenschaften und sadistische Verbrechen. Leider total uninspiriert. Ein unerfahrenes Publikum lässt sie bestimmt leicht darüber hinwegtäuschen, dass die Story mehr als abgehalftert ist. Aber für all jene Menschen, die bessere Qualität gewöhnt sind, sollten von der Totenfrau lieber die Augen lassen. Es gibt besser Serien, wie The Watcher zum Beispiel, wo die Zeit besser investiert ist.
Titelbild © Netflix / ORF – Screenshot
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