Etikettenschwindel mit Fischprodukten: Österreich weltweit fünftgrößter Importeur von Haifleisch
Wisst ihr wie Haifleisch schmeckt? Nein!? Naja, vielleicht ja doch. Nur ohne es zu wissen. 200 Tonnen Haiprodukte wurden zwischen 2012 und 2019 nach Österreich importiert und hierzulande auch überwiegend konsumiert, brachte eine WWF-Analyse des internationalen Handels mit Haien und Rochen in Erfahrung. Ein Skandal!
EU für 22 Prozent des globalen Handels mit Haifleisch verantwortlich
Wer viel in Europa unterwegs ist bzw. vor der Pandemie unterwegs gewesen ist, dem ist vermutlich etwas bestimmtes aufgefallen. Oder auch nicht aufgefallen. Nämlich, dass es „bei uns“ in good old Europe in keinem Beitrittsland irgendwo offiziell Haifleisch zu bestellen gibt. Das ist natürlich gut so. Diese Tiere sind nämlich vom Aussterben bedroht!
Trotzdem fand die schon erwähnte WWF-Analyse heraus, dass die Europäische Union für knapp ein Viertel des globalen Handels mit Haifleisch verantwortlich ist. 36 Prozent der 1.200 Hai- und Rochenarten sind dadurch gefährdet und vom Aussterben bedroht.
Österreich – ungewollt eine Top Nation, was den Verzehr von Haifleisch betrifft
Wienerschnitzel, Kaiserschmarren und Hai. Ohne es zu wissen gesellte sich auch ein Teil dieser Importware zu unseren Leibspeisen auf den Teller. Denn 200 Tonnen dieser Haiprodukte wurden zwischen 2012 und 2019 nach Österreich importiert und hierzulande auch konsumiert. Natürlich hauptsächlich ohne das Wissen der Konsumenten und Konsumentinnen.
„Der Treiber im globalen Haihandel sind nicht nur teure Flossen, sondern auch Haifleisch, das meist als billiger Fischersatz dient. Haifleisch landet auch bei uns in der Kantinenverpflegung oder in Mischprodukten. Das ist den Menschen oft gar nicht bewusst“, erklärt Simone Niedermüller, Meeresexpertin des WWF Österreich. Gefordert werden darum verstärkte Kontrollen und mehr Transparenz. Die Rückverfolgbarkeit in Österreich und der EU gilt es diesbezüglich auch zu stärken, um letztlich und vor allem den illegalen Handel mit geschützten Arten zu unterbinden.
In Urlaubsländer ist der Etikettenschwindel hoch im Kurs
Doch nicht nur Österreich ist Opfer dieser betrügerischen Beschriftungen. Vor allem in Urlaubsländern wie Italien und Kroatien genießt dieser Etikettenschwindel mit Fischprodukten Hochkonjunktur. „DNA-Tests zeigen, dass illegal vermarktetes Haifleisch oft als Schwertfisch deklariert wird. Das birgt auch gesundheitliche Risiken, da der Quecksilbergehalt bei einigen Haiarten weit über den gesetzlichen Grenzwerten liegt.“, warnt Meeresexpertin Niedermüller weiter.
Unwissentlich zeichnen sich die EU-Staaten somit für 22 Prozent des globalen Handels mit Haifleisch verantwortlich. Und diese Prozentzahl bezieht sich „lediglich“ auf den Untersuchungszeitraum der WWF-Analyse, also 2012 – 2019. Wie es mittlerweile aussieht weiß man noch nicht!
Die EU – Auf den Hai gekommen
Weitere Erkenntnisse der WWF-Analyse: Spanien ist der weltweit größte Exporteur. Italien der größte Importeur und die EU der wichtigste Zulieferer für Ost- und Südostasiatische Märkte. Im Zeitraum der Untersuchung wurde weltweit somit Hai- und Rochenfleisch im Wert von 2,6 Milliarden US-Dollar gehandelt.
Ganz aufschlussreich: Österreich führte Haiprodukte im Wert von über 2,7 Millionen US-Dollar ein. Im Vergleich dazu wurden jedoch lediglich Haifleisch und -flossen im Wert von 57.000 US-Dollar wieder ausgeführt. Bedeutet: dass der wohl in Österreich verbliebene Rest der Haikost auf den Tellern der Konsumenten und Konsumentinnen liegen geblieben bzw. wohl eher unwissentlich verzehrt worden ist.
Expertin fordert Deklarierungsvorschriften und rigorose Ein- und Ausfuhr-Kontrollen
„Österreich ist ein Transitland für Haiprodukte, der überwiegende Teil wird aber hierzulande konsumiert“, sagt WWF-Expertin Niedermüller. Im Brennpunkt vor allem die Schillerlocken. Dabei handelt es sich um ein geräuchertes Produkt, das vor allem aus Dornhaien hergestellt wird.
Obwohl dies ausgewiesen werden muss, passiere das oftmals nicht, was Konsumentinnen und Konsumenten in die Irre führt, kritisiert der WWF. „Auch wenn Österreich ein kleines Land ist, kann man mit der strengen Umsetzung von Deklarierungsvorschriften sowie rigorosen Ein- und Ausfuhr-Kontrollen viel dazu beitragen, den Handel von Haien transparenter und nachhaltiger zu gestalten“, appelliert die Expertin.
Titelbildcredits: Shutterstock
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