Es gibt und gab ja so einige Trends, die sich bei genauerem Hinsehen, als Tierquälerei entpuppt haben. Man denke nur an die Eseltaxis auf Santorini. Oder die Grillen, die in China als Kampftiere gegeneinander in den Ring steigen. Neuester Trend, der im Verdacht steht, Tierquälerei zu sein: das Puppy Yoga.
Puppy Yoga: Wellness mit Welpen?
Ein neuer Trend lässt die gelangweilten Daumen die Like-Zahlen wieder in die Höhe schnallen und sorgt für reihenweise Entzücken: Puppy Yoga. Der Begriff hat dabei gar nichts mit der Pose „Herabschauender Hund“ oder anderer Yoga-Positionen zu tun. Denn dabei wird der Trendsport Yoga lediglich inmitten einer Schar von Welpen praktiziert. That’s it!
Doch wer jetzt denkt, wie lustig, lieb und glückversprechend das doch ist, der irrt sich gewaltig. Die Wiener Tierschutzombudsstelle kritisiert das Puppy Yoga nämlich aufs schärfste: „Wir beobachten mit großer Sorge, wie hier schutzbedürftige Tiere für ein ‚besonderes Erlebnis‘ missbraucht werden“, erklärt Eva Persy.
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Puppy Yoga: neuester Trend aus Übersee
Über Social-Media-Plattformen hat Puppy Yoga im englischsprachigen Raum lange schon einen Trendstatus erreicht. Dieser ist mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum angekommen. Die Bedingungen für Puppy Yoga sind, wie schon erwähnt, nicht allzu kompliziert: Die von allen geliebte Yoga-Stunde wird dabei einfach durch die Anwesenheit von acht bis zehn Wochen alter Hundewelpen erweitert. Sweet!
Natürlich nicht einfach so, denn die Anbietenden solcher Yoga-Sessions werben natürlich damit, dass es sich bei den Hunden um zertifizierte Zuchthunde handelt, die von der Yoga-Stunde ebenso profitieren, wie die Menschen, weil sie dort soziale Interaktion erleben.
Was sich beim ersten Lesen als nachvollziehbar anhört, ist jedoch kompletter Bullshit, oder Dogshit, um beim Thema zu bleiben, da die Tiere mit der Situation einfach überfordert sind, wie die Tierschützerin Persy weiter erläutert.
Warum genau ist Puppy Yoga so problematisch?
Ganz einfach, weil die acht bis zehn Wochen alten Welpen in dieser Zeit eine kritische Phase in ihrer Sozialentwicklung durchlaufen. Die Teilnahme an einem solchen Yogakurs, bei dem sie von verschiedenen Menschen gehalten, berührt und fotografiert werden, kann ihre soziale Entwicklung stark beeinträchtigen und sie überfordern.
Es ist wichtig, dass Hundewelpen behutsam an ihre Umgebung gewöhnt werden. Nur Rückzugsorte allein reichen da nicht aus, da die Welpen in dieser aufregenden Situation möglicherweise nicht von selbst zur Ruhe kommen und ihre Bedürfnisse vernachlässigt werden können. Dies könnte zu Verunsicherung führen und dazu, dass die Welpen das Vertrauen in ihre Bezugspersonen verlieren.
Zusätzlich besteht die Gefahr von Verletzungen, wenn die Welpen zwischen den Menschen im Raum herumtollen. Es ist auch wichtig, dass die Welpen ausreichend Ruhephasen haben, da sie einen Großteil des Tages schlafen müssen, erklärt die Tierschutzorganisation Peta.
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Überfüllte Tierheime: Puppy Yoga könnte die Nachfrage nach Welpen erhöhen
Weiteres, nicht zu unterschätzendes Problem: Angebote von Yoga-Kursen mit Hundewelpen könnten die Nachfrage nach diesen Tieren steigern. Insbesondere nach Trend- und Rassewelpen. Dies geschieht gerade zu einer Zeit, in der die Tierheime in Deutschland ohnehin schon stark überfüllt sind und sogar Aufnahmestopps verhängt werden.
Das Puppy Yoga verstärkt diese Problematik nur noch. Denn nach einer kurzen Zeit, sind diese Hunde eben keine Welpen mehr, sondern ausgewachsene Hunde. Als solche sind diese dann eventuell zu groß, für die Yoga-Räume. Und sind dann vermutlich auch nicht mehr süß genug, um dort weiter Verwendung zu finden. Auch von den Besitzer*innen könnten die Hunde nicht mehr gewollt werden, sobald sie nicht mehr so klein und niedlich sind.
Darüber hinaus werden bei vermeintlich seriösen lokalen Züchtern immer wieder schreckliche Zustände und Misshandlungen aufgedeckt. Die Zucht von Welpen konzentriert sich dabei hauptsächlich auf Gewinn und geht allzu oft auf Kosten des Wohlergehens der Tierbabys. Jährlich werden etwa 350.000 Tiere in deutschen Tierheimen abgegeben oder ausgesetzt.
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Stuttgarter Veterinäramt verbietet Puppy Yoga
Und auch wenn die Anbietendenden solcher herzerweichender Kurse das Gegenteil behaupten, so sind „aus Tierschutzsicht solche Angebote jedoch höchst bedenklich“, sagt Persy weiter. „Ein solches Ganztagsprogramm hat nichts mit hundegerechter Sozialisierung zu tun.“ Zudem dränge sich die Frage auf, ob es sich beim Puppy Yoga nicht auch um ein Geschäftsanbahnungsmodell für den Verkauf von Welpen handle. Eine Stunde Yoga mit Welpe to go.
Aus all diesen Gründen hat das Stuttgarter Veterinäramt sämtliche Puppy Yoga-Kurse vorerst einmal verboten, da es sich dabei laut Tierschutzgesetz um das „gewerbsmäßige Zurschaustellen von Welpen“ handelt. Wobei das betreffende Studio hierfür keine Genehmigung hatte.
Die Veterinärbehörde will nun die Geschäftsidee mit Hinblick auf das Tierwohl kontrollieren. Wie die Sache ausgehen wird, darauf darf man jedoch gespannt sein. Denn dass Tiere keine Sportgeräte und noch weniger Unterhaltungsobjekte sind, scheint noch nicht sehr vielen Studios, aber auch nur einigen Menschen wirklich klar zu sein.
Bilder © Shutterstock
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