Der Job der InfluencerInnen ist es, sich selbst auf ihren Social-Media-Kanälen zu vermarkten. Wenn es aber um ernste Themen geht, sollten sie ihre Selbstinszenierung hinterfragen – so auch, wenn sie sich für #BlackLivesMatter einsetzen.
Am 25. Mai 2020 wurde der Afroamerikaner George Perry Floyd in Minneapolis von einem Polizisten getötet. Die Tat wurde gefilmt und sorgte weltweit für Aufsehen. Menschen demonstrierten online und auf den Straßen unter dem Slogan „Black Lives Matter“, um ein Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt zu setzen. Unter ihnen auch zahlreiche BloggerInnen.
Dass so viele Menschen Solidarität zeigten, ist grundsätzlich zu befürworten. Es gab keinen einzigen Amerikanischen Bundesstaat, in dem keine Black Lives Matter Demo stattfand. Bei der Demonstration in Wien nahmen 50.000 Menschen teil und unter dem Hashtag #BlackLivesMatter finden sich mittlerweile über 21 Millionen Beiträge auf Instagram.
Unter ihnen keinesfalls nur eingefleischte AktivistInnen: auch bekannte Beauty – oder FashionbloggerInnen nutzten ihre Reichweite plötzlich für das Thema – noch immer zu befürworten. Blöd nur, dass sich manche InfluencerInnen dermaßen selbst inszenierten, dass es schwerfällt, ihnen ihr Engagement abzukaufen.
Eine BLM-Demo ist nicht Coachella, Girl
Aber einen Schritt zurück. Die Instagramseite „influencersinthewild“ postet behind-the-scenes-Videos von InfluencerInnen. Man sieht, was sie alles anstellen, um das perfekte Foto hinzubekommen – pure Unterhaltung, sag ich euch. Eben diese Instagramseite postete auch einige Videos von InfluencerInnen auf Black Lives Matter Demonstrationen.
Zu sehen sind leicht bekleidete Frauen, die sich vor den DemonstrantInnen in sexy Posen werfen, um das perfekte Foto zu schießen. Versteht mich nicht falsch, jeder Mensch und jede Frau soll anziehen dürfen was sie will. Die Outfits der Frauen sehen aber eher so aus, als hätten sie sich am Weg zum Coachella verlaufen.
In den Kommentaren unter den Videos entstand ein riesiger Shitstorm. Viele Menschen fanden das Verhalten der InfluencerInnen unangebracht. Andere meinten wiederum, dass der Hate übertrieben wäre. So zum Beispiel Model und Schauspielerin Marie Nasemann – mega sympathische Frau, wie ich finde. In ihrer Instastory sagte sie, dass es ja sein kann, dass diese Personen zuvor selbst stundenlang auf der Demo waren, sich wirklich gegen Rassismus einsetzen und ein Foto von sich gemacht haben, weil sie wissen, wie der Algorithmus auf Instagram funktioniert und sie mit einem solchen Bild mehr Menschen erreichen, als wenn nur ein Schild zu sehen ist. Und dass die Aufmerksamkeit, die damit für #BlackLivesMatter gewonnen wird, zu befürworten ist.

Credits: Screenshot Video von influencersinthewild
Natürlich sollten wir nicht zu streng miteinander umgehen und Menschen, die sich für eine gerechtere Welt einsetzen, supporten, anstatt sie zu haten. Man kennt ja auch die Diskussionen zwischen VeganerInnen oder FeministInnen, wenn sie sich in der Definition ihrer Überzeugungen nicht einig sind. Ja, das ist manchmal übertrieben und es wäre besser, am gemeinsamen Ziel festzuhalten. Manchmal ist Kritik aber angebracht.
Kein Platz für Selbstinszenierung
Es stimmt wohl, dass man in den Sozialen Medien mehr Aufmerksamkeit bekommt, wenn auf einem Foto eine Person zu sehen ist oder das Foto toll inszeniert ist. Wie man sich auf so einem Foto darstellt, was man dabei anhat und welche Message man in der Bildunterschrift rüberbringt, macht jedoch einen großen Unterschied. Die Demonstrationen gegen Rassismus kann man nicht mit der Regenbogenparade vergleichen, wo ausgelassen gefeiert und in bunten Outfits getanzt wird.
Bei den Black Lives Matter Demos fanden vielerorts Schweigeminuten statt, Menschen knieten zu Tausenden am Boden und oft flossen Tränen aus purer Verzweiflung. Videos und Bilder, die zu dem Thema gepostet werden, sollten daher respektvoll sein. Dass das möglich ist, zeigten beispielsweise die InfluencerInnen Diana zur Löwen oder Abigail Odoom.
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
Egal ob BloggerIn, JournalistIn oder Unternehmen: lasst uns Respekt zeigen und das Thema Rassismus nicht zu unserem eigenen Zweck, zur Selbstinszenierung oder für ein paar Likes missbrauchen. Ein sexy Selfie von der Black Lives Matter Demo zu posten und sich die anderen 364 Tage im Jahr nicht gegen Rassismus einzusetzen, hilft leider nicht. Es ist Zeit, glaubhafte Solidarität und echtes Engagement zu zeigen. Es ist auch Zeit, als weiße Person in die zweite Reihe zu treten, das Mikro abzugeben und einfach Mal nur zuzuhören.
Titelbild Credits: Screenshot Video von iamerickgabriel
DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN
Die "cringeste" Party Österreichs: Ein Kaff feiert Kevins und Würstchen im Mund
Am Land ticken nicht nur dir Uhren anders – auch die Nachtclubszene brilliert mit ländlichem Anderssein. Tatort: Niklasdorf. 2.365 Einwohner:innen. […]
¡Viva Viena! Deine Top 5 Tapas-Bars in Wien für authentischen Genuss
Du suchst die besten Tapas-Bars in Wien? Wien ist nicht nur für seine Kaffeehäuser berühmt, sondern auch die Szene der […]
Das OMR-Festival in Hamburg 2023: Wie war die digitale Marketingmesse?
Vergangene Woche fand das OMR-Festival (Online-Marketing Rockstar Festival) in Hamburg statt. Auch WARDA war auf der Messe und hat sich […]
Psychodelische Drogen bei psychischen Erkrankungen: Australische Regierung fördert Studien
Die Studien zu psychodelischen und illegalen Substanzen als Therapie für diverse psychische Erkrankungen mehren sich und zeigen nicht selten Erfolge. […]
Sexflaute ade: 10 Tipps für frische Höhepunkte in deiner Langzeitbeziehung von Sextoys bis Private Porn
In deiner Langzeitbeziehung weht schon länger eine Sexflaute durch die Laken? Hier 10 Tipps, wie ihr zu neuen Höhepunkten durchstartet.
Der Mythos reifer Frauen und wie mich die Jagd danach verändert hat
Zwischen Phantasie und Realität liegen häufig Welten. Bei Frauen um die vierzig und darüber, die eine sexuelle Beziehung mit Männern Anfang zwanzig eingehen, verhält es sich meist gleich. Ein paar Geschichten aus meinem Nähkästchen sollen zeigen, weshalb zu hohe Erwartungen das echte Leben negativ beeinflussen.







