Am 30.9.2027 läuft die geltende Konzession für elektronische Lotterien offiziell aus – ein ambitionierter Modellentwurf steht in den Startlöchern. Wie sehr weicht er von der bisherigen Regulierung ab und was könnte sich im nächsten Jahr für Branche und Verbraucher ändern?
Neue Limits bei Einzahlungen, umfangreichere Anbieterauswahl für Spieler sowie ein zentrales Spielersperrsystem: Das zeichnet den neuen Entwurf aus. Gleichzeitig soll auch an den grundlegenden Regeln für die Vergabe von Online-Konzessionen gefeilt werden.
Das Regulationspaket ist bisher zwar noch nicht zu 100 % in trockenen Tüchern, aber wohin die Reise schlussendlich gehen könnte, lässt sich gut einschätzen.
Das österreichische Modell ist im direkten Vergleich recht übersichtlich gestrickt
Alle elektronischen Lotterien in Österreich (und damit das konzessionierte Online-Glücksspiel) fallen derzeit unter eine einzige Konzession. Diese Berechtigung gehört der Österreichischen Lotterien GmbH. Sobald sie endet, muss ohnehin alles neu vergeben werden – das Zeitfenster bis zum Stichtag wird nun dazu genutzt, eine umfassende Reform vorzubereiten.
Nach der Begutachtung ist das Vorhaben inzwischen einen Schritt weiter. Anfang August wurde der geplante Gesetzestext zur vorgeschriebenen Notifikation an die Europäische Kommission übermittelt. Damit läuft eine dreimonatige Stillhaltefrist. Der politische und parlamentarische Prozess kann währenddessen weitergehen, ein endgültiger Beschluss ist aber erst danach möglich.
Am grundlegenden Plan hat sich bislang nichts geändert: Statt eines einzigen konzessionierten digitalen Angebots könnten künftig mehrere Plattformen nebeneinanderstehen.
Unterschiede bei Bedienung, Online-Zahlungswegen und dem Spielangebot dürften bei mehreren konzessionierten Anbietern für Nutzer somit deutlich sichtbarer werden.
Im Entwurf steht – 250 € / Woche
Die auffälligsten Änderungen betreffen nicht die Zahl der Casinos, sondern das Spielkonto, denn es sind feste Limits für jüngere Erwachsene vorgesehen:
Wer unter 26 Jahre alt ist, muss sich mit einem Limit von 250 € für eine Woche anfreunden. Ältere Spieler sollen 1.680 € pro Monat einzahlen können und Abweichungen könnten unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein.
Selbst gesetzte Limits erhalten auch mehr Gewicht, denn eine Erhöhung soll nicht sofort wirksam werden. Eine Wartefrist von 72 Stunden ist vorgesehen – wer sein Limit jedoch reduzieren möchte, müsste darauf nicht warten.
Gesetze klingen abstrakt, bis sie in App & Browser auftauchen
Ein Einzahlungslimit braucht beispielsweise eine sichtbare Anzeige. Das eigene Monatsvolumen muss irgendwo nachvollziehbar sein. Eine 72-Stunden-Frist funktioniert nur, wenn klar erkennbar ist, wann eine gewünschte Erhöhung tatsächlich greift.
Auch bei Sperren und Spielhistorie dürfte die Bedienung auf dem Smartphone und am PC wichtiger werden. Ein gutes System versteckt solche Funktionen nicht drei Menüs tief.
Damit verschiebt sich der Vergleich ein Stück weit. Tausende Slots oder ein großer Bonus bleiben auffällig. Im täglichen Gebrauch kann aber eine sauber aufgebaute Kontoverwaltung wesentlich angenehmer sein.
Die Besteuerung des heimischen Online-Glücksspiels wurde bereits angehoben
Für Lotteriespiele stieg die Glücksspielabgabe von 16 % auf 17,5 %, beim Automatenglücksspiel von 10 % auf 11 %: Laut offiziellen Angaben der Bundesregierung sollen Glücksspielunternehmen auf diese Weise 31 Millionen € zur Budgetsanierung beitragen.
Die Reform wird also nicht isoliert betrachtet – Glücksspiel ist für Österreich Freizeitangebot, regulierter Markt und eine wichtige Steuereinnahmequelle des Staates gleichzeitig.
Wie genau diese Interessen künftig ausbalanciert werden, dürfte in den kommenden Monaten noch für Diskussionen sorgen.
Auch die staatliche Kontrolle soll neu organisiert werden. Eine klarere Trennung zwischen Lizenzvergabe, Aufsicht und den finanziellen Interessen des Bundes ist das Ziel. Für Spieler klingt das zunächst nach Verwaltungssprache. In der Praxis geht es aber darum, wer sich um Beschwerden kümmert, Betreiber kontrolliert und bei Problemen rechtlich eingreift.
Einzelne Zahlen und Regeln sollte man noch nicht so behandeln, als würden sie morgen gelten, denn bis zur endgültigen Beschlussfassung können Grenzen verändert, Übergangsfristen ergänzt oder ganze Teile des Entwurfs neu formuliert werden.
Mehr Auswahl auf der einen, deutlich mehr Vorgaben auf der anderen Seite
Wenn mehrere konzessionierte Anbieter auf den Markt kommen, wird der Unterschied für Spieler ziemlich schnell sichtbar. Dann steht nicht mehr nur ein digitales Angebot im Raum, sondern mehrere Plattformen, die um dieselben Kunden konkurrieren.
Das klingt zunächst nach mehr Freiheit. Gleichzeitig zieht der Entwurf die Schrauben an anderer Stelle deutlich fester an.
Limits, Sperren und Kontodaten müssten technisch sauber abgebildet werden. Wer wissen will, wie viel er in diesem Monat bereits eingezahlt hat, sollte das nicht erst irgendwo im Kleingedruckten finden. Gleiches gilt für eine selbst gesetzte Grenze oder die Frage, wann eine Änderung tatsächlich aktiv wird.
Damit könnten plötzlich Dinge wichtig werden, die bisher kaum jemand auf einer Startseite bewirbt. Eine verständliche Kontoverwaltung zum Beispiel. Oder eine Kasse, bei der man nicht fünf Untermenüs öffnen muss. Ein Blick auf Online-Vergleichsportale würde dadurch interessanter. Bei mehreren österreichischen Konzessionen ließe sich ein Online Casino im Vergleich nicht mehr bloß über Bonus, Spielzahl und Zahlungsmethoden einordnen. Dann würde stärker auffallen, welcher Anbieter seine Regeln ordentlich erklärt und bei welchem man sich erst durch mehrere Seiten klicken muss.
Für die Betreiber wird dieser Umbau alles andere als klein. Neue Systeme müssen an bestehende Plattformen angeschlossen werden, Daten müssen korrekt fließen und ein zentrales Sperrregister funktioniert nur dann, wenn der Abgleich auch wirklich schnell läuft.
September 2027 klingt noch nach viel Zeit. Für neue Konzessionen, technische Anpassungen und mögliche Änderungen am Gesetz ist das aber kein besonders großzügiger Puffer.
Darum wird wahrscheinlich schon lange vor dem Stichtag ersichtlich, wohin sich der Markt bewegt. Mehr Anbieter wären neu dabei. Mehr Regeln ebenfalls. Spannend wird am Ende vor allem, wie gut beides zusammenpasst.
Titelbild © Pexels
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