Der weiße Ritter – oder um es im Fachjargon des Internets auszudrücken, der „white knight“ – gerät aktuell ganz schön in Verruf. Bekanntlich setzt er sich für die Armen und Schwachen ein. Er rettet, wo er nur kann. Und heutzutage ist er auch überzeugter Verfechter von Frauenrechten. Doch was genau soll daran schlecht sein und warum bekommt der Begriff solch eine negative Bedeutung? Welche Probleme löst er letztlich für den Feminismus aber auch für die anderen Männer aus? Und: Führen der Begriff und die Schubladisierung nicht zu weiteren Problemen?
Im Internet kursiert aktuell ein neuer Begriff. Wie der „simp“ oder auch der „nice guy“ stehen Männer mit dem Attribut „white knight“ der Frauenwelt zur Seite und kämpfen für sie. Doch wie eben auch bei den zwei ähnlichen Männertypen geht es dem „white knight“ nicht prinzipiell um Geschlechtergerechtigkeit. Oder darum, der Frau bestärkend zur Seite zu stehen. Es geht um Eigeninteresse. Es geht darum, Frauen zu beeindrucken.
Demgegenüber bleibt es aber ein Gut, sich für die Interessen der Frauen und allen in der Gesellschaft nicht gleichgestellten Gruppierungen einzusetzen. Ein Konflikt entsteht – aus Begrifflichkeit, falschen Intentionen, toxischer Männlichkeit und voreiligen Schlüssen.
Was ist ein White Knight?
Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man wohl meinen, es handle sich einfach um einen männlichen Feministen. Einen Mann, der für Gleichberechtigung einsteht. Das wäre etwas Gutes und vor allem Wichtiges. Denn der alte weiße Mann sollte schleunigst aus unserer Gesellschaft verdrängt werden. Doch wie der Wolf im Schafspelz mischt sich der „white knight“ unter die Gleichberechtigungskämpfer:innen und führt dabei etwas im Schilde.
Profilierung ist das Stichwort. Der Vorwurf seitens weiblicher Feministinnen und männlicher Geschlechtsgenossen lautet, manche Männer gäben sich nur als Mitstreiter aus, um auf das weibliche Geschlecht attraktiver zu wirken. Dieser Vorwurf findet im „white knight“ einen Begriff. Denn genau das machen diese Männer – wie auch der „nice guy“ oder der „simp“ -, so die Meinung des Internets. Doch kommt es zugleich zu einer inflationären Verwendung solcher Begriffe und dies schreckt wiederum Männer ab, sich selbstbewusst für das andere Geschlecht zu positionieren.
Der Unterschied zum emanzipierten Mann
Obwohl es im Kampf für die Geschlechtergerechtigkeit möglichst viele Gleichgesinnte braucht, sind solche Formen der rein oberflächlichen Aneignung von Meinungen natürlich destruktiv. Vor allem, wenn es darum geht, damit Frauen beeindrucken zu wollen. Zugleich kommt es auch zu einer voreiligen Unterstellung dieser Intentionen. Aber das Internet ist schneller geworden und somit auch die darin vorkommenden Prozesse. Ein Funke Wahrheit steckt dennoch hinter dem Begriff.
Statt sich für diverse Themen positiv und bestärkend zu äußern, den Frauen in der Kommunikation von Ungerechtigkeiten den Vortritt zu lassen und so dem betroffenen Geschlecht die Eigenständigkeit nicht abzusprechen, drängt sich der white knight in den Vordergrund. Dabei stiehlt er nicht nur die Show, sondern verzerrt damit auch den Themenfokus.
Der emanzipierte und dem Feminismus zugehörige Mann sollte sich primär der Selbstreflexion widmen und zugleich den Betroffenen die Bühne überlassen. Natürlich darf auch dieser sich für Gleichberechtigung stark machen, aber sollte nicht die Frauen übertönen und damit ihre Stimmen schwächen.
Aus diesem Grund birgt das Phänomen „white knight“ und zugleich auch dessen Begriff einige Gefahren für den Feminismus und die Beziehung zwischen den Geschlechtern. Das rein aus Eigeninteresse handelnde Männchen, das sich wirklich nur zur potenziellen Fortpflanzung mit fremden Federn schmückt, bringt zudem andere Männer in Verruf, die sich nicht aus Eigeninteresse für das andere Geschlecht positionieren.
Die Gefahren, die der white knight mitbringt
Man könnte den „white knight“ auch einfach ignorieren, wenn dadurch nicht Probleme entstehen würden. Denn er bringt vielfach Dinge ins Rollen, die dem Feminismus und auch den nicht-toxischen Männern keinen Gefallen tun. Aber auch der Begriff und dessen Verwendung haben negative Folgen.
Beginnend mit dem Bild des Feminismus, das solche Männertypen nach außen tragen, findet sich das erste Problem. Der Gleichberechtigung eher neutral gegenüberstehende oder mäßig informierte Personen könnten durch die übertriebene Positionierung abgeschreckt werden und bekommen so ein vollkommen falsches Bild vom Feminismus. Denn nicht selten schlägt der „white knight“ über die Stränge und statt Position für Gleichberechtigung zu beziehen, fordert dieser eine privilegierte Position von Frauen. Dafür erntet er auch häufig Kritik von Feministen – klar, er fährt ihnen damit mehrfach in die Parade.
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Außerdem spricht er dem weiblichen Geschlecht die Stärke ab, für sich selbst einstehen zu können. Und damit würdigt er ja letztlich die Frau wieder zum schwächeren Geschlecht herab. Dieses Phänomen kennen wir bereits vom „nice guy“. Bei diesem Thema kommt es zu einer vor allem für Männer verwirrenden Gratwanderung – die leider nicht selten dazu führt, dass sich Männer auch dort ihrer Stimme enthalten, wo es wirklich notwendig wäre. Dazu aber später noch mehr.
Das falsche Männerbild
Der Männerwelt schadet der weiße Ritter wiederum damit, dass grundsätzlich Nettigkeiten und Bestärkung von feministischen Positionen als Kalkül abgetan werden. Aber nicht jeder Mann bezieht für Gleichberechtigung Position mit der Intention, damit attraktiv auf das andere Geschlecht zu wirken. Letztlich aber bekommen Frauen durch die vermeintlichen Retter den Eindruck, dass es eben genau so ist – wie wir anhand des Buches „Ich hasse Männer“ und der pauschalen Verurteilung männlicher Feministen sehen können.
Und als letzten Punkt gilt es anzuführen, dass dies – wie in einer Kettenreaktion – wiederum bei unreflektierten Männern dazu führen kann, ein falsches Bild von richtigen Verhaltensweisen gegenüber Frauen vermittelt zu bekommen. Wenn Frauen ein für sie Einstehen als reines Kalkül abtun, fördert dies das Bild, dass Befürwortung der feministischen Position und eine Verurteilung als White Knight nicht förderlich für das zwischengeschlechtliche Verhältnis sei. Stattdessen dann doch lieber den vermeintlich echten Mann raushängen lassen und weiter mit Machismo durch die Welt wandeln, um „zum Stich zu kommen“ – um es grob auszudrücken.
Das Problem mit dem Begriff und der dadurch entstehenden Schublade
Wie viele Begriffe führt auch jener des „white knight“ dazu, dass Aussagen und Personen in Schubladen gesteckt werden. Denn nicht jeder nette Mann ist bekanntlich ein „nice guy“ und nicht jeder Mann der hinter seinen weiblichen Freundinnen steht, ist automatisch ein „simp“. Die Begrifflichkeit widerstrebt somit einer differenzierten und inidviduellen Betrachtung. Leichtfertig fällt im Internet die Kategorisierung des „white knighting“.
Damit unterbindet der Begriff zugleich erstens den sich positionierenden Mann und zweitens den Diskurs. Statt einzelne Punkte in einer Äußerung zu besprechen, stempelt man ab. Statt die Diskussion über ernsthafte Probleme zu fördern, kommt es zum Abwürgen durch fadenscheinige Kategorisierungen.
Im Zweifelsfall gilt: Lieber einmal zu viel für in der Gesellschaft schlechter gestellte Menschen Position beziehen, als sich der Stimme zu enthalten. Auch wenn ihr damit eine Schublade sowie die Unterstellung von „white knighting“ oder „simping“ riskiert. Natürlich sollten die Betroffenen stets im Vordergrund stehen. Aber das heißt nicht, dass man gar nichts mehr sagen soll. Immerhin entzieht ihr euch sonst vollkommen des Diskurses und der Unterstützung wichtiger Positionen.
Denn nicht selten kommt es zur Verwendung solcher Begriffe, um die Unterstützung für diverse Themen zu unterbinden. Im Falle des „white knight“ nutzen „toxic masculin“ Männer das Wort auch, um andere Männer abzuwürgen, die sich für Gleichberechtigung aussprechen.
@adatewithdatty in response to some recent videos. also forgot I had this clip. oops… #twitchtvstreamer #simp #whiteknight #streamerclip #girlstreamer
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