Wenn eine Band ihre Musik mit Dreijährigen vergleicht, die auf Bauklötze eindreschen, weiß man: Es sind Tarzanelli – Felix, Hansi und Lukas (v. l. n. r.). Wir haben die Jungs in Wien getroffen, um herauszufinden, warum man sie nicht auf Spotify findet, wieso sie so heißen,wie sie heißen, und was Literaturwissenschaft und Horst Lichter mit Punk zu tun haben.
Welcher Hintergrund steckt hinter der Namenswahl?
Felix: Also, Hansi ist quasi italienischer Muttersprachler, nachdem er drei Jahre in Rom gelebt hat. Eigentlich wollten wir den deutschen Begriff nehmen, weil er ziemlich cool klingt, aber so hieß leider schon eine andere Band. Unsere aktuelle Mitbewohnerin spricht ebenfalls Italienisch und hat das Wort einfach mal übersetzt. So kamen wir auf: Tarzanelli.
Wie würdet ihr einem Dreijährigen eure Musik erklären?
Lukas: Ich glaube, der weiß das besser als wir. Ein Dreijähriger hat ja diese Bauklötze. Wenn er darauf herumhaut und wild dazu brabbelt, ist das in etwa das Niveau, auf dem wir uns bewegen. Wir versuchen, es so simpel wie möglich zu machen.
Und wie erklärt ihr es einem Siebenjährigen?
Lukas: Dem würde ich sagen: Stell dir einfach vor, wie ein Dreijähriger mit Bauklötzen spielt.
Felix: Das ist tatsächlich eine sehr treffende Umschreibung für Punkrock. Wir haben irgendwann gemerkt, dass unsere Lieder zu komplex waren – zu viele Akkorde, zu viel Anspruch. Also haben wir radikal gekürzt: weniger Text, weniger Zusammenhang.
Hansi: Uns geht es vor allem darum, dass man uns nicht auf Spotify hört – dort gibt es uns nämlich gar nicht. Es geht um die Live-Experience eines Punksongs. Der muss eindringlich sein und Punch haben. Da ist musikalische Abwechslung zweitrangig; die Stimmung zählt. Unsere Songs sind bewusst schlicht gehalten: schnell, in your face und perfekt für einen geilen Auftritt.
Mit welcher Band würdet ihr ungern verglichen werden?
Felix: Rammstein.
Ist das schon mal passiert?
Felix: Wir haben tatsächlich einen Song, in dem es um die „Row Zero“ geht. Aber unsere Row Zero ist viel cooler als deren: Bei uns stehen dort nämlich unsere Eltern und jubeln uns zu.
Lukas:In Interviews sagen viele, wir wären die deutschsprachigen Rolling Stones. Ich finde, das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Hansi: Wir werden auch extrem ungern mit ABBA verglichen. Das ist zwar noch nie passiert, aber ich fände es kacke.
Was ist eure irrationalste Angst auf der Bühne?
Lukas: Ich habe unheimliche Angst vor Felix. Sowohl um das Equipment, das um ihn herumsteht, als auch um das Publikum – und ein bisschen auch um mich selbst.
Felix: Wenn ich mit meinen Tarzanelli-Jungs auf der Bühne stehe, kenne ich keine Angst. Da ist kein Platz für solche Gefühle.
Wer ist euer nicht-musikalisches Vorbild?
Felix: Horst Lichter. Hansi hat den passenden Schnauzer, und Lukas und ich bekommen langsam eine Glatze.
Ist es schwer, in Wien erfolgreich zu werden?
Lukas: Auf keinen Fall! Bei uns hat es ja auch recht unkompliziert geklappt.
Felix: Wien ist eine sehr dankbare Stadt. Die Konkurrenz ist jetzt auch nicht so krass, deswegen geht man hier gefühlt ziemlich schnell durch die Decke.
Hansi: Vor allem durch die Gürtellokale hat man viele Möglichkeiten. Es gibt etliche kleine Bars, in denen man niedrigschwellig anfangen und zocken kann. Die Anforderungen sind nicht so hoch, man kann wunderbar Bühnenerfahrung sammeln und Leute kennenlernen.
Was könnt ihr als Punkband absolut nicht mehr hören? Gibt es Aussagen, die euch nerven?
Lukas: „Ich bin ja kein Rassist, aber …“
Felix: Ich habe heute einen Text zur Literaturwissenschaft gelesen. Das ist für mich ein Oxymoron, weil Literatur und Wissenschaft völlig gegensätzliche Begriffe sind. Punk zu definieren, ist genau dasselbe. Es ist verdammt schwierig festzulegen, was Punk sein muss. Punk kann alles sein – selbst Horst Lichter kann Punkrock sein. Es kommt nur darauf an, wie man es definiert. … Kannst du die Frage nochmal wiederholen?
Was könnt ihr als Punkband nicht mehr hören?
Lukas: „Ah, ihr macht also das, was Green Day macht.“
Wo würdet ihr eines Tages am liebsten spielen?
Felix: Eine Homecoming-Tour nach Hannover. Einmal in der Heinz-von-Haydn-Arena zocken – das wäre der absolute Traum.
Hansi: Ich fände die Donauinsel ziemlich geil.
Wie sieht euer Ranking bei Käsekrainer, Berner Würstel und Frankfurter aus?
Hansi: Käsekrainer auf Platz 1, Frankfurter auf der 2 und die Berner landen auf Platz 3.
Eurovision Song Contest oder DSDS: Wo würdet ihr niemals landen wollen?
Felix: Boah, DSDS wäre schon extrem lustig. Ich finde, beides hat seine… Nachteile. Aber der ESC wäre sicher witzig.
Für welches Land würdet ihr antreten?
Lukas: Wenn ESC, dann für Deutschland. Da hat niemand Erwartungen, das passt perfekt zu uns.
Wenn ihr eine U-Bahn-Station wärt, welche wäre das?
Lukas: Jägerstraße. Auf jeden Fall irgendwas an der U6.
Wie sind die Aufgaben bei euch verteilt?
Felix: Hansi und ich sind primär dafür zuständig, dass das Bier kalt ist.
Hansi: Genau. Wir proben aktuell in Felix‘ und meiner Wohnung. Dementsprechend stellen wir den Raum und die Kaltgetränke, und Lukas bringt den Bass mit.
Felix: Musikalisch ist jeder für seinen Part verantwortlich: Lukas schreibt die Basslines, Hansi die Drumparts. Wir quatschen uns zwar gegenseitig rein, aber die Hauptverantwortung liegt beim jeweiligen Musiker. Ich kümmere mich um Gitarre und Texte. Wobei es beim Text wichtig ist, dass Einflüsse von allen dabei sind, weil das die Band repräsentiert. Lukas bringt mittlerweile super Sachen ein und Hansi hat auch gute Ideen, sodass wir das gemeinsam gestalten.
Titelbild © Tarzanelli / Felix Warmuth
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