Warum machen wir das überhaupt?
Die ursprüngliche Idee hinter der Sommerzeit war denkbar simpel: Energie sparen. Wenn wir die Uhr im Frühjahr eine Stunde vorstellen, nutzen wir das natürliche Tageslicht im Sommer abends länger aus. Das Ziel war, dass Menschen abends weniger künstliches Licht einschalten müssen und dadurch Strom gespart wird.
Spoiler-Alert: Aus heutiger Sicht geht diese Rechnung kaum auf. Zwar sparen wir abends ein bisschen Licht, dafür wird im kälteren Frühling und Herbst morgens wieder mehr geheizt. Das deutsche Umweltbundesamt kam 2019 zum Schluss, dass sich beides nahezu vollständig ausgleicht.
Seit wann gibt es den Uhren-Zirkus?
Die Geschichte der Zeitumstellung ist überraschend alt und von Krisen geprägt:
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Der Pionier: Benjamin Franklin schlug bereits 1784 scherzhaft vor, dass die Pariser früher aufstehen sollten, um Kerzen zu sparen.
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Erstes Experiment (1916): Mitten im Ersten Weltkrieg führten das Deutsche Kaiserreich und Österreich-Ungarn als erste Staaten weltweit die Sommerzeit ein, um Kohle für die Kriegsindustrie zu sparen. Nach dem Krieg wurde das Experiment rasch wieder abgesagt.
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Zweiter Weltkrieg: Während des Zweiten Weltkriegs führten viele Länder die Sommerzeit erneut vorübergehend ein.
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Die moderne Zeitumstellung (1970er/1980er): Nach der großen Ölkrise von 1973 führten viele europäische Länder die Sommerzeit wieder ein. In Österreich gilt das aktuelle System durchgehend seit 1981.
Ok aber… also wie war das jetzt nochmal?
Damit du im Vollrausch nie wieder überlegen musst, wie gottlos wenige Stunden du noch hast bis du bei Oma am Mittagstisch halbwegs grade dreinschaun musst, merk dir einfach den Wiener Beisl-Klassiker:
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Im Frühjahr (Sommerzeit): „Die Tische werden VOR das Beisl gestellt“ → 1 Stunde VOR (von 02:00 auf 03:00 Uhr). Die Nacht im Club ist eine Stunde kürzer.
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Im Herbst (Winterzeit/Normalzeit): „Die Tische kommen ZURÜCK ins Beisl“ → 1 Stunde ZURÜCK (von 03:00 auf 02:00 Uhr). Eine Stunde mehr für Party oder Kater geschenkt!
Dieses tolle Verwirrspiel steigt EU-weit einheitlich immer am letzten Sonntag im März und am letzten Sonntag im Oktober.
Wo auf der Welt wird die Zeit umgestellt?
Entgegen der Wahrnehmung stellt bei weitem nicht die ganze Welt die Uhr um – im Gegenteil:
| Region |
Status |
| Europa |
Fast alle EU-Länder sowie UK und die Schweiz stellen um (Ausnahmen: Island, Belarus, Russland). |
| Nordamerika |
USA und Kanada stellen größtenteils um (mit Ausnahmen wie Arizona oder Hawaii). |
| Äquatornahe Länder |
Nahezu gar nicht. Da die Tage am Äquator das ganze Jahr gleich lang sind, macht eine Umstellung keinen Sinn. |
| Südhalbkugel |
Nur wenige Staaten wie Teile Australiens, Neuseelands oder Chiles – allerdings natürlich spiegelverkehrt zu unseren Jahreszeiten! |
| Abgeschafft |
Länder wie China, Indien, Russland, Türkei und Brasilien haben die Zeitumstellung komplett gestrichen. |
Welche Auswirkungen hat die Zeitumstellung wirklich?
Auch wenn es nur 60 Minuten sind: Unser Körper spürt den Unterschied deutlich.
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Mini-Jetlag für die innere Uhr: Der circadiane Rhythmus kommt durcheinander. Viele Menschen klagen nach der Umstellung im Frühjahr über Müdigkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsschwächen.
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Gesundheitliche Risiken: Studien zeigen, dass am Montag nach der Frühjahrsumstellung das Risiko für Herzinfarkte und Verkehrsunfälle leicht ansteigt, da viele Menschen mit Schlafmangel unterwegs sind.
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Landwirtschaft: Nicht nur Menschen haben Probleme – auch Kühe gewöhnen sich an feste Melkzeiten und reagieren gestresst auf plötzliche Verschiebungen.
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Das Abschaffungs-Dilemma: Die EU-Kommission stimmte bereits 2018 für eine Abschaffung der Zeitumstellung. Allerdings können sich die Mitgliedsstaaten bis heute nicht einigen, ob dauerhaft Sommerzeit oder Winterzeit gelten soll. Ein Flickenteppich an verschiedenen Zeitzonen mitten in Europa soll vermieden werden, weshalb das Projekt auf Eis liegt.
3 Fun Facts zur Zeitumstellung
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Einheitliche Zeit dank der Eisenbahn: Eine einheitliche gesetzliche Zeitbestimmung wurde im deutschen Sprachraum erst im April 1893 eingeführt. Wegen des wachsenden Eisenbahnverkehrs legte man damals die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) als verbindlichen Standard fest.
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Tödliches Timing: Im September 1999 verhinderte die Zeitumstellung einen Anschlag in Israel. Die Zeitzünder von drei Autobomben waren nach palästinensischer Zeit eingestellt, doch Israel hatte die Uhren bereits eine Stunde zurückgestellt. Die Terroristen orientierten sich an der israelischen Zeit – die Bomben explodierten im Auto und töteten nur die Attentäter selbst.
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Geburten-Verwirrung: Jap, tatsächlich… wird bei der Herbst-Umstellung ein Zwilling um 02:45 Uhr geboren und der zweite 20 Minuten später (nach dem Zurückstellen der Uhr also um 02:05 Uhr), ist das zweite Kind laut Geburtsurkunde älter als das erste!
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