Nein, Overthinking ist keine neue Krankheit, kann aber krank machen. Das ins Deutsch übersetzte „Grübeln” ist kein zielgerichtetes Nachdenken, sondern vielmehr ein tiefes Nachsinnen. Schön wäre es, wenn das intensive Beschäftigen eine Problemlösung herbeiführen würde, jedoch ist dies ein Irrglaube. Studien belegen, dass das ständige zerlegen von Gedanken zu genauso viel Stress führt, wie der Auslöser selbst. Das „Gedankenkarussell” zu stoppen, gestaltet sich als äußerst schwierig. Nur ein Umdenken und Lenken des alltäglichen Analysierens kann zu einer entlastenden Wirkung führen.
Oftmals spiegeln Gedanken nicht die wahrhaftige Realität dar. Unbeholfen sein eigenes Denken zu hinterfragen, hilft nicht dabei seine „negativen”, unkontrollierten und wirren Gedanken zu sammeln und in etwas Brauchbares umzupolen. Durch die Ansammlung einzelner negativer Gedankenstränge verliert man die Kontrolle und wandert hilflos von einem Szenario zum anderen. So gelingt es einem nicht dem gedanklichen Teufelskreis zu entkommen.
Das Gegenteil zum negativ belasteten „Overthinking“ wäre das Ausmalen von schönen Ereignissen wie dem geplanten Urlaub oder der ersehnten Auszeit nach einem langen anstrengenden Arbeitstag. Den Stress hinter sich lassen und Ausgleich im Sport zu suchen, macht den Kopf frei und schafft Platz für einen kreativen, ausgleichenden und beruhigenden Prozess im Hirn.
Overthinkink alias Kopfschmerzen
Niemand kann die Zukunft voraussagen oder sich auf diese vorbereiten. Psychologin Susan Nolen-Hoeksema unterteilt das Grübeln in drei Formen, dem übertriebenen, chaotischen und sich selbst verstärkenden Nachsinnen.
© Shutterstock
Während bei der ersten genannten Form eine offenbarte Kritik überbewertet wird, werden im zweiten Fall Gedanken miteinander verbunden, die nichts miteinander zu tun haben. Bei der letzten Variante versteifen sich die Grübler auf eindeutig bewiesene Annahmen und quälen sich aufgrund der belastenden Wirkung. „Ich bin nichts wert” oder „Alle sind gegen mich” sind übliche Ausdrucksformen der dritten Variante.
Kopf aus, Bauchgefühl an
Sich von seinen Gedanken frei zu machen, ist leichter gesagt als getan. Denn wer kann schon seinen Kopf ausschalten? Niemand! Das ewige „was wäre, wenn…” kennen Grübler nur zu gut. Sie beschäftigen sich gerne und intensiv mit bevorstehenden Situationen und wägen ganz genau jedes Szenario ab.
In ihrem Kopf gehen sie alle möglichen Endungen durch, als wäre es ein Roman mit verschiedenen Wahl-Optionen. Sich zu entscheiden fällt schwer, sodass diese Herangehensweise nur noch mehr Kopfschmerzen verursacht, als einen logischen Lösungsweg herauskristallisiert.
„Einfach” Loslassen – Overthinking beenden
Wenn es um das Loslassen geht, denken viele es sei ein reines Frauenproblem, doch Studien zufolge sind auch Männer von dem Übel betroffen. Frauen leiden bis zu dreimal häufiger an depressiven Verstimmungen, allzumal sie stärker ihre linke Gehirnhälfte beanspruchen und diese zu einer logisch strukturierten und analytischen Auffassung hinführt. Männer hingegen aktivieren bei Entscheidungen die rechte Gehirnhälfte und begegnen Problemen gegenüber intuitiv und auf emotionaler Ebene. Folglich wollen Männer Probleme wegdrücken und Frauen über diese sprechen.
Ängste und Sorgen
Alles zerdenken ist weder hilfreich noch gesund! Gegenwärtige Sorgen und Ängste, sowie vergangene Schicksalsschläge können fatale Schäden verursachen und zu Blockaden führen.
Verdrängte oder gefürchtete Situationen können die Vergangenheit wieder aufwirbeln und für den Betroffenen bedrohlich wirken. Hierbei gilt Ruhe zu wahren, bekräftigende Worte zu finden und der Realität ins Auge zu blicken. Unterbewusst malt man sich nämlich, besonders in eingeprägten Konfrontationen, die schlimmsten Dimensionen aus und glaubt diese durch vorbeugendes Denken zu beherrschen, was jedoch das Gegenteil anzieht.
Der Ausweg
Einen Ausblick aus der Grübelfalle, dem Overthinking oder den Versagensängsten sieht die Schriftstellerin Gwendoline Smith im Wahrheitscheck. “Überprüfe, ob deine Gedanken auf Fakten, Wahrheit und Realität beruhen, und frage dich, ob sie dir in irgendeiner Weise wirklich helfen”, rät Smith.
Schrei dich frei von gefangenen und festgefahrenen Gedanken und lenke deine Aufmerksamkeit auf das Wesentliche hier und jetzt. Der laut ausgesprochene Satz „Meine Gedanken sind keine Fakten”, soll einen wieder auf den Boden der Tatsachen bringen und eine lösungsorientiert Sichtweise einleiten.
The Book of Overthinking
Das Buch “The Book of Overthinking: How to Stop the Cycle of Worry” liefert den essentiellen Inhalt für einen Fluchtweg aus unseren Gedanken. Die Autorin Gwendoline Smith schildert in ihrem Buch, was genau in den Köpfen von Grüblern vor sich geht und versucht dies anhand nützlicher Beispiele und Strategien zu lösen und einen gefilterte Blick auf die tatsächlichen Probleme zulegen. Die Lösung ist der Weg. Demnach soll auf persönlicher, geschäftlicher und Beziehungsebene gearbeitet werden, um möglichst alle problematischen Bereiche abzudecken.
© Shutterstock
Titelbild © Shutterstock
DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN
Coole Straße, coole Aktion - Stadt Wien erhöht weiterhin die Lebensqualität
Sommer in der Stadt – einerseits denkt man dabei an laue Abende am Donaukanal, Outdoor Raves und Abkühlungen an der alten Donau. Andererseits aber auch an glühenden Asphalt, unerträgliche Hitze und daraus resultierend die nervenaufreibende Unfähigkeit, auch nur einen Finger zu rühren – das könnte sonst zum nächsten unerwünschten Schweißausbruch führen. Die Raves und anderen Partygelegenheiten werden heuer wohl coronabedingt in abgespeckter Version, wenn überhaupt, zustande kommen. Für Erfrischung und angenehme Atmosphäre tagsüber sollen währenddessen die Coolen Straßen der Stadt Wien sorgen.
Warum es cool ist, am Valentinstag kein Date zu haben
Der Valentinstag steht vor der Tür, und überall sieht man Herzen, Blumen und Pärchen, die ihre Liebe zelebrieren. Doch was, […]
Hobbyholic und FOMO: Wie uns Freizeitstress psychisch ruinieren kann
Die Pandemie hat uns gebremst. Wir mussten unser Leben von einen Tag auf den anderen an die neuen Umstände anpassen […]
Wisch dir den Winter weg! Tipps und Tricks für deinen Frühjahrsputz
Die ersten Sonnenstrahlen blitzen durch das Fenster, die Vögel zwitschern, die Tage werden länger- der Frühling steht vor der Tür. […]
Bye Bye, Internet Explorer: Die 10 besten Memes und Reaktionen
Eine unglaubliche Ära der Häme und der Schmach endet. Der Internet Explorer ist Geschichte. Das World Wide Web macht sich […]
Warum das "Cool Girl" eigentlich alles andere als cool ist
Die Popkultur hat schon viele Phänomene hervorgebracht, eines davon ist das „Cool Girl“. Stars wie Mila Kunis, Jennifer Lawrence und Megan Fox sind der Inbegriff des „Cool Girls“. Was genau ist ein Cool Girl und warum ist das Ganze alles andere als cool?











