Urlaubstrend „Grown-Up Getaways“: Warum immer mehr Erwachsene freiwillig ins Ferienlager fahren
Einmal wieder Kind sein. Ohne E-Mails, ohne Deadlines, ohne Scrollen. Stattdessen: Lagerfeuer, Gruppenspiele, Kajaktouren. Und das alles mit Gin Tonic statt Capri-Sonne. Willkommen zu dem Trend der „Grown-Up Getaways“. Ein Reisekonzept, das zwischen Nostalgie, Wellness und digitalem Detox die Urlaubsbedürfnisse vieler erschöpfter Großstädter deckt.
Lagerfeuer-Romantik mit Gin Tonic: Wenn Erwachsene wieder Zeltlager spielen
Was klingt wie ein Gag, ist in Wahrheit ein ernst zu nehmender Reisetrend: Erwachsene buchen Camps, um eine modernisierte Version ihrer Kindheits-Sommer zu erleben. Nur mit Komfort und oft einem Glas Rosé zum Sonnenuntergang. Angebote wie Camp Breakout bieten beispielsweise klassische Lagerfeuerabende, Gruppenspiele und sogar Nachtwanderungen. Daneben aber eben auch Spa-Bereiche zum Relaxen, Bar-Abende, um Urlaubsfreundschaften zu knüpfen und Detox-Menüs fürs Wohlbefinden.
Der Clou: Handys müssen in versiegelte Taschen. Denn der Digital Detox ist hier kein nettes Extra, sondern Pflicht. Das Ziel: maximale Entkopplung vom Alltag.
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„Es geht nicht ums Kindischsein, sondern ums Kindsein“, erklärt eine Teilnehmerin eines Berliner Grown-Up Camps. „Weniger Leistung, mehr Leichtigkeit.“
Und genau das trifft den Zeitgeist. In einer Welt, in der selbst der Urlaub durchgeplant, dokumentiert und bewertet wird, sehnen sich viele nach einem echten Ausbruch. Statt Instagram-Stories gibt’s Marshmallows am Feuer. Statt Zoom-Calls Gruppentänze am Seeufer.
Fitness trifft Freiheit: Gesundheit wird zum neuen Luxus
Neben Nostalgie ist aber auch Selbstoptimierung ein starker Treiber der „Grown-Up Getaways“. Camps wie das BLUEf!t® CAMP setzen auf funktionelles Training in der Natur, Yoga-Sessions im Morgendunst und vegane Ernährung am Lagerfeuer.
Dass solche Angebote derzeit beliebt sind, ist keine Überraschung. Denn statistischen Erfassungen und Prognosen zufolge verzeichnet der globale Wellness-Retreat-Markt ein jährliches Wachstum von 7,4 % (2023–2032). Also von 180,5 Mrd. USD (2022) auf 363,9 Mrd. USD bis 2032. Laut Yelp stieg das Interesse an Fitness- und Wellness-Retreats zuletzt ebenfalls stark an.
Die Mischung aus körperlicher Herausforderung, Naturerlebnis und spiritueller Entschleunigung scheint genau das richtige Gegengewicht zum durchgetakteten Arbeitsalltag zu sein. Was früher „Bootcamp“ hieß, heißt heute „Mind-Body-Retreat“. Und anders als bei klassischen Sportcamps steht hier nicht die Leistung, sondern das Wohlbefinden im Vordergrund. Es geht um Bewegung statt Muskelaufbau und um Achtsamkeit statt Wettbewerb.
Auch spezielle Nischenangebote boomen: Postpartum-Retreats für junge Mütter verzeichnen einen Anstieg von fast 500 % bei den Suchanfragen. Die Nachfrage nach Angeboten mit Community-Charakter, Rückzugsort und individueller Betreuung wächst. Gerade bei Frauen und Millennials.
Grown-Up Getaways mit Luxuslager statt Campingplatz
Manche Grown-Up Camps treiben das Konzept auf die Spitze. Zumindest bei der Preisgestaltung. Das Berliner Camp Social etwa verlangt über 1.200 Euro pro Tag. Und ist trotzdem regelmäßig ausverkauft. Der Grund dafür sind maßgeschneiderte Programme, wenige Teilnehmer*innen, exklusive Settings und eine Zielgruppe, die bereit ist, viel für Qualität und emotionale Erlebnisse zu zahlen.
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Die Camps inszenieren sich dabei bewusst als Gegenmodell zum Mainstream-Tourismus. Kein All-inclusive, kein Strandliegekrieg. Stattdessen Natur, Nähe und Nichtstun. In kleinen Gruppen entsteht so ein neues soziales Netzwerk. Und das ganz ohne Businesskarten oder LinkedIn. Man spricht miteinander und nicht nur über sich.
Besonders beliebt sind dabei die Angebote für Alleinreisende. Denn hier fällt die soziale Einstiegshürde. Man muss nichts leisten, niemanden beeindrucken, sondern nur da sein und entspannen. Das schafft Nähe in einer Zeit, die für viele von Einsamkeit geprägt ist, trotz (oder wegen) sozialer Netzwerke.
Grown-Up Getaways: Spielen gegen den Stress der Welt
„Grown-Up Getaways“ sind kein Retreat für ewig Kindgebliebene, sondern eine Reaktion auf eine Gesellschaft, die ihre Erwachsenen kaum mehr zur Ruhe kommen lässt. Zwischen Burnout, Bildschirmzeit und Beziehungsstress bieten sie eine Pause. Nicht nur vom Alltag, sondern auch von der eigenen Überforderung.
Sie sind eine Form des modernen Eskapismus. Vielleicht ist ja Erwachsensein gar nicht das Gegenteil von Kindsein, sondern eine Einladung, beides zu verbinden.
Oder wie es ein Teilnehmer eines Gateways sagt: „Ich kam als Projektleiter – und ging als Mensch.“
Titelbild © Shutterstock
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