Sie ist eine der spannendsten Stimmen ihrer Generation: Mit gerade einmal 14 Jahren schrieb Aline Tosch ihr erstes Buch auf einer alten Schreibmaschine. Heute, zwei Veröffentlichungen später, steht die junge Thriller-Autorin kurz vor der Matura. Ein Gespräch über die Verantwortung der Jugend, blutüberströmte Touristen in Kairo und warum sie Cliffhanger liebt.
Aline, du bist als sehr junge Autorin in der Branche erfolgreich. Welche Verantwortung empfindest du dabei und wie fühlt sich das an?
Eigentlich sehr cool! Durch meine Arbeit lerne ich Menschen kennen, die ich sonst nie getroffen hätte. Andere junge Leute, die singen, malen oder eben schreiben. Es zeigt mir, wie viel Potenzial in meiner Generation steckt. Gleichzeitig empfinde ich es als Verantwortung, zu zeigen, was wir können. Jugendliche werden oft verurteilt; die ältere Generation traut uns manchmal nur zu, in die Schule zu gehen. Da sage ich: Wir sind so viel mehr!
Wie haben deine Mitschüler und Lehrer darauf reagiert?
Ich habe extrem viel Support bekommen. Meine Lehrer haben sich direkt das Buch besorgt und nach Signaturen gefragt, richtig süß. Auch wenn ich mal für Interviews oder Fernsehdrehs fehle, ist das in der Schule kein Problem.
Mit 14 denkt man anders als ein Erwachsener. War deine Jugendlichkeit beim Schreiben eines Thrillers eher Fluch oder Segen?
Ein Mittelweg. Ich wurde von zu Hause aus so erzogen, dass man in der Welt besser hinsieht und nicht blauäugig durchs Leben geht. Ich habe früh Thriller gelesen und gemerkt, dass die Welt auch anders sein kann. Deshalb gibt es in meinen Büchern nicht immer ein Happy End, sondern eher eine Botschaft, die bleibt. Das Schreiben hilft mir auch, Dinge zu verarbeiten, die einen vielleicht belasten, wenn man so früh genau hinsieht.
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Warum ausgerechnet Thriller und keine Liebesgeschichten?
Das Genre hat mich schon immer fasziniert. Meine Oma sah lustigerweise aus wie die Schauspielerin von Miss Marple, das fand ich toll. Ich liebe den Spannungsaufbau und die komplexen Plots. Manchmal bin ich beim Schreiben selbst überrascht, wie verstrickt eine Geschichte noch werden kann.
Was macht für dich persönlich einen guten Thriller aus?
Die Story ist alles. Wenn ich Filme wie Shutter Island oder Fight Club sehe, ist mir der Cast egal. Ein Thriller ist dann gut, wenn das Ende dich komplett flasht, selbst wenn die Schauspieler völlig unbekannt wären. Es geht um das Screenplay, nicht um Hollywood-Gesichter.
Dein drittes Buch entsteht gerade. Gab es da einen speziellen Moment der Inspiration?
Ja, ein ziemlich krasser Moment in Kairo. Ich stand bei den Pyramiden am Ticketstand, als plötzlich eine blutüberströmte Touristin schreiend an mir vorbeilief, um einen Polizisten zu finden. Ich weiß bis heute nicht, was ihr passiert ist – aber genau so beginnt mein drittes Buch. Nur dass die Frau diesmal durch Italien läuft.
Du schreibst oft an recht exklusiven oder belebten Orten. Wo entstehen deine Geschichten am liebsten?
Ich bin oft in Wien und setze mich dort gerne in die Lobbys von Hotels wie dem Imperial oder dem Ritz. Aber ich schreibe auch extrem gerne am Flughafen. Dort kommen so viele unterschiedliche Menschen vorbei – das finde ich inspirierend und spannend für meine Plots.
Mit welchem Autor, tot oder lebendig, würdest du gerne einen Tag verbringen?
Ganz klar R. L. Stine! Ich liebe seine Bücher. Er schreibt immer noch auf einer Schreibmaschine, da sehe ich viele Parallelen. Oder Wes Anderson, der ist auch extrem cool.
Was ist dein absolutes Lieblingsbuch?
In 80 Tagen um die Welt von Jules Verne. Diese damalige Weltansicht fasziniert mich. Heute wissen wir durch Social Media schon vor der Reise, wie Japan aussieht. Damals sind die Menschen ohne Vorwissen losgezogen. Dieses unvoreingenommene Erleben würde ich auch gerne mal erfahren.
Und zum Abschluss: Welchen Satz kannst du als „jüngste Autorin“ nicht mehr hören?
„Mit 14 habe ich was ganz anderes gemacht.“ Ich höre das ständig. Jeder Mensch hat Potenzial, und ich finde, man redet sich mit solchen Aussagen nur selbst klein.
Titelbild © Walter J. Sieberer
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