Es ist wieder so weit. Und es hat nicht lange gedauert. Amazon Prime wirft uns wieder eine vermeintliche Serienrevolution vor die Glupscher und strebt nichts anders als die serielle Weltherrschaft an. Warum die Serie Citadel nicht nur semi-schlecht, sondern sogar gefährlich ist.
Citadel: Prämisse und Potenzial
Die Ausgangslage ist durchaus spannend und auch vielversprechend. Wer ist der beste Spion, die beste Spionin? Jede*r, der oder die selbst nicht weiß, dass er oder sie eine*r ist. Nach diesem Credo hat das globale Spionagenetzwerk Citadel, acht Jahre zuvor und kurz vor seiner Zerschlagung, einfach die Erinnerungen seiner Agent*innen gelöscht.
Seitdem führen diese ein unauffälliges Leben unter falscher Identität. Ohne das natürlich zu wissen. Das Wissen darüber nutzen jetzt aber leider die Falschen. Das Verbrechersyndikat „Manticore“ will mithilfe dieser verlorenen Spion*innen eine neue Weltordnung aufstellen. Pläne, größenwahnsinnig wie jene aller James Bond-Bösewichte.
Amazon Prime: alte Scheiße und viel Geld
Die Story ist nicht neu. Es gibt zum Beispiel den Film Telefon (1977) von Altmeister Don Siegel und mit Charles Bronson, wo ebenfalls vergessene Agent*innen, die natürlich nichts von ihrer Rolle wissen und ahnen, reaktiviert werden und Chaos anrichten.
Alte Scheiße wieder aufgewärmt servieren ist nicht immer ein Problem. Martin Scorsese hat sogar mehrmals bewiesen (Cape Fear und Departed), dass ein geniales Original durch ein noch weitaus genialeres Remake auf die nächste Stufe gehievt werden kann. Citadel verfügt darüber hinaus auch noch über massenweise Budget. Mehr Geld als Scorsese jemals ausgeben dürfte. Es könnte also klappen.
Citadel: Mega-Budget, aber kein Scorsese
Vorsicht, Spoiler: Citadel hat ein Mega-Budget. Doch leider hat es keinen Martin Scorsese. Die Thriller-Serie wurde nämlich vom Regie-Duo Anthony und Joe Russo umgesetzt. Bekannt für einige Avengers-Filme und The Grey Man (die teuerste Netflix-Produktion bis jetzt). Ryan Gosling spielte da auch noch mit. Die beiden wissen daher vor allem eines, und scheinbar nur das, wie man viel Geld beim Fenster hinauswerfen kann. 250 Millionen Dollar verschlang das Megaprojekt Citadel für nur sechs Episoden.
© Amazon Studios
Man kann sich denken, dass da so einiges von dem Geld für die Action draufgegangen ist. Natürlich versucht man auch noch eine gewisse Romantik reinzubringen. Der einstige Agent (Richard Madden) soll eine andere Agentin (Priyanka Chopra Jonas) reaktivieren. Brisant: mit dieser Frau war er früher einmal sogar romantisch liiert. Werden sich die beiden an ihre einstigen Gefühle füreinander erinnern können und die bösen Pläne der Bösewichte durchkreuzen können? Eine großartige Log Line, by the way.
Amazon Prime: Franchise-Idee à la Marvel
Netflix and Chill-Potenzial hat die Serie leider nicht. Doch schon jetzt ist klar, dass Citadel nicht nur eine Serie, sondern den Grundstein für ein ambitioniertes Franchise-Projekt legen soll. Ähnlich wie bei dem Marvel-Franchise. Was in der Filmwelt hervorragend funktioniert, müsste auch in der Serienwelt Früchte tragen, so die Logik.
In Italien und Indien laufen schon die Vorbereitungen für Ableger. Natürlich mit lokalen Schauspieler*innen. Mexiko soll noch folgen. Warum man sich dieselbe Geschichte, in immer anderen Sprachen ansehen soll, ist da eine andere Frage. Aber warum nicht?
© Amazon Studios
Fazit: Citadel, Marvel, Amazon und die Wiederholung des Ärgsten
Citadel: aalglatte und charakterlos inszenierte Figuren, ohne Charisma und Finesse führen durch Sets, Stunts und eine Hochglanzoptik, die eher an seelenlose Kino-Blockbuster erinnert, als an eine außergewöhnliche Agent*innenserie. Seelenlos ist die Serie aber allemal.
Denn es geht Citadel nicht um Inhalt. Es geht um ein „weltumspannendes Mosaik, rund um eine zentrale Erzählung zu erschaffen.“, so die Russo Brüder, als Produzenten natürlich an allen Spin-offs beteiligt. Bei diesen megalomanischen Plänen muss man sich berechtigterweise fragen, ob die Macher der Serie nicht die wahren Bösewichte sind? Ich recycle (obwohl das Wort für dieses Unterfangen noch zu positiv dünkt) altbekannte und abgelutschte Inhalte und reproduziere diese für jedes Land, mit der immergleichen Story. McDonalds lässt grüßen.
Klar, soll jede Serie ein neues Serienuniversum erschließen und auf die kulturellen Besonderheiten des jeweiligen Schauplatzes eingehen. Doch was ist mit dem Inhalt? Wenn immer nur ein und dieselbe Geschichte (Inhalt) erzählt wird, macht es da wirklich einen Unterschied, ob die Sprachen und die Orte anders sind? Was immer im Citadel-Projekt noch so passieren wird, inhaltlich wird nichts passieren. Und sonst? „Die Wiederholung des Ärgsten.“, wie Michel Houellebecq irgendwo einmal so treffend geschrieben hat.
Titelbild © Amazon Studios
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